{"id":10799,"date":"2020-02-13T15:00:52","date_gmt":"2020-02-13T09:00:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=10799"},"modified":"2020-02-13T19:08:21","modified_gmt":"2020-02-13T13:08:21","slug":"13-02-2020-die-kunst-findet-nicht-im-saal-statt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=10799","title":{"rendered":"13.02.2020 \u2013 Die Kunst findet nicht im Saal statt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/20200211_134904_resized.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/20200211_134904_resized-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"833\" class=\"alignnone size-large wp-image-10800\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/20200211_134904_resized-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/20200211_134904_resized-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/20200211_134904_resized-624x832.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/20200211_134904_resized.jpg 1548w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.vorwaerts.de\/artikel\/klaus-staeck-kunst-findet-saale-statt\">Die Kunst findet nicht im Saal statt<\/a>. Armut erst recht nicht und schon gar nicht im Sitzungszimmer.<br \/>\nManchmal aber doch, zumindest Diskussionen zu ihrer Bek\u00e4mpfung. Wobei Armutsbek\u00e4mpfung an den doppelten Sisyphos erinnert. Kaum hat man den einen Stein den Berg hochgerollt, rollen zwei andere ihn wieder runter. Der Stein auf dem Berg ist in diesem Bild eine Landeswohnungsbaugesellschaft, die in den n\u00e4chsten Jahren zehntausende Wohnungen im mittleren und unteren Preissegment bauen soll, nichtprofitorientiert. Die Landesarmutskonferenz fordert das seit Jahren und d<a href=\"https:\/\/taz.de\/Kampf-gegen-Wohnungsnot-in-Niedersachsen\/!5659551\/\">ie SPD hat das nach langem Widerstand endlich in ihr Programm zur Landtagswahl aufgenommen<\/a>.<br \/>\nEndlich mal Licht am Tunnel, dachte ich.<br \/>\n Aber ach, schon purzelten die Erinnerungen an die Diskussion \u00fcber teurere Lebensmittel, wachsende Energiekosten, Armut durch Pflegekosten durch mein Hirn, und damit diverse Steine den sisyphitischen Berg wieder runter. Die Erinnerungen endeten nicht beim <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/mindestlohn-millionen-beschaeftigte-erhalten-ihn-laut-studie-nicht-a-de0706da-4eaf-492b-83f4-f1cce87634d1\">Betrug bei Mindestl\u00f6hnen<\/a>, wo Millionen von Menschen sogar um die paar kargen Cents beschissen werden, die ihnen gesetzlich mehr zugestanden wurden. Eine unglaubliche Verrohung, aber das ist ja nichts Neues an der Kapitalistenfront.<br \/>\nDerart gem\u00fctsgebeutelt wollte ich mir ein paar sch\u00f6ne Stunden machen und ging gestern ins Kino. Das war von allen d\u00fcmmsten Entscheidungen der letzten Tage die allerd\u00e4mlichste. Nach dem neuen Film von Ken Loach \u201eSorry we missed you\u201c war ich derartig frustriert und deprimiert, dass ich gleich eine Handvoll rosa Pillen gebraucht h\u00e4tte, um mich mental auf Normalniveau zu bringen. Details \u00fcber den Film kann die geneigte Leserin <a href=\"https:\/\/www.filmdienst.de\/film\/details\/573124\/sorry-we-missed-you?gclid=EAIaIQobChMIuPu1-4vO5wIVFODtCh0z-QUJEAMYASAAEgIEaPD_BwE#kritik\">hier nachlesen<\/a>, es geht um die Verw\u00fcstungen, die der Neoliberalismus an der Gesellschaft und in den Individuen anrichtet. Der Film hatte kein Hollywoodesken Kameraschwenks, Zooms und Schnitte, mit den neuesten Hits als Filmmusik, n\u00f6tig, um in mir ein Maximum an Emotionen, und damit den Idealfall von Kunst, zu erzeugen. Gerade der sparsame, quasidokumentarische Einsatz filmischer Mittel im Sinne eines kritischen Realismus erzeugte derartig viel Wut und Trauer in mir, dass ich noch vor Abspannende raus musste, ins Freie, mehr Luft. Unterwegs stellte ich irritiert eine gewisse Ersch\u00f6pfung fest. Die frische Luft des Sturmes hatte die Emotionen eigentlich weggepustet und soo \u00fcberarbeitet bin ich eher nicht, dass mich eine zweist\u00fcndige Sitzung an den Rand eines Burnout bringt.<br \/>\nVermutlich war sie das Ergebnis der Message von Loach. Da war im Gegensatz zu fr\u00fcheren Filmen von ihm nichts tr\u00f6stliches mehr, keine Hoffnung auf Solidarit\u00e4t im Kollektiv oder zumindest schlitzohrige Konterstrategien des Prekariats gegen die \u00dcberw\u00e4ltigung durch den Kapitalismus wie in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Angels%E2%80%99_Share_%E2%80%93_Ein_Schluck_f%C3%BCr_die_Engel\">\u201eAngels\u2018 Share\u201c<\/a> .<br \/>\nDas war so ungef\u00e4hr das Letzte, was ich brauchte, eine Best\u00e4tigung meiner eigenen dystopischen Weltsicht durch einen realistischen Filmemacher.<br \/>\nArmut \u2013 das ist doch keine Kunst? Von wegen. Im Fall Ken Loach sogar hohe Kunst.<br \/>\nUnd der Abend endete doch noch tr\u00f6stlich. Es gab zum xten Mal alte Folgen (mit dem durchgeknallten Drogenbold Charlie Sheen) im TV der Sitcom \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Two_and_a_Half_Men\">Two and a half men<\/a>\u201c. Da flossen bei mir doch noch Tr\u00e4nen. Lachtr\u00e4nen. Und das, obwohl ich die Dialoge mitsingen kann, so oft hab ich die Folgen schon gesehen.<br \/>\nAuch das ist Kunst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kunst findet nicht im Saal statt. Armut erst recht nicht und schon gar nicht im Sitzungszimmer. Manchmal aber doch, zumindest Diskussionen zu ihrer Bek\u00e4mpfung. Wobei Armutsbek\u00e4mpfung an den doppelten Sisyphos erinnert. Kaum hat man den einen Stein den Berg hochgerollt, rollen zwei andere ihn wieder runter. 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