{"id":10836,"date":"2020-02-27T14:27:28","date_gmt":"2020-02-27T08:27:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=10836"},"modified":"2020-02-27T14:30:15","modified_gmt":"2020-02-27T08:30:15","slug":"27-02-2020-episches-drama-mit-friedrich-merz-in-der-rolle-des-schurken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=10836","title":{"rendered":"27.02.2020 \u2013 Episches Drama mit Friedrich Merz in der Rolle des Schurken"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Soli-Demo_Gilde_DGB_web_ohne-Redner.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Soli-Demo_Gilde_DGB_web_ohne-Redner.jpg\" alt=\"\" width=\"827\" height=\"984\" class=\"alignnone size-full wp-image-10837\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Soli-Demo_Gilde_DGB_web_ohne-Redner.jpg 827w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Soli-Demo_Gilde_DGB_web_ohne-Redner-252x300.jpg 252w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Soli-Demo_Gilde_DGB_web_ohne-Redner-768x914.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Soli-Demo_Gilde_DGB_web_ohne-Redner-624x742.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 827px) 100vw, 827px\" \/><\/a><br \/>\nStreik der Gilde-Brauer, <a href=\"https:\/\/www.ngg.net\/artikel\/2020\/power-fuer-die-brauer-unterstuetzung-fuer-gilde-brauerei\/\">Soli-Demo am 29.02.2020<\/a>. Eigentlich ein kleiner, regionaler Streik von einer Handvoll Besch\u00e4ftigten, der aber mit erbitterter H\u00e4rte gef\u00fchrt wird und weit \u00fcber die Brauerei hinaus Bedeutung hat. Wenn die Besch\u00e4ftigten den verlieren, hat das Signalwirkung. Es geht darum, ob die Arbeitgeber Erfolg haben mit Tarifflucht, Lohndr\u00fcckerei und Spaltung von Belegschaften. Wenn sie damit an dieser Stelle Erfolg haben, ist das ein Signal an alle Arbeitgeber, im Zweifel auch so zu verfahren, vor allem bei zuk\u00fcnftigen Rezessionen. Corona, ick h\u00f6r Dir trapsen.<br \/>\nProfitmaximierung und gleichzeitige Domestizierung der ohnehin schon handzahmen hiesigen Gewerkschaften, was f\u00fcr Bier auf die M\u00fchlen von Gestalten wie Friedrich Merz, Lindner und dem AfD-Gesindel.<br \/>\nDas Arbeitgeber-Muster des Streiks ist klassisch und hat das Zeug zu einem epischen Drama im Kleinen: Tarifflucht, Aufspaltung des Betriebs in kleine Einheiten, dadurch Behinderung der Betriebsratsarbeit und Entsolidarisierung der Belegschaften, Aussperrungen, Einsatz von Streikbrechern, mit allen Emotionen des Lebens und des Theaters wie Wut, Hass, Trauer, Liebe, Wahnsinn&#8230; . Wer wissen will, wie sich sowas in gro\u00df abspielt, m\u00f6ge die Geschichte des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Britischer_Bergarbeiterstreik_1984\/1985\">Bergarbeiterstreiks in Gro\u00dfbritannien 1984\/85<\/a> nachlesen. Diese Niederlage der Arbeiterbewegung ist von ihrer Bedeutung f\u00fcr den weltweiten Sieg des Neoliberalismus gar nicht hoch genug zu veranschlagen.<br \/>\nSo tr\u00e4gt also dieses kleine, regionale Ereignis in sich den Kern des Epischen Dramas und gebar in mir den Entwurf eines dergestalten B\u00fchnenst\u00fccks im Shakespeareschen Gewand. In der Rolle des Schurken: Friedrich Merz. Sein Gegenpart ist die Flaschenabf\u00fcllanlagenbedienerin (das Wort weist daraufhin: Es ist ein urdeutsches Drama) Henrike May. Sie ist Streikposten bei der Gilde, beider Lebenswege kreuzen sich einmal. Friedrich Merz wird in einer schwarzen Limousine von seinem Luxushotel zu einem Vortrag des hiesigen CDU-Wirtschaftsfl\u00fcgels gefahren, seine Fahrt wird kurzfristig aufgehalten durch Streikende auf der Stra\u00dfe.  Er flucht in seinem Wagen in einem Monolog \u00fcber die Streikenden und allgemein die Gewerkschaften als Bremser, Modernisierungsverweigerer und Minderleister. Indessen pr\u00fcgelt sich Henrike May drau\u00dfen auf der Stra\u00dfe mit Streikbrechern, denen von Polizisten eine Gasse zur Arbeit freigesperrt wird.<br \/>\nMittel der Inszenierung sind Videoeinspielungen, mit Splitscreen, u. a. von der Stra\u00dfenszene, die sich in einem zweigeteilten B\u00fchnenbild fortsetzen, ein \u201eOben\u201c mit Merz, ein \u201eUnten\u201c mit May. Platt? Klar, das Leben ist mitunter platt. H\u00f6hepunkte sind jeweils Monologe der Beiden in der Tradition von Shakespeares Hamlet. Der letzte Monolog geh\u00f6rt Merz, der als gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig, arrogant und dumm charakterisiert wird. Er ist als K\u00f6nigsm\u00f6rder in der Tradition des <a href=\"https:\/\/lektuerehilfe.de\/william-shakespeare\/hamlet\/charakterisierung\/claudius\">Claudius<\/a> gescheitert, K\u00f6nigin Angela Merkel hat ihn dreimal hintereinander in h\u00f6fischen Intrigen gedem\u00fctigt. Das ertr\u00e4gt er nicht l\u00e4nger, steht am Abgrund des Selbstmordes und wendet Hamlets Monolog gegen die Frauen (\u201eSchwachheit, dein Name ist Weib!\u201c) gegen sich selbst:<br \/>\n<em>O dass dies sture, sture Fleisch zerginge<br \/>\nAuftaute, liefe als ein Wasser weg,<br \/>\nO dass der Ewige nicht sein Gebot<br \/>\nGestellt h\u00e4tt gegen Selbstmord!<br \/>\nGro\u00dfer Gott, Wie l\u00e4stig, schal, platt und ergebnislos<br \/>\nErscheint mir das Getriebe dieser Welt.<\/em><br \/>\nMit diesen Worten f\u00e4llt der Vorhang und mir ist der deutsche Theaterpreis sicher.<br \/>\nDas St\u00fcck geht sonst nicht gut aus. Die Brauer*innen verlieren den Streik und Henrike May verflucht in einem gro\u00dfen letzten Monolog im Streiklokal ihren Liebhaber, der zu den Streikbrechern \u00fcbergelaufen ist, die zahmen Gewerkschaften, die desinteressierten, entpolitisierten Massen und mich, den Autor, dass ich so einen Striemel zusammengedichtet habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Streik der Gilde-Brauer, Soli-Demo am 29.02.2020. Eigentlich ein kleiner, regionaler Streik von einer Handvoll Besch\u00e4ftigten, der aber mit erbitterter H\u00e4rte gef\u00fchrt wird und weit \u00fcber die Brauerei hinaus Bedeutung hat. Wenn die Besch\u00e4ftigten den verlieren, hat das Signalwirkung. Es geht darum, ob die Arbeitgeber Erfolg haben mit Tarifflucht, Lohndr\u00fcckerei und Spaltung von Belegschaften. 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