{"id":11276,"date":"2020-09-26T13:34:44","date_gmt":"2020-09-26T07:34:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=11276"},"modified":"2020-09-26T13:38:24","modified_gmt":"2020-09-26T07:38:24","slug":"26-09-2020-bdsm-und-doggy-style","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=11276","title":{"rendered":"26.09.2020 \u2013 BDSM und Doggy Style."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200923_152420_resized_1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200923_152420_resized_1-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"833\" class=\"alignnone size-large wp-image-11277\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200923_152420_resized_1-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200923_152420_resized_1-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200923_152420_resized_1-624x832.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200923_152420_resized_1.jpg 774w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Plakat, Berlin-Sch\u00f6neberg.<\/em> Wilde Plakate sind eine inoffizielle Kiezzeitung. W\u00e4hrend man im Internet mitunter nicht wei\u00df, wo man suchen soll, springen Plakate sofort ins Auge, ob man will oder nicht. In einer Gegend, wo keine wilden Plakate kleben, w\u00fcrde ich mich nicht wohl f\u00fchlen. Mitunter komme ich angesichts von wilden Plakaten ins Staunen, sei es ob ihrer \u00c4sthetik oder Botschaft. Sie sind gerade in den Laboratoriums-Vierteln von Berlin, in denen die Zukunft der Rest-BRD schon vorab inszeniert wird, mitunter grell, unverst\u00e4ndlich, irritierend, immer aber Horizonterweiternd, und sie liefern Information, an die man nicht k\u00e4me, weil man gar nicht auf den Gedanken kommt, danach zu suchen. Ein Flaneur, der sich keine Zeit f\u00fcr wilde Plakate nimmt, ist keiner, h\u00f6chstens ein Konsumspazierg\u00e4nger oder Schaulustiger, und das ist etwas v\u00f6llig anderes. Der Flaneur nimmt sich Zeit und Gedanken, sch\u00e4rft dabei die Klinge der Kritikf\u00e4higkeit, und das sind politische Kategorien. Kategorien, die sich nur im realen Leben von Stadt-\u00d6ffentlichkeit entfalten und g\u00fcnstigenfalls als Substrat von Erfahrung Bewusstseinspotential entwickeln.<br \/>\nEine feine Grundlage daf\u00fcr ist das Staunen und ich staune des \u00d6fteren in Berlin, mehr als woanders. Nicht nur bei obigem Plakat, das in Sch\u00f6neberg zu Dutzenden klebt, bei dem ich in der Provinz, meint hier Hannover, geneigt gewesen w\u00e4re, einen Straftatbestand zu unterstellen, Erregung \u00f6ffentlichen \u00c4rgernisses oder so. Keine Ahnung, ich bin kein Jurist. Bin nur ein Flaneur aus der Provinz, der erstaunt und erfreut zur Kenntnis nimmt, dass das in Sch\u00f6neberg zumindest keine*n juckt. Die dortige Gegend um den Winterfeldt-Platz ist ein komplett schwuler Kiez, dessen Codierungen zu dechiffrieren mir mit meiner heteronormativen Wahrnehmung mitunter schwer f\u00e4llt. Vor diesem Plakat z. B. stand ich gr\u00fcbelnd und zog das Smartphone zur Hilfe.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200924_105600_resized.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200924_105600_resized-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"alignnone size-large wp-image-11278\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200924_105600_resized-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200924_105600_resized-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200924_105600_resized-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200924_105600_resized-624x468.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/20200924_105600_resized.jpg 1032w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Sind so viele Sterne\u2026.<\/em> Und wieso bei Arbeiterinnen* Klasse und woanders der * dahinter? Und ist mit Cis eine Tonart gemeint, Moll oder Dur? Ich steckte das Smartphone wieder ein und staunte. Das Abgebildete wird in 10, 15 Jahren offizieller Diskurs in der Rest-BRD, und paar Jahre danach im Duden, siehe Gender*. Aber irgendwann sach ich mir: Lass die Jugend mal machen, ich muss das nicht mehr alles begreifen, auch wenn ich es intuitiv richtig finde. Das ist so \u00e4hnlich wie mit Technologien. Ein Leben ohne Smartphone ist nat\u00fcrlich m\u00f6glich, aber f\u00fcr mich nicht w\u00fcnschenswert, ohne das k\u00f6nnte ich mich weder beruflich noch privat organisieren. Aber bei dem n\u00e4chsten hei\u00dfen Schei\u00df sach ich dann mal: Das muss ich nicht mehr haben.<br \/>\nEs sei denn, ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Denn Staunen ist der revolution\u00e4re Antrieb f\u00fcr Ver\u00e4nderung. <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/ueber-das-staunen-eine-reise-zum-ursprung-der-philosophie.2162.de.html?dram:article_id=443013\">Dinge neu sehen, das Staunen macht den Glauben an politische Utopien erst m\u00f6glich. <\/a>Ist nicht von mir. Das basiert u. a. auf dem Urvater der Flaneur-Philosophie Walter Benjamin. Da staunen Sie, liebe Leserinnen, oder?<br \/>\nZur Plakat-Erkl\u00e4rung oben: BDSM-Stunden meint eine Versammlung des Bundes Deutscher Schul-M\u00e4dchen, Doggy Style ist ein Modetanz und bei Gleitzeit mit Gummi geht es darum, wie dehnbar im Sinne von AN Arbeitszeiterfassungsmodelle sind.<br \/>\nEin entspanntes Wochenende, liebe Leserinnen, und bleiben Sie drin bis zum n\u00e4chsten Mal, wenn der Provinzonkel wieder staunend aus der gro\u00dfen, weiten Welt berichtet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plakat, Berlin-Sch\u00f6neberg. 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