Documenta-Mitarbeiter vernichten Schuppen 68-Objekt
Der Schuppen 68, 1968 als Schüler- und Studententheater in Hannover-Linden entstanden, erlebt seit den neunziger Jahren seinen dritten Frühling. Klaus-Dieter Gleitze, hat das Projekt seinerzeit wiederbelebt und inzwischen eine vielköpfige Satire- und Künstlervereinigung um sich geschart. „Ideengeschichtlich stehen wir in der Tradition der Aufklärung“, sagt Gleitze. Das aktuelle Documenta-Projekt der Gruppe fiel jüngst einem Akt des institutionalisierten Vandalismus zum Opfer.
Documenta Skandal
Bereits vor ihrem Ende steht fest: die Documenta 12 ist gelungen. Als Gegenentwurf zum anödenden, erkenntnislosen Event- und Starkultrummel der zeitgenössischen Kunstszene ist sie nicht nur von ästhetisch sinnlicher Präsenz, sondern in ihrer hierarchiefreien Präsentation der ausstellenden ProduzentInnen, der Materialien und Medien eins im besten Sinne: aufklärerisch. Warum dann aber das folgende, das nicht anderes als „Skandal“ zu nennen ist?
Skandal – I:
Am 25.08.2007 inszenierte der SCHUPPEN 68 im Rahmen der Documenta die Installations-Performance „Freibier und Erbsensuppe“. Sie fand begeisterte Aufnahme beim in- und ausländischen – auch jüngeren – Publikum. Mit dieser temporären, seriellen Installations-Performance hat der SCHUPPEN 68 die Reihe seiner Gesamtkunstwerke fortgesetzt, dieses Mal durch die Wahl des Materials und der Präsentation, angesiedelt zwischen einer quasi postindustriellen Arte Povera und neodadaistischem Fluxus Artefakt.
Inhaltlich bezog sich das Team des SCHUPPEN 68 explizit auf die Kernfragen dieser Documenta: Ist die Moderne unsere Antike? Was ist das bloße Leben? Was tun?
Blieb die Frage: in welchen Diskurs tritt die Documenta mit diesem Open Space Projekt?
Skandal – II:
Diese Frage wurde zeitnah durch die Documenta Offiziellen beantwortet: Zensur!
Innerhalb kurzer Zeit wurden die Installationsbestandteile des Gesamtkunstwerkes beschlagnahmt und weggeräumt. Lassen wir einmal den mittlerweile nicht unbeträchtlichen Kunstmarkt-Wert der Installation – jedes Bestandteil ist ein handsigniertes Unikat – außer Acht, ist dieser Documenta – einmalige Zensurakt nicht zuletzt deshalb umso unverständlicher, als sich der SCHUPPEN 68 auch auf der Produzentenebene als Bestandteil von globalen informellen Künstlernetzwerken wie beispielsweise der „Radek Community“ begreift, deren herausragender Exponent, Anatoli Osmolowsky, mit mehreren exzellenten Werken auf der aktuellen Documenta vertreten ist.
Skandal – III:
Zitat von Documenta Leiter Roger M. Buergel aus „Leitmotive“, Dezember 2005: „Mitunter gelingt es der Kunst, die Trennung zwischen schmerzvoller Unterwerfung und jauchzender Befreiung vergessen zu machen.“ Trefflich formuliert, Herr Buergel. Auf die jauchzende Befreiung seiner Installation freut sich der SCHUPPEN 68 schon jetzt. Wie wäre es bei einem gemeinsamen Essen im Restaurant „elBulli“, dem spanischen Kochprojekt der Documenta von Starkoch Adria?





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