{"id":10887,"date":"2020-03-18T17:59:30","date_gmt":"2020-03-18T11:59:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=10887"},"modified":"2020-03-18T18:02:12","modified_gmt":"2020-03-18T12:02:12","slug":"18-03-2020-cremant-in-morgensonne","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=10887","title":{"rendered":"18.03.2020 \u2013 Cr\u00e9mant in Morgensonne"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/sekt-in-morgensonne.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/sekt-in-morgensonne-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"alignnone size-large wp-image-10888\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/sekt-in-morgensonne-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/sekt-in-morgensonne-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/sekt-in-morgensonne-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/sekt-in-morgensonne-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\nNicht, dass Sie mich jetzt f\u00fcr einen Alki halten, aber in manchen Situationen braucht es einfach etwas Luxuri\u00f6ses. Mit manchen Situationen meine ich: jeden Morgen. Zumindest als antizyklisches Ritual in Krisenzeiten wie diesen.<br \/>\nDie Corona-Krise l\u00e4sst sich jenseits von allt\u00e4glichen Belastungen und Bedrohlichkeiten nat\u00fcrlich auch als kulturelles Ph\u00e4nomen lesen. Sie gleicht wie Macbeth, Schillers R\u00e4uber, die Wiedervereinigung, das Internet, das Smartphone einem Drama, mit trag\u00f6dienhaften Z\u00fcgen.<br \/>\nIm Falle Corona ist die Drama-\u201eExposition\u201c der Patient Null. Das \u201eerregende Moment\u201c ist z. B. der Lock-Down, wenn alles dicht macht. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peripetie\">\u201ePeripetie\u201c<\/a>, also der Umschwung, entspricht dem Kippen der Infektionsrate.<br \/>\nOb das Corona-Drama im tr\u00e4godenhaften Untergang wie bei Macbeth endet und wie beim Internet \u00fcberwiegend in einem Haufen gequirlter Schei\u00dfe, oder eher kom\u00f6dienhaft sich aufl\u00f6st im Sinne eines \u201eSiehste, alles halb so wild\u201c, wird der Gang der Geschichte zeigen. Eins unterscheidet das Corona Drama, einem 24-Stunden-Echtzeit Drama mit 80 Millionen Mitwirkenden und 80 Millionen Zuschauenden, von allen anderen: Niemand kann sich ihm entziehen, weder k\u00f6rperlich noch emotional. Dem postmodernen Smartphone- oder Internet-Drama kann man sich durch Abstinenz entziehen, womit man sich zwar von der Erkenntnis \u00fcber die Welt, wie sie ist und wird, abkoppelt, aber man ist wech von. Geht.<br \/>\nDie Wiedervereinigung, ein b\u00fcrgerliches Trauerspiel, konnte man ignorieren. Aber Corona?<br \/>\nMein Terminkalender \u00e4hnelte bis vor kurzem einem Schweizer K\u00e4se, jetzt der W\u00fcste Gobi, was etwas anderes ist als die w\u00fcste Gabi. Eine Sinnkrise hat sich bisher noch nicht eingestellt. Aber nat\u00fcrlich \u00e4ndert sich die Richtung des Denkens unter dem Druck der Verh\u00e4ltnisse. Vermehrte Selbstreflexion und Ver\u00e4nderung des Alltags. Kleinigkeiten wie die vermutlich Viren\u00fcbers\u00e4te Oberfl\u00e4che eines Bankterminals. Sie l\u00e4sst die Sehnsucht nach fr\u00fcher verschm\u00e4htem Online-Banking aufkeimen (sic!). Oder die Einsicht, dass in Zeiten bedrohlicher K\u00f6rpern\u00e4he in Superm\u00e4rkten mit x Virenherden, nicht nur an den notorischen Einkaufswagen, die fr\u00fcher geschm\u00e4hte Variante der Online-Lieferungen von Waren des t\u00e4glichen Bedarfs wie Portweine et. al. eine sowohl sinnvoll-gesundheitsf\u00f6rderliche (\u201eStellen Sie\u2019s vor der T\u00fcr ab. Das Trinkgeld liegt im Klingelbeutel neben der Klingel\u201c) als auch solidarische Ma\u00dfnahme ist, erh\u00e4lt sie doch den Kollegen von Amazon und Bringdiensten die Arbeit. So beschissen und schlecht bezahlt die ist, ist sie doch vermutlich 90 Prozent der Besch\u00e4ftigten lieber als der Gang zum Jobcenter. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht, dass Sie mich jetzt f\u00fcr einen Alki halten, aber in manchen Situationen braucht es einfach etwas Luxuri\u00f6ses. Mit manchen Situationen meine ich: jeden Morgen. Zumindest als antizyklisches Ritual in Krisenzeiten wie diesen. Die Corona-Krise l\u00e4sst sich jenseits von allt\u00e4glichen Belastungen und Bedrohlichkeiten nat\u00fcrlich auch als kulturelles Ph\u00e4nomen lesen. Sie gleicht wie Macbeth, Schillers R\u00e4uber, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10887"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10887"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10887\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10890,"href":"http:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10887\/revisions\/10890"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10887"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10887"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10887"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}