{"id":11047,"date":"2020-05-24T13:18:58","date_gmt":"2020-05-24T07:18:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=11047"},"modified":"2020-05-24T13:22:28","modified_gmt":"2020-05-24T07:22:28","slug":"24-05-2020-stop-making-sense","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=11047","title":{"rendered":"24.05.2020  &#8211; Stop making Sense"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20200520_213946_resized.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20200520_213946_resized.jpg\" alt=\"\" width=\"645\" height=\"860\" class=\"alignnone size-full wp-image-11048\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20200520_213946_resized.jpg 645w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20200520_213946_resized-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20200520_213946_resized-624x832.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 645px) 100vw, 645px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Fassade des B\u00fcrogeb\u00e4udes<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cube_Berlin\"> \u201ecube\u201c <\/a>am Berliner Hauptbahnhof.<\/em> Die Fassade dieses Quadratgeb\u00e4udes ist gefaltet, im Frank-<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Frank_Gehry\">Gehry-Style<\/a>. Das ist also nichts grundst\u00fcrzend Neues, aber durchaus beeindruckend, und ein angemessenes Entr\u00e9e f\u00fcr eine Metropole, wenn man aus ihrem Bahnhof tritt. Der Berliner Bahnhof ist ein Solit\u00e4r, selbst wenn man ber\u00fccksichtigt, dass er gegen\u00fcber seinem urspr\u00fcnglichen Entwurf um die beiden Enden der Gleise gekappt wurde Was f\u00fcr eine architektonische Sauerei das war, sieht man erst richtig in der Draufsicht und f\u00fcr besonders genial halte ich die Idee, das Umfeld des Bahnhofs zusehends mit meist austauschbaren postmodernen Kl\u00f6tzen zuzustellen, auch nicht. Man nimmt dem Geb\u00e4ude die Wirkung. Dennoch atmen Freunde des Urbanen durchaus erfreut auf, wenn sie diese Kathedrale der Mobilit\u00e4t betreten. Ich war fr\u00fcher \u00f6fters auf Bahnh\u00f6fen kleineren Zuschnitts unterwegs und die Trostlosigkeit vollkommen verlassener und vernagelter Bruchbuden auf einem Acker, an einem kalten regnerischen Novembertag, in Erledigung irgendwelcher Erwerbsobliegenheiten, haben mich mitunter auf der R\u00fcckreise r\u00e4tseln lassen, wieso ich mich nicht 5 Minuten nach Ankunft  in einer naheliegenden G\u00fcllegrube ertr\u00e4nkt hatte, so klaftertief depressiv fiel ich regelm\u00e4\u00dfig angesichts solcher Orte der Ein\u00f6dnis, der Einsamkeit und der Abwesenheit aller Zivilisation. Es muss das Prinzip Hoffnung gewesen sein, was mich aufrecht hielt.<br \/>\nHoffnung auf einen besseren Ort, der Utopie. Berlin.<br \/>\n\u00dcberaus anregend empfinde ich die Spiegelungen durch die Fassade. Bei einer glatten Fassade w\u00fcrde der Eindruck einer vermeintlich faktischen Widerspiegelung der Au\u00dfenrealit\u00e4t entstehen. Durch die gefaltete Fassade entsteht ein Zerrbild, gebrochen, fast surreal, mehr Montage von verschiedenen Realit\u00e4tsebenen als Abbild von nur einer. Insofern ist das Bild, das durch das Geb\u00e4ude produziert wird, auch Abbild einer Kunstproduktion, die die Moderne begr\u00fcndete. Irgendwann reichte der Naturalismus nicht mehr aus, um die immer komplexer werdende Moderne zu erfassen. Malerei als quasi Fotoersatz ist seit \u00fcber 100 Jahren obsolet und in der Literatur hat sich die Montagetechnik unter Einbeziehung von Bewusstseinsstr\u00f6men und Wahrnehmungsfragmenten sp\u00e4testens seit James Joyce\u2018 Ulysses oder D\u00f6blins \u201eBerlin Alexanderplatz\u201c (!) durchgesetzt. Krasses Beispiel der Moderne: Der Dadaismus als Dekonstruktion von Sinn und Verstand, als Antwort auf die Verw\u00fcstungen des ersten Weltkriegs. Wir tanzten im vorigen Jahrtausend das Motto der Postmoderne <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CxMyB3fNifw\">\u201eStop making sense\u201c<\/a> zu den heute noch bewegungsanimierenden Talking Heads.<br \/>\nWatch out you might get what you&#8217;re after\u2026. So schlimm wird\u2019s schon nicht kommen. Mit solcherlei Gedanken im Kopf durchma\u00df ich den Bahnhofsvorplatz. Das hielt aber nicht lange vor.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20200520_122327_resized.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20200520_122327_resized-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"alignnone size-large wp-image-11049\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20200520_122327_resized-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20200520_122327_resized-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20200520_122327_resized-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20200520_122327_resized-624x468.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/20200520_122327_resized.jpg 1032w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Ein paar Schritte weiter am Reichstag war wieder Atmosph\u00e4re pur, ungew\u00f6hnliche Ruhe, Menschenleere<\/em>. An solchen Orten, wo sonst eher Massenaufl\u00e4ufe das Bild pr\u00e4gen, kann man diesen Atmosph\u00e4renwandel regelrecht k\u00f6rperlich sp\u00fcren.<br \/>\nCorona sucks, ohne Zweifel, aber in solchen Bildern liegt ja auch ein Versprechen auf eine andere Zukunft, ein Vorgriff auf eine Wirklichkeit von Morgen. Vielleicht nicht besser, aber anders.<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=E2r2dXWnpq4\"> A change ist gonna come<\/a>. Ver\u00e4nderung eben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fassade des B\u00fcrogeb\u00e4udes \u201ecube\u201c am Berliner Hauptbahnhof. Die Fassade dieses Quadratgeb\u00e4udes ist gefaltet, im Frank-Gehry-Style. Das ist also nichts grundst\u00fcrzend Neues, aber durchaus beeindruckend, und ein angemessenes Entr\u00e9e f\u00fcr eine Metropole, wenn man aus ihrem Bahnhof tritt. 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