{"id":10036,"date":"2019-04-18T12:01:59","date_gmt":"2019-04-18T06:01:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=10036"},"modified":"2019-04-18T12:01:59","modified_gmt":"2019-04-18T06:01:59","slug":"18-04-2019-notre-dame-und-die-banlieues","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=10036","title":{"rendered":"18.04.2019 \u2013 Notre Dame und die Banlieues"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/sonnenblumen.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/sonnenblumen-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"alignnone size-large wp-image-10037\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/sonnenblumen-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/sonnenblumen-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/sonnenblumen-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/sonnenblumen-624x468.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/sonnenblumen.jpg 1032w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Alle Jahre wieder: Gef\u00fcllte Zwerge und Goldene Neger.<\/em><br \/>\nDie Garten-Saison ist mitten im Gang. Ich hasse diese primitiven T\u00e4tigkeiten wie Baumschnitt, Rasen s\u00e4en, umgraben. Das bef\u00f6rdert den zivilisatorischen Fortschritt kein bisschen, man kriegt einen Hexenschuss und hat man je davon geh\u00f6rt, dass Karl Marx oder Immanuel Kant im Garten gearbeitet h\u00e4tten?<br \/>\nG\u00e4be es nicht sowas wie gef\u00fcllte Zwerge und goldene Neger, w\u00fcrde ich bei mir einen Kunstrasen ausrollen und Plastikblumen drauf kleben. Die kann man dann im Fr\u00fchling sauber k\u00e4rchern und Ende Gel\u00e4nde Gartenarbeit.<br \/>\nMit einem K\u00e4rcher die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Banlieue\">Banlieues<\/a>  Frankreichs von renitenten Jugendlichen s\u00e4ubern wollte auch schon der vormalige <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/kaercher-schickt-protestbrief-an-sarkozy-a-1117410.html\">Premierminister Sarkozy<\/a>, den einen \u201eabgef\u00fcllten Zwerg\u201c zu nennen mir der Anstand, den dieser gallische Trunkenbold nie hatte, verbietet, obwohl der Mann wiederholt brettlbreit in  laufende Kameras hineinlallte und kaum \u00fcber 1,65 gro\u00df sein d\u00fcrfte. Eher noch kleiner war Napoleon, den sich der von mir sonst h\u00f6chstgesch\u00e4tzte Deutschlandfunk nicht entbl\u00f6dete, in einem Kommentar als einen Gr\u00fcndungsmythos von Europa zu beschw\u00f6ren. Es ging um den Brand von Notre Dame und welche Bedeutung doch diese Kathedrale f\u00fcr den europ\u00e4ischen Gedanken h\u00e4tte, vor dem Hintergrund der darin stattgefundenen historischen Momente, wie eben der Kaiserkr\u00f6nung Napoleons. Und der Tr\u00e4nen Kohls bei der Beerdigung Mitterands.<br \/>\nDa hat\u2019s mich dann doch echt vom Stuhl gekegelt vor Lachen. Die Kaiserkr\u00f6nung Napoleons war ein Verrat an den demokratischen Idealen der franz\u00f6sischen Revolution und folgerichtig hat der Mann danach Europa mit einem nie dagewesenen imperialen Eroberungskrieg \u00fcberzogen, mit ungez\u00e4hlten Toten.<br \/>\nUnd die Tr\u00e4nen vom verblichenen dicken Birne (G\u00f6ttin hab ihn selig, der Mann war im Vergleich zu seinem Nachfolger, dem Parven\u00fc Schr\u00f6der, ein Gigant an Sympathie)  als Kitt f\u00fcr Europa zu feiern, dazu muss man entweder schwerst bekifft sein oder aber, und letzteres trifft dann wohl leider auf die hier zitierte Kommentatorin des Deutschlandfunks zu, in schwerem Wasser sich befinden. Man tut dem Deutschlandfunk nicht unrecht, wenn man ihn als Hort des liberalen, weltoffenen Bildungsb\u00fcrgertums bezeichnet, und dem schwimmen angesichts des innergesellschaftlichen und europ\u00e4ischen Verfalls der demokratischen Ideale bis weit in die Mitte der wutb\u00fcrgerlichen Gesellschaft hinein die Felle davon. Da zerrt sich das weltoffene Bildungsb\u00fcrgertum bei jeder Gelegenheit Argumente herbei, egal wie unpassend, siehe Napoleon und die Tr\u00e4nen Kohls, um dagegen zu halten. Das mag in manchen F\u00e4llen l\u00f6blich sein, im Fall Notre Dame ist es nicht nur neben der Kappe, sondern kontraproduktiv. F\u00fcr was ein und f\u00fcr wessen Europa steht denn Notre Dame? Doch offensichtlich f\u00fcr ein Europa der Eliten, siehe das Engagement der franz\u00f6sischen Milliard\u00e4re, und f\u00fcr ein Europa des wohlsituierten B\u00fcrgertums.<br \/>\nF\u00fcr die brennenden Banlieues, Vororte, sozialen Brennpunkte in ganz Europa interessiert sich kein Schwein. Auch das ist ein europ\u00e4isches Kulturerbe, aber ein d\u00fcsteres. Das zu ignorieren und angesichts Notre Dame einen tr\u00e4nenreichen, hysterisierenden Aufriss zu machen als st\u00fcnde Attila vor den Toren Roms, diese ideologische Verblendung treibt die Spaltung Europas und damit dessen Ende als verbindendes, demokratisches Ganzes nur voran. Den Menschen in den Banlieues d\u00fcrfte Notre Dame am Arsch lang gehen und ihre Wut durch die Spenden-Millionen der Milliard\u00e4re nur angefacht werden.<br \/>\nUnd denen, die in all dem Tr\u00e4nenmeer ihren Kopf, den Tr\u00e4ger des Verstandes, noch \u00fcber Wasser halten k\u00f6nnen, sei jener aufgekl\u00e4rte s\u00e4kulare Umgang mit Notre Dame in Folge der franz\u00f6sischen Revolution in Erinnerung gerufen: Da war der Trum n\u00e4mlich ein Weindepot. Prost.<br \/>\nUnd ich muss jetzt in den Garten. Mein G\u00e4rtner kommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle Jahre wieder: Gef\u00fcllte Zwerge und Goldene Neger. Die Garten-Saison ist mitten im Gang. 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