28.11.2018 – Was ist das gute Leben?


Clemens Basilika, beim Lichtkunstfestival „Hannover leuchtet“. Aus Berlin importiert, woher sonst, aber legitim. Nett anzusehen, man sieht die eigene Stadt in einem anderen Licht, eine Perspektive, die auch für das andere, das eigene Leben nie schaden kann. Schön fand ich bei der Clemens Basilika, der einzigen Kirche in ganz Norddeutschland mit komplett italienischer Architektur, die Barockputten. Keine coole Kunst in der Lichtinstallation, die sich an die Postmoderne ranwanzt, sondern was herzerwärmendes in dekonstruierten Zeiten. Außerdem war ich in der Kirche Messdiener, da kommen Erinnerungen hoch: Introibo ad altare dei …
Heute bin ich Heide, aber meine Wurzeln lassen sich nicht verleugnen.
Dass Fußballstadien die Basiliken der Neuzeit sind, ist weiß Göttin keine Erfindung von mir

Olympiastadion Berlin, erbaut zur Olympiade 1936. Fußball ist neben Kultur und Religion eine der letzten großen Erzählungen, die unserer Gesellschaft noch verbindet, narrativer Kitt sozusagen. Fußball ist auch Ersatzreligion, Anhänger beider Kulturen sind mitunter fanatisch, fasziniert von Ritualen, Gesängen, Inszenierungen, die Gemeinde trifft sich zu festlegten Zeiten, in der Kirche, im Stadion, in der Kneipe, der Verstand setzt aus (so überhaupt vorhanden), Idole werden angebetet, idealisiert, Kreuzzüge gegen den jeweiligen Gegner imaginiert, oft auch in Hooligan Gewalt umgesetzt. Gruselig fand ich die Reaktion des örtlichen Plebs, als ein bekannter Torwart von Hannover 96 sich wegen Depressionen umbrachte. Tausende trauerten echt, trafen sich vor dem Stadion, trugen sich in Kondolenzbücher ein, ich glaube, es gab sogar eine Trauerfeier im Stadion. Es war so wie bei Hindenburgs Beerdigung. Die Leute waren traurig, obwohl sie den Torwart überhaupt nicht kannten, höchstens irgendwelches Medienblabla über ihn.
Nun kann man sich über solche armen Würste mokieren. Das verkennt aber die Funktion solcher Torwarte und der Trauer der Menschen. An die Geschichte, dass Jesus übers Wasser ging, muss man glauben, dann wird sie real, und dann wird aus Jesus, dem Torwart und dem Plebs die Erzählung, die den Laden hier zusammenhält. Die Feststellung von Adorno: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, prallt am toten Torwart ab. Die Frage ist, was ist das gute Leben.
Die Antwort darauf, liebe Leserinnen, gibt es im nächsten Blogeintrag. Ich muss aufs Radl, bei minus vier Grad. DAS ist das falsche Leben.
Echt jetzt.

24.11.2018 – Rosen statt Kälte.


Rosen statt Kälte, heute Morgen im Garten. Eine Mutation, als Produkt der Evolution Vorbotin einer neuen stählernen Rosenrasse, die allen Widrigkeiten trotzt? Oder Produkt der menschengemachten Klimaerwärmung, das nach diesen Wärmerekorden bis in den November hinein einfach nur seinen normalen Zyklus verlängert?
Der Mensch pfuscht ja auf allen Ebenen der Natur ins Handwerk. Was mir aus den letzten Tagen als Meldung in Erinnerung blieb, war unter anderem, dass die Treibhausgas-Werte so hoch sind wie nie zuvor. Es ist mittlerweile 5 nach 12, der Prozess ist offensichtlich unumkehrbar, die Frage ist nur, wie dramatisch die Effekte ausfallen und wo man den Prozess abbremsen kann. Aus den Beobachtungen meines Alltags würde ich sagen: Nirgendwo. Wenn ich mir die SUVs vor meinem Fenster angucke und mein eigenes Flugreise-Verhalten, ist es kein Zweifel, den ich über mangelnde Lernfähigkeit der Spezies Homo Idioticus hege, es ist Gewissheit, die ich besitze. Die Anpassungsfähigkeit des Menschen an seine Umwelt mag individuell phänomenal sein, als Gattung ist er mit der Geschwindigkeit der Veränderung in der digitalen Welt überfordert.
Mir egal. Ich kann auf die Gattung Mensch gerne verzichten. Ich hab gebucht, eine Woche da, wo es 20 Grad sind, die Sonne ein mildes Lächeln über einsame Strände legt und die Eingeborenen den gemeinen Teutonen Saisonbedingt nicht mehr oder noch nicht als Angehörigen einer feindlichen Invasionsarmada betrachten. Ich hoffe nur, dass mich dort keine West-Nil-Fieber-Mücke sticht oder gar eine böse Anopheles mich mit Malaria infiziert, ansonsten nach mir die Sintflut. Ökologisch gesehen bin ich Teil des Problems, in Sachen soziale Gerechtigkeit Teil der Lösung. Kann ich mit leben. Wer ist schon perfekt.
In Sachen Malaria besteht zumindest Hoffnung. Es ist wohl Forscherinnen gelungen mittels Eingriffen in das Erbgut von Mücken die klassische Vererbung so außer Kraft zu setzen, dass sich innerhalb weniger Generationen die unfruchtbaren Weibchen durchsetzen, was am Ende logischerweise den Kollaps einer Population bedeutet. Typischer Machbarkeitswahn von Technikerinnen. Seuchen und Pandemien sind nicht so sehr eine Frage von Viren und Bakterien, sondern eine Frage von Bildung, Infrastruktur und Armut. Gib den Leuten ein Malarianetz, versorge sie mit sauberem Wasser, Medikamenten und Krankenhäusern, von guter Ernährung und Jobs ganz zu schweigen, und schon wird Malaria nur noch ein individuelles Problem und nicht mehr das von ganzen Weltregionen. Was an Seuchen am tödlichsten wirkt, ist Armut. Ich warte nur darauf, dass irgendein misanthropischer Forscher auf die Idee kommt, Mücken für die Übertragung eines Virus kompatibel zu machen, das die Mortalitätsrate von Ebola und die Widerstandsfähigkeit eines Norovirus hat. Hollywood lässt grüßen. Und wo bleibt das Schöne? Hier:

Quinta de la Rosa (die hellen Gebäude am linken Flussufer) am Douro, wo das köstlichste Getränk auf Erden produziert wird: Der Portwein.
Schönes Wochenende, liebe Leserinnen, ich fang an zu packen.

20.11.2018 – SCHUPPEN 68 bringt neues Spiel zu Weihnachten auf den Markt: „Deutscher ärgere Dich nicht“


Deutscher ärgere Dich nicht!
(Idee & Konzept: Schuppen 68/ Ausführung: design.in-fluenz.de)
Rechtzeitig zum Weihnachtsfest bringt das Künstler-Netzwerk SCHUPPEN 68 ein neues Brettspiel für Jung und Alt auf den Markt: „Deutscher ärgere Dich nicht“.
„Deutscher ärgere Dich nicht“ ist inspiriert vom deutschen Spiele-Klassiker „Mensch ärgere Dich nicht“ und wendet sich an die immer größer werdende Zahl völkisch Interessierter und Beobachter.
Zitat aus der Spielanleitung:
„ … „Deutscher ärgere Dich nicht“ ist das ideale Weihnachtsgeschenk für alle völkisch Interessierten und Beobachter. Es bringt die ganze deutsche Familie unter dem Weihnachtsbaum wieder zusammen.
Hintergrund dieses neuen Klassikers: Nicht nur Sprache, sondern auch Spiele müssen radikal gesäubert und eingedeutscht werden. Umvolkung findet auch im scheinbar harmlosen Spielebereich statt. Bei „Mensch ärgere Dich nicht“ zum Beispiel durch den inflationär und gleichmacherisch verwendeten Begriff „Mensch“….
Zentrale Spielregel: Es gibt drei Kategorien Steine.
Kategorie 1: Die Blauen. Sie sind in AfD-blau gehalten und symbolisieren die echten Deutschen.
Die Blauen dürfen alle anderen Steine rausschmeißen, können aber selber nicht rausgeschmissen werden.
Kategorie 2: Die Roten, Grünen und Violetten. Sie symbolisieren die linksgrünversiffte Alternativ-Unkultur des familienzersetzenden Genderwahns. Da sie aber auch Deutsche sind, dürfen sie Kategorie 3-Steine rausschmeißen, können von diesen jedoch nicht rausgeschmissen werden. Sie können von Kategorie 1-Steine rausgeschmissen werden, dürfen diese selber allerdings nicht rausschmeißen.
Kategorie 3: Die Gelben und die Schwarzen. Die Gelben und die Schwarzen symbolisieren alles Fremde. Kategorie 3-Steine können von allen rausgeschmissen werden, dürfen aber selber niemanden rausschmeißen.
Die Figuren werden vor Spielbeginn ausgelost. … “

„Deutscher ärgere Dich nicht“ gibt es in mehreren Varianten:
– die klassische Variante für Standard-Endverbraucher*innen, für 68 D-Mark
– die limitierte und nummerierte Luxusvariante in völkisch-braun, für 68 Reichsmark
– die Erlebnisversion für unsere Kleinen bis 8, mit Spielzeugzäunen und Mauern zur Abgrenzung des eigenen Feldes sowie Schiffchen, auf denen die rausgeschmissenen Kategorie 3-Steine, die Schwarzen und die Gelben, in einer kleinen Badewanne in Mittelmeerform auf die Reise nach Hause geschickt werden, für 68 Taler
Mit dem Reinerlös des Weihnachtsverkaufs von „Deutscher ärgere Dich nicht“ wird ein Auftritt der Band „Feine Sahne Fischfilet“ im neuerrichteten SCHUPPEN 68 finanziert.

Die vollständige PM gibt es hier PM-SCHUPPEN 68 bringt neues Spiel zu Weihnachten auf den Markt-Deutscher ärgere Dich nicht

17.11.2018 – *


Der männliche Blick. Reisekatalog von 1968. Frauen zur Objekt-Pose erstarrt, dekorativ, sie scheinen auf irgendetwas zu warten (im Zweifel natürlich auf Männe mit zwei Cocktails in der Hand). Über dem Bild liegt ein Schleier von Erstarrung, von Panzerung, fast wie ein Szenenfoto aus einem Alienfilm, bei dem außerirdische Wesen die Menschen in geisterhafte Zombies verwandelt haben. Das Foto hätte genauso gut 1958 aufgenommen sein können, aber hier, 1968, ist das Bild ein letztes verzweifeltes Verharren in Verhältnissen, die nicht mehr so sind, wie sie scheinen. 3 Jahre später würde ein Reisekatalog vollkommen anders bebildert sein, Frauen und Männer würden bunt durcheinander gewürfelt zusammen an einer Bar abhängen und gemeinsam dem Afri-Cola Rausch frönen. Wenn 68 ff. in etwas die Verhältnisse zum Tanzen gebracht hat, dann im Nachdenken über das Geschlechterverhältnis. Grundlegende Veränderungen, was etwas anderes ist als das Nachdenken darüber, hat 68 sicher in der Aufzucht der Brut bewirkt. Autoritäre, gewaltförmige Kindererziehung ist heutzutage ein stigmatisiertes Außenseiter-Phänomen. Ansonsten hat 68 noch die Pest der grenzenlosen Subjektivität eines „Ich, Ich, Ich“ hervorgebracht und ist als Ansatz der Befreiung von Herrschaft nicht nur gescheitert, sondern dabei, in sein autoritäres Gegenteil umzuschlagen. Wie schön, dass es da Nebelkerzen gibt, die das Ganze mit einem grandiosen diskursiven Geschwafel übertünchen (Nebelkerzen, die übertünchen? Da bin ich auf der Metaphern-Allee mal wieder voll aus der Kurve geflogen). Die heutige Nebelkerze ist der Rat für deutsche Rechtschreibung, der gendergerechtes Schreiben noch in der Erprobungsphase sieht. Man werde daher nicht vorweggreifen und eine Empfehlung aussprechen. Im Zweifel für das „*“, denn da geht die Entwicklung hin.
Ich benutze das „*“ seit längerem im offiziellen Verkehr, aus pragmatischen Gründen, weil mir schon lange klar war, wo die Entwicklung hingeht. In diesem Blog hier, also privat, benutze ich überwiegend die rein weibliche Form. In den letzten 200 Jahren wurde immer die männliche Form benutzt, warum also nicht mal 200 Jahre weiblich.
Die Fronten gehen in der Diskussion quer, Alt-Feministinnen insistieren auf dem femininen Binnenmajuskel „I“, alte, weiße Männer, egal ob Sozialisten oder AfD, sind komplett gegen eine Veränderung. Logisch, hat ja mit Machtverlust zu tun. Die AfD hat insofern recht, als eine Veränderung ideologisch („linksgrüngenderversifft“) begründet ist. Sprache bildet Herrschaft ab und befördert sie, ihre Veränderung hat mit Macht zu tun und Macht ist immer ideologisch. Nur wer Macht hat, kann verändern.
Was sich nicht ändert, ist die ungleiche Bezahlung von Frauen, die Gender Pay Gap, die ungleiche Besetzung von Führungspositionen durch Frauen und die strukturelle Gewalt gegen Frauen. Insofern ist das hysterische Gekeife um das „*“, ein regelrechter Kulturkampf, eine wundervolle Nebelkerze, die an der realen gesellschaftlichen Macht nichts ändert. Du böse, böse übertünchende Nebelkerze.
Sie, liebe Leserinnen, wissen also, was zu tun ist. Schönes Wochenende und möge Ihnen Männe einen köstlichen Cocktail kredenzen.

15.11.2018 – 1968: So fing alles an


Jedenfalls mit dem Tourismus in Can Picafort auf Mallorca.
Ein aus architektonischer Sicht ikonischer Bau, den hätte ich vor ein paar Jahren noch gruselig gefunden, heute finde ich ihn spannend und charmant. Ästhetik ist keine überzeitliche Kategorie, kein ewiges Prinzip, sondern wandelt sich. Alles verändert sich. Can Picafort ist heute eine scheußliche Ansammlung von Betonklötzen, aber von da aus kann man schön wandern. Alles verändert sich, auch das Klima. Vor ein paar Tagen war es frühlingshaft, der November bricht wohl auch wieder alle Wetterrekorde, wie fast jeder Monat heuer. Nachdem ich schon in einige Winterrituale verfallen war, wie Puschen raus, Fußsack in Betrieb, Handschuhe auf Fahrrad etc. pp, verfiel ich umstandslos in Frühlingserwachen. Dazu gehört ein Gefühl von „Es muss was passieren“, raus aus der Verharrung, der Routine, dem Alltag, rein in Action, gerne auch was mit Adrenalin.
Aber was? Ich kann ja nicht dauernd ne Zeitung gründen, Theater produzieren, Kunstprojekte kuratieren, etc. pp. Ich grübelte, mir fiel nix ein. Vorgestern Morgen ein schales Gefühl. Eine wattige Leere, mit Worten schwer greifbar.

Helfen Bilder? Farbenleere.
Der Tag nach dem Morgen brachte mich auf Trab. Unser Fachtag „Wohnung ist ein Menschenrecht“ war komplett ausverkauft, viele Expertinnen und Betroffene, die sich außerordentlich engagiert einbrachten. Der NDR berichtete „Landesarmutskonferenz schlägt Alarm“. Und das Schönste: Der Hauptreferent kam nicht. Wir mussten mit zwei, drei Leuten im laufenden Betrieb das Design der Veranstaltung um-improvisieren. Action, Adrenalin!
Und nächste Woche wird Winter. Frühlingserwachen ade. Alles wird gut. Respektive Scheisse. Ich hasse den Winter, die Kälte, die Dunkelheit.
Nicht gut: Im Gegensatz zum NDR, der regelmäßig und kompetent seiner Informationspflicht nachkommt über ein Thema, dass 1,2 Millionen Menschen in Niedersachsen betrifft, nämlich Armut, schweigt der hiesige Madsack Zeitungs-Konzern (zu 20 % in SPD Besitz) das Thema komplett tot. Bis auf die Vorweihnachtszeit, wo das gesammelte Spießertum wieder ein paar Charity-Euro rausrückt und die mit ein paar Almosen beglückten Betroffenen gnadenlos an die Madsack Öffentlichkeit gezerrt und zum Dankeschön-Sagen erpresst werden. Dafür zerstückelt der Verlag Firmen in kleine, tariflose Einheiten, streicht Stellen und schließt Druckereien. Ach Mad Sack, Du trägst Deinen Namen zu Recht.
Es gibt allerdings ein paar Schreibende da, die sind nicht ganz daneben….Da sach ich mal ganz pauschal: Man sollte nicht immer alles pauschalisieren.

11.11.2018 – Ich sollte meine Flugreisen verdoppeln


Sommerblume bildet im November neue Blüten. Das hat die Dipladenie noch nie gemacht.

Himbeeren reifen immer noch. Im November Himbeeren ernten, das hatte ich auch noch nie.
Es lebe der Klimawandel. Ich mache gerade Pläne für 2019, Diensttermine koordinieren, Zeitleiste für meine Berliner Homebase aufstellen und Korridore für Reisen freihalten. Ich sollte unbedingt noch ne Schippe an Flugreisen drauflegen, die in einer individuellen Ökobilanz das zweitgrößte Desaster darstellen. In dieser Desasterbilanz mit Abstand an erster Stelle steht natürlich die Aufzucht von eigener Brut. Also wenn ich meine Flugreisen verdoppele, ist das ein guter Schritt zur Verlängerung der (Elektro-)Grillsaison bis in den Dezember. Wenn es auch nicht mehr so sehr grünt, so blüht es doch unentwegt in meinem Garten. Grün ist meine Lieblingsfarbe. Ich habe z. B. darauf insistiert, dass die Rückwand unseres Haus-Gartens, im Winter weithin nach außen sichtbar, nicht in so einem alternativen Terrakotta-Kackocker, wie es jede ex-alternative Gretetofu resp. Hanswurst heutzutage macht, sondern in einem Pastellgrün bepinselt wird. Allerdings wird mir meine Lieblingsfarbe zunehmend durch die Partei gleichen Namens verleidet. Ich stehe nach wie vor staunend vor der Tatsache, dass einzig die SPD für den größten sozialpolitischen Raubzug der Nachkriegszeit, inszeniert ab 1998 durch die Schröder-Fischer Gang, verantwortlich gemacht wird und diese Mitverantwortung komplett an den Teflon-Grünen abperlt. Aber wenn es gerecht auf der Welt zuginge, wäre ich schon dreimal Aussteller auf der Documenta gewesen.
Regelrecht den Atem verschlägt es mir aber, wie rasant die Grünen AFD-kompatibel und zur Belohnung zur stärksten aller Parteien werden.
ICH persönlich befürworte es ja, wenn man wie grüne Promis gewaltbereite Fußballfans und vergewaltigende Familienväter in Konzentrationslager einsperren will oder weit draußen in der Natur aussetzen will, wo sie dann … ja, was dann? Erfrieren? Verhungern?
Beleg 1, Zitat von Boris Palmer, grüner OB von Tübingen: „Und diejenigen, die eine Gefahr sind, die oft mit der Polizei in Konflikt geraten oder eben hochgradig psychisch instabil, die sollten sich nicht frei in Städten und Gemeinden bewegen dürfen, sondern in sicheren staatlichen Einrichtungen (früher: KZs, d. A.) untergebracht werden„.
Beleg 2, Zitat von Kretschmann, grüner MP in Baden-Württemberg: „Salopp gesagt ist das Gefährlichste, was die menschliche Evolution hervorgebracht hat, junge Männerhorden. Solche testosterongesteuerten Gruppen können immer Böses anrichten.“ Und sollten in die „Pampa“ geschickt werden.
Natürlich sind mit den Zitaten weder der Fußball-Mob noch besagte Familienväter gemeint gewesen, sondern Flüchtlinge. Ersteres war eine niederträchtige und infame Unterstellung von mir. Angeregt durch den Ungeist, der aus der Sprache von Palmer und Kretschmann spricht. Da wütet und waltet etwas in ihnen, das mich gruselt. Und das immer weniger gedeckelt wird, weil die schützende, zivile Hülle immer brüchiger wird. AfD lässt grüßen. Kretschmann ist eben mental immer noch der durchgeknallte Politfreak, der früher dieser Kaspervereinigung Kommunistischer Bund Westdeutschlands angehörte, und jetzt wieder seinen Phantasien freien Lauf lassen kann.

10.11.2018 – „Wir sind in allem Weltmeister, aber allen anderen geht’s besser als uns.“


Veranstaltung Begegnungsstätte der katholischen Kirche ka:punkt in Hannover, für Menschen mit geringem Einkommen. Thema Rente. Mein Gesprächspartner: Lars Niggemeyer vom DGB. Es geht aber hauptsächlich darum, dass die Besucherinnen des ka:punkt zu Wort kommen, unsere Gesprächsreihe „Politik-Talk“ will durch Beteiligung gegen Politikverdrossenheit intervenieren. Was auch ganz gut klappt, es kommen regelmäßig ca. 60 Leute und diskutieren sehr munter mit. Wir dokumentieren sowas auch immer, siehe Foto oben, vom besten Praktikanten der Welt. Das Kreuz über meinem Kopf irritiert mich aber schon etwas. Ganz abgesehen von der Frage, ob öffentlich zur Schau gestellte Extrem-Bondage-Techniken wie eine Kreuzigung nicht Schaden an kindlichen Gemütern nehmen können, halte ich das Prinzip „Glauben“ nicht gerade für eine herausragende Errungenschaft der Aufklärung. Als ehemaliger Messdiener weiß ich, wovon ich schreibe. Nun ist es aber mit dem Glauben so, dass selbst die beinhärteste Atheistin eben nicht genau weiß, ob es nicht doch ein – oder mehrere – höheres Wesen gibt, das so viele verehren.
Ich halte mir die Hintertür zum Paradies jedenfalls sicherheitshalber auf durch Führung eines überwiegend Göttingefälligen Lebens, sieht man mal von der Einhaltung der 10 Gebote ab. Und bei dem Foto oben kamen mir schon Zweifel, ob das nicht ein Wink des Himmels ist: Tu Buße. Oder dergleichen.
Zuhause angekommen, war ich ziemlich platt. Die Tage sind kurz, aber hart und prall gefüllt mit Arbeit. Die Veranstaltung vom Vortag steckte mir noch in den Knochen, wo ich als Teilnehmer eines Podiums über bezahlbares Wohnen mit Bauminister Olaf Lies und anderen Koryphäen vor 500 Teilnehmerinnen lichtvoll meine Expertise ausbreiten sollte, infolge Einsteigens in den falschen Zug die Veranstaltung aber verspätet erreichte, in dem Moment, wo der hiesige Ministerpräsident Weil seine machtvollen Begrüßungsworte in den Saal goß.
Und das mir, für den Zuspätkommen seit Jahrzehnten keine Option ist. Ich hatte kurzfristig überlegt, ob ich Harakiri begehen sollte statt das Podium zu entern, aber mangels Samurai-Schwert und wegen zahlreicher ausstehender Termine davon abgesehen.
Ich lechzte nach dem ka:punkt also nach einem kühlen Wermut, im Moment mein absolutes Lieblingsgetränk. An der Ampel vor meiner Homebase herrschte Finsternis. Im Treppenhaus: Finsternis. Im Flur: Finsternis.

Siehe, es ward Finsternis im Lande respektive in meiner ganzen Butze. Kein Licht ging, keine Heizung, kein PC. Nichts. Stromausfall. Ein eiskaltes Händchen der Panik griff an mein Herz. Ich stürzte an den Kühlschrank und tatsächlich: Der Wermut hatte mindestens 13,5 Grad. Ein Wermut über 12 Grad ist aber Spülwasser, Desinfektionsmittel, was auch immer, aber keinesfalls genießbar.
Ich brach weinend am Küchentisch zusammen und wandte mich flehend gen Himmel: „Oh Göttin, womit willst Du mich noch heimsuchen?“
Nach 30 Minuten ging der Strom wieder. Ich aber hatte Armageddon ins Auge geschaut.
Was bleibt sonst noch von dem Tag? Die Bemerkung eines Teilnehmers im ka:punkt angesichts der wesentlich sozialeren Renten-Situation in Österreich:
„Wir sind in allem Weltmeister, aber allen anderen geht’s besser als uns.“
Schönes Wochenende, liebe Leserinnen.

09.11.2018 – 80 Jahre Novemberpogrome


Herrliches Wetter, die Sonne scheint, Reste der Dipladenie, eine Sommer-pur Pflanze, die normalerweise schon bei weniger als 10 Grad schwächelt, klammern sich mit Macht an jeden Sonnenstrahl. Ich bin bester Laune und wollte diesen Blog gerade mit einem lustigen Erlebnis füllen, wie ich gestern bei der Anfahrt zum Kongress des Bündnisses für bezahlbares Wohnen in Niedersachsen, bei dem ich auf dem Podium eingeplant war, in den Zug in die falsche Richtung gestiegen bin. Die Eröffnungsrede hielt der hiesige Ministerpräsident Stephan Weil, 500 Teilnehmerinnen, auf dem Podium nur wichtige Minister etc. pp., außer mir …
Eine jener Geschichten, die am Lagerfeuer Weltklasse wirken …
Und dann kriegte ich diese PM der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, deren Mitglied ich bin, und meine gute Laune ist komplett weg. Es geht anlässlich des 9. November um die sogenannte BDS-Bewegung, eine Ansammlung linker Antisemiten, die zum Boykott Israels aufruft.
Auch Linke können dem Mob angehören. Diese Bewegung ist einfach widerlich und es steht zu befürchten, dass sie zunehmend mainstreamfähig wird. Gut, dass ich keiner Partei angehöre, das erspart z. B. mir den Austritt aus der Linken, in deren Reihen linker Antisemitismus eine lange Tradition besitzt. Hier der Text der PM, da muss ich nix dazu dichten:
„Wehret den Anfängen – BDS ist Antisemitismus pur“
Die beiden Vizepräsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Parlamentarischer Staatssekretär Christian Lange (SPD) und die stellv. Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Gitta Connemann (CDU), erklären anlässlich des 80. Jahrestags des 9. November 1938:
„Der 9. November 1938 ist einer der dunkelsten und schlimmsten Tage in der Geschichte unseres Landes. In der Reichspogromnacht brannten überall Synagogen und jüdische Einrichtungen. Wohnungen und Geschäfte wurden geplündert und zerstört, Tausende von Juden verhaftet und Hunderte getötet – alles unter den Augen der Öffentlichkeit. Es war ein staatlich inszenierter Zivilisationsbruch, nicht nur verübt von fanatischen Nationalsozialisten, sondern auch von Menschen, die bis dahin Nachbarn waren. Das erfüllt uns auch nach 80
Jahre mit Scham und Entsetzen“. „Es ist umso unerträglicher, dass auch im Jahr 2018 in unserem Land Synagogen, jüdische Kindergärten, Schulen und Gemeindehäuser von Sicherheitskräften beschützt werden müssen. Dass auf Demonstrationen offen antisemitische Parolen skandiert oder israelische Fahnen verbrannt werden. Dass im Internet gegen
Juden gehetzt wird oder Juden, die eine Kippa tragen auf offener Straße angegriffen werden. Hier ist weiter und wieder großer Handlungsbedarf. Dies wollen und dürfen wir nicht zulassen. Wehret den Anfängen“, so Lange und Connemann weiter.
„Ebenso wollen und dürfen wir nicht hinnehmen, dass die so genannte BDS-Bewegung („Boykott, Disvestment und Sanctions“) zum Boykott von Israel aufruft und damit auch die deutsch-israelischen Beziehungen massiv belastet. Aktivisten der BDS-Bewegung stören Veranstaltungen, bei denen Israelis auftreten, sie demonstrieren vor Kaufhäusern, in denen man israelische Produkte kaufen kann. Aus „Kauft nicht bei Juden“ ist ein „Boykottiert Israel und kauft keine israelische Waren“ geworden. Das ist die gleiche hässliche und
brutale Sprache. Beides ist Antisemitismus pur! Wir dürfen diesen Hass nicht relativeren oder ignorieren, sondern müssen es beim Namen nennen.“, so die beiden Vizepräsidenten weiter.

05.11.2018 – Ich hab’s schon gehasst, zu Ostern Eier zu suchen.


Cage of Fortune. Daniel von Bothmer. Kunstverein Hannover, Herbstausstellung 2018.
Käfig des Glücks, ist das nicht ein Widerspruch? Glück im Käfig? Auf den oberen Holmen des Käfigs sind Glasscherben angebracht, ähnlich denen von Eigentumsparanoiden auf den Mauern um ihr Haus. Trautes Heim, Glück allein. Was ist Glück? Wie soll ich leben? Zentrale Fragen unserer Existenz, wohl wahr. Aber wer grübelt eigentlich wie oft darüber? Ich halte mich für einen einigermaßen reflektierten Zeitgenossen, was ich unter anderem deshalb sein muss, weil ich mir schon – bei aller Spontaneität – ab und zu überlegen sollte, was ich in diesen Blog schreibe. Nicht, weil ich berufliche Nachteile befürchte, sondern weil ich nicht Falsches oder Peinliches hier verewigt haben möchte.
Aber die letzten Fragen, nach Glück oder dem guten Leben, stelle ich mir eher nicht. Ich hab’s schon gehasst, zu Ostern Eier zu suchen. Warum sollte ich mich da auf Sinnsuche begeben. Fakt ist allerdings, dass die Sinnsuche, zumal in Zeiten des allgemeinen Zerbröselns von gesellschaftlichem Rest-Kitt, ein flächendeckendes und ausuferndes Bedürfnis ist. Gefühlt jedes zweite Buch ist ein Lebenshilfe-Ratgeber, religiöser Aberglaube (eigentlich eine Tautologie), Esoterik, Psychopharmaka Verbrauch, anschwellende Verschwörungstheorien, all das sind Indizien für eine riesige Sprechblase über diesem globalen Comic: „Wo ist der Sinn?“
Ich gebe im nächsten Blog-Eintrag die Antwort darauf. Begnüge mich vorderhand aber mit der deprimierenden Erkenntnis, dass selbst der Vormarsch faschistoider Tendenzen in unserer Gesellschaft mit dem tief empfundenen Bedürfnis nach Sinn zu tun hat. Das sind nicht nur ökonomische Ursachen, wie der böse Neoliberalismus, der das befeuert. Der Hass, der Rassisten und Antisemiten antreibt, gibt ihrer trostlosen Existenz endlich Sinn. Ich hasse, also bin ich. Auch wenn Hass verzehrend und destruktiv ist, macht er doch lebendig. Er fühlt sich an. Man sagt ja nicht umsonst: lodernder Hass. Warum ist das von Interesse? Aus zwei Gründen:
1. Ist das mit eine Ursache dafür, warum die Strategie „Aufklärung“, Argumente, Appell an Vernunft und Interesse, hier versagt; Hass, das Ressentiment schlechthin, gründet viel tiefer als Vernunft und ist mit jener nicht aufzubohren.
2. Muss ich mich unter anderem auf eine Podiumsdiskussion mit dem hiesigen Bauminister Olaf Lies vorbereiten, , der nächste Politik Talk „Rente muss zum Leben reichen“ will präpariert sein, unser jährlicher Fachtag steht vor der Tür, (Anmelden! Ruck zuck!), gejagt von der Mitgliederversammlung etc. pp. … ehrlich gesagt, habe ich soviel zu tun, dass es sich überhaupt nicht lohnt, damit anzufangen, also schreibe ich hier, munter vor mich prokrastinierend, diesen Blog voll und…

… schaue mir sehnsuchtsvoll Mandelbaumplantagen meines letzten Urlaubs an, und frage mich: Wozu tue ich mir das Ganze überhaupt noch an?
Ha! Da ist sie, die Sinnfrage!
Guten Start in die Woche, liebe Leserinnen, und drücken Sie mir die Daumen, dass ich da heile rauskomme.

02.11.2018 – Hackfresse und Warze oder Pickel


Hackfresse, Ekel erweckend. Gesehen in der City einer x-beliebigen Stadt.
Friedrich Nietzsche über Schönheit: „Die edelste Art der Schönheit ist die, welche nicht auf einmal hinreißt, welche nicht stürmische und berauschende Angriffe macht (eine solche erweckt leicht Ekel), sondern jene langsam einsickernde, welche man fast unbemerkt mit sich fortträgt und die Einem im Traum einmal wiederbegegnet, endlich aber, nachdem sie lange mit Bescheidenheit an unserm Herzen gelegen, von uns ganz Besitz nimmt, unser Auge mit Tränen, unser Herz mit Sehnsucht füllt.“ (Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister. 1878)
Der Mann hat ja so recht. Ich liebe das Prinzip Stadt, Stadtluft macht frei, und der Duft der Metropolen ist der süßeste von allen. Auf dem Land würde ich bei lebendigem Leib vor mich hin kompostieren und in einer Kleinstadt würde ich mir jeden Morgen einen Nagel in den Kopf hämmern, um zu merken, ob ich noch lebe. Aber Innenstädte sind im Normalfall der Vorhof zur Hölle. Eine Orgie gleichgeschalteten, geschmacksfreien Prollkonsums, mit Bildern und Impressionen, die alles an und in mir beleidigen, so schnell kann ich gar nicht Pillen und Drogen einwerfen, um von dem Horrortrip runterzukommen, wenn ich mal durch die „City“ muss. Kein Wunder, dass der Zombieklassiker schlechthin „Dawn oft he Dead“ von George Romero in einem Einkaufszentrum spielt.
Es geht mir um das Prinzip Stadt, um Orte von Kultur, Zivilisation, um Räume, die Impulse und Veränderungen produzieren, um diese kleinen magischen Momente, in denen man merkt: Hurra, ich lebe noch. Und heiter und beschwingt seines Weges zieht.
Bis man an irgendeinem Bildschirm mit ntv-News den Sauerland Rocker Friedrich Merz erblicken muss, der Mediendarling im Moment.
Dass dieser Politzombie aus der Gruft der Mafiabande von Blackrock wieder das Licht der Öffentlichkeit erblickt und dabei nicht sofort zu Staub zerfällt, beschreibt den Zustand unseres Gemein- und dieser Name ist sowas von berechtigt -Wesens bestens
Der Sauerland Rocker, der mit seiner Mofa einmal über die Feldwege seiner trostlosen Heimat geöttelt ist, dabei gegen eine wehrlose Mülltonne getreten hat und versucht hat, das als Easy-Rider-Legende zu stilisieren, dabei kläglich scheiternd sich erbärmlich blamierte, sowas soll mich mal regieren? Schlimmer nur als der unsoziale Nach-Merz (Witz für Schwerintellektuelle) ist nur der asoziale Jens Spahn. Die Niedertracht muss man erstmal besitzen, als Angehöriger einer immer noch diskriminierten Minderheit – outen Sie sich mal in Niederbayern als Schwuler – erbarmungslos auf andere Minderheiten einzuprügeln, seien es Arbeitslose oder Flüchtlinge. Solche Figuren wie Spahn jagen mir neben Ekel auch Angst ein. Sie sind zu allem fähig, wo Merz nur kühl kalkulierender, machtgeiler Opportunist ist. Ich hatte Jens Spahn mal zu einem Praktikum eingeladen, worüber flächendeckend die Weltpresse berichtete. Natürlich hat er abgesagt. Aber in Vorbereitung einer Zusage, was sicher von Medien begleitet worden wäre, hatte ich mir in Rot und Punkt 24 auf meine To-Do Liste geschrieben: „Reiss! Dich! Zusammen!“ Wäre ich da ehrlich geworden … oje.
Merz oder Spahn, Warze oder Pickel. Oh, Angela, ich vermisse Dich jetzt schon. Liebe Gemeinde, wir erheben uns von unseren Plätzen und singen für unsere Bundeskanzlerin präfaktisch gemeinsam mit den Equals: Baby, come back….
Zu Frau Dr. Merkel siehe auch oben, Nietzsche über Schönheit.