{"id":10156,"date":"2019-06-04T15:24:28","date_gmt":"2019-06-04T09:24:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=10156"},"modified":"2019-06-04T15:24:28","modified_gmt":"2019-06-04T09:24:28","slug":"04-06-2019-ein-bisschen-in-die-scheisse-geritten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=10156","title":{"rendered":"04.06.2019 \u2013 Ein bisschen in die Schei\u00dfe geritten."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/matritzendrucker.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/matritzendrucker-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"833\" class=\"alignnone size-large wp-image-10157\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/matritzendrucker-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/matritzendrucker-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/matritzendrucker-624x832.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/matritzendrucker.jpg 1125w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Matrizendrucker Gestetner 320, gesehen in der Ausstellung \u201eDRUCK DRUCK DRUCK\u201c in der Galerie K\u00f6rnerpark in Neuk\u00f6lln.<\/em> Noch bis in die ersten Semester meines Studiums war die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Matrizendrucker\">Erstellung von Kopien mittels eines Matrizendruckers<\/a> ein g\u00e4ngiges Verfahren. Von einer Druckvorlage, der Matrize, konnten bis zu 100 Kopien hergestellt werden. Dazu musste die Vorlage \u00fcber eine Walze genudelt werden, die den Druck produzierte. Typisch war der Spiritusgeruch bei dem Verfahren, weil das zu bedruckende Papier im Druckvorgang mit Alkohol befeuchtet wurde. Dieses Verfahren war also im Gegensatz zu dem nachfolgenden und heute \u00fcblichen Kopiervorgang ein sinnlicher Akt, der K\u00f6rpereinsatz bedurfte und mit intensiven Ger\u00fcchen verbunden war, so wie mit typischen mechanischen Ger\u00e4uschen<br \/>\n Wer das mal gemacht hat, vergisst es nicht. Das heutige Kopieren ist dagegen kein erinnerswerter Akt &#8211; es sei denn, man hatte auf der Arbeit zu viel getrunken, wollte mal seinen nackten Arsch kopieren und musste auf der Hut sein, dass nicht gerade irgendein missg\u00fcnstiger Kollege vorbeikam, schlimmer noch: Kollegin. Ein Beweis daf\u00fcr, wozu Einen entfremdete Arbeit treiben kann.<br \/>\nDie Ausstellung \u201eDRUCK DRUCK DRUCK\u201c fand ich sehr gelungen, <a href=\"https:\/\/www.k\u00f6rnerpark.de\/ausstellungen\/13-april-bis-14-august-2019-druck-druck-druck\/\">Zitat Ank\u00fcndigung<\/a>:<br \/>\n<em>\u201eDas Projekt DRUCK DRUCK DRUCK bringt die Druckwerkstatt in die Galerie und schafft Raum f\u00fcr unabh\u00e4ngige Print-Gemeinschaften aus Berlin und dar\u00fcber hinaus. Die interdisziplin\u00e4re, multi-formatige Ausstellung erforscht, wie Printmethoden verwendet werden k\u00f6nnen, um radikale Ziele in der Kunst, der Bildung und der Gemeinschaft zu erreichen.\u201c<\/em><br \/>\nDas wurde mit diversen Objekten belegt, unter anderem aus dem <a href=\"https:\/\/www.jugendkulturen.de\/startseite.html\">Archiv der Jugendkulturen<\/a>.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/fanzines.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/fanzines-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"alignnone size-large wp-image-10158\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/fanzines-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/fanzines-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/fanzines-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/fanzines-624x468.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/fanzines.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\nDarunter viele Fanzines, also kleine Zeitungen von Fans f\u00fcr Fans, oft per Hand zusammenkopiert und geheftet, in Kleinstauflagen, vom Mainstream unbeachtet, die meist nach wenigen Nummern nicht mehr existierten. Es gibt kaum ein, meist jugendbewegtes, Thema, zu dem es kein Fanzine gibt.<br \/>\nDie Ausstellung hatte also viel mit Eingreifen, Aktion und radikaler Ver\u00e4nderung zu tun, eins meiner Themen. Und sie interessierte mich auch auf professioneller Ebene, da ich selber das eine oder andere Mal eine Zeitung herausgegeben habe, wie die HALZ, die Hann\u00f6versche Arbeitslosen Zeitung.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/halz-2003.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/halz-2003-644x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"994\" class=\"alignnone size-large wp-image-10159\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/halz-2003-644x1024.jpg 644w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/halz-2003-189x300.jpg 189w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/halz-2003-768x1221.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/halz-2003-624x992.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/halz-2003.jpg 799w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>HALZ Nr. 3, 2003, zur Agenda 2010.<\/em> Mit meinen Prognosen lag ich nicht schlecht, u. a. was die SPD als Verliererin der von ihr losgetretenen Agenda 2010 anging. Dass die Gr\u00fcnen Opportunistinnen reinsten Wasser sind und jede Schweinerei mitmachen, war mir nicht erst 2003 klar. Das wusste ich im Moment ihrer Gr\u00fcndung.<br \/>\nLeider brachte die Ausstellung eine verborgene Saite in mir zum Klingen. Die HALZ und andere Projekt von mir waren (meist) politisch relevant, sinnvoll, hatten ein Kollektiv von Macherinnen, klare Zielgruppen, relativ hohe Auflagen und Verbreitungsanspruch.<br \/>\nIch wollte aber einmal in meinem Leben ein Projekt machen, konkreter: eine Zeitung, die vollkommen irrelevant ist, sinnlos, kein Kollektiv, keine Zielgruppe, kein Anspruch, in h\u00f6chster Qualit\u00e4t, handgesetzt, Auflage maximal 5 bis 10 St\u00fcck, eine Zeitung, die nur mir gef\u00e4llt, ausschlie\u00dflich mit Themen, die mich interessieren, begeistern, whatsoever. Wenn Sie so wollen: ein Klaus-Dieter-Gleitze-Fanzine, von Klaus-Dieter Gleitze f\u00fcr Klaus-Dieter Gleitze.<br \/>\nDas Leben hat es bisher anders gewollt. Und insofern hat mich mein Ansatz, mir auch drau\u00dfen im Leben Anregungen und Impulse zu holen, dieses Mal ein bisschen in die Schei\u00dfe geritten, weil es die Erinnerung weckte: Da ist noch was nicht erledigt.<br \/>\nUnd das, wo jetzt der Sommer kommt, mit Grill, Garten, Badeteich. Das wird doch nie was.<br \/>\nAuch egal.<br \/>\nSonnige Tage, liebe Leserinnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matrizendrucker Gestetner 320, gesehen in der Ausstellung \u201eDRUCK DRUCK DRUCK\u201c in der Galerie K\u00f6rnerpark in Neuk\u00f6lln. Noch bis in die ersten Semester meines Studiums war die Erstellung von Kopien mittels eines Matrizendruckers ein g\u00e4ngiges Verfahren. Von einer Druckvorlage, der Matrize, konnten bis zu 100 Kopien hergestellt werden. 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