Schuppen 68

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Sackkarren im Süden – Fotoserie – 08.04.2010

Seit Jahrzehnten faszinieren mich Sackkarren (österreichisch: Sackrodel, venezianische Sonderform: Carreto), archaische Transportmittel aus einer versunkenen Zeit, als Arbeit noch devirtualisierte, nichtmechanisierte Handarbeit war. Sie waren auch knarrende Begleitmusik einer sich konstituierenden Arbeiterbewegung: schwielige Arbeiterfäuste stützten sich in den raren Pausen auf ihre Holme, als es in hitzigen Diskussionen um die Frage der Organisationsform gemeinsamer Interessen ging. Vor allem interessieren mich Sackkarren im Süden Europas. Unsere korrespondieren Mitglieder versorgen mich mittlerweile mit Bildpreziosen aus der ganzen Welt. Geiles Foto von einem Küchenluder mit Sackkarre hier
Februar 2010 – ein Klassiker aus Puerto Mogan auf Gran Canaria, mit Hinweis auf ein “Juwälen” Geschäft. Herzlichen Dank dafür an Wilfried Vorzelter.

Dezember 2009 – neue Entdeckungen in Portugal

Batteriekarre am Busbahnhof in Lagos an der Algarve.


Gasflaschenkarre in Ferragudo an der Algarve

Der Portugiese in seiner pfiffigen Art kennt kaum Grenzen bei immer neuen Varianten des Grund- und Standardmodells “Sackkarre”, immer den landestypischen ökonomischen, soziokulturellen und geoklimatischen Bedingungen angepasst. Die Exkursion hat sich gelohnt! Hier muss ich wieder hin. Wer weiss, was der Portugiese noch alles auf Lager hat.

Zuhause bewundere ich im Freiluftteil meines Sackkarrenmuseums eine der ältesten noch existiernden Sackkarren der Welt, eine 1934er Oeringer & Weber. Eine unglaubliche Rarität, die ich vor vielen Jahren von Günther Fechner gestiftet bekommen habe, einem unvergessenen Förderer meines Anliegens. Habe das mit dem Museum (s. weiter unten) jetzt selber in die Hand genommen, der Italiener kommt ja garnicht voran. Ob da wieder die Mafia ihre Finger im Spiel hat?

Modell Oeringer & Weber von 1934. Der Bugatti unter den Sackkarren, davon existieren, soweit bekannt, weltweit nur noch 18 Stück!

Auf einer Studienreise durch Südeuropa habe ich drei Monate lang eine Fotodokumentation angefertigt über Sackkarren im Süden. Hier sind erste Bilder, von der Insel Ischia. Auslöser für eine intensive künstlerische Auseinadersetzung mit Sackkarren im Süden war eine Begegnung mit der venezianischen Sonderform, dem Carreto klick hier. Deshalb beginne ich mit Italien.
Für meine Fotodokumentation erhielt ich im Frühjahr 2009 den “premio speciale dell’ academia forio“.
Hier Auszüge der Arbeit:


Sackkarren sind heute noch unverzichtbar, beispielsweise beim Bierkistentransport und mahnen in Zeiten der Wirtschaftskrise einen Paradigmenwechsel an: mehr Entschleunigung, weg von Geschwindigkeitswahn und Größenrausch, hin zu mehr Ressourcenschonung und nachhaltigem Wirtschaften.
Eine Sackkarre, die in der Dämmerung am Straßenrand steht, wenn ihre Holme wie dunkle Finger in den Horizont stechen, hat sie nicht etwas Skelettartiges, wie ein Artefakt eine ganz eigene Ästhetik?
Zur Vorgeschichte: Ende der Siebziger des vorigen Jahrhunderts gründete ich  die FA. SK-SACKKARRENVERLEIH, heute würde man sagen: ein Start-Up. Die Firma wurde mittlerweile in den SCHUPPEN 68 integriert. Geblieben ist meine Faszination eines wenig beachteten Gegenstandes, der in Ästhetik, Funktion und Symbolhaltigkeit über sich hinausweist und mehr Beachtung verdient hat.
Ich besitze mittlerweile eine der größten weltweiten Sammlungen von Sackkarren und plane mit der Unterstützung der Stadt Neapel und der Kunststiftung Kampanien auf Ischia ein Sackkarrenmuseum einzurichten.
Andere Beispiele der Reise: Algarve (Portimao, links) und Kalabrien (Tropea):