{"id":11325,"date":"2020-10-19T12:10:30","date_gmt":"2020-10-19T06:10:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=11325"},"modified":"2020-10-19T12:12:48","modified_gmt":"2020-10-19T06:12:48","slug":"19-10-2020-ich-entsichere-meine-pistole","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=11325","title":{"rendered":"19.10.2020 \u2013 Ich entsichere meine Pistole"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/hartz-iv-aktion.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/hartz-iv-aktion-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"alignnone size-large wp-image-11326\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/hartz-iv-aktion-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/hartz-iv-aktion-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/hartz-iv-aktion-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/hartz-iv-aktion-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Aktion \u201eAppel und Ei\u201c zu \u201eHartz-IV-Erh\u00f6hung 14 Euro ab 2021\u201c.<\/em> <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/hallo_niedersachsen\/Hallo-Niedersachsen,hallonds61720.html\">Mit NDR-Berichterstattung, ab 11.02<\/a>.<br \/>\nVor der Aktion frug ich einen K\u00fcnstler an zwecks Support. F\u00fcr sowas habe ich einen kleinen Etat, also konnte ich ihm ein kleines Honorar anbieten.<br \/>\nDie Situation der vor allem freischaffenden Kulturproduzentinnen in Zeiten der Seuche ist ebenso klar wie dramatisch: 100 Prozent Verdienstausfall ist keine Seltenheit und vielen droht Hartz-IV.<br \/>\nHartz-IV ist eine sozialpolitische Sauerei, die Menschen stigmatisiert, Armut f\u00f6rdert und die Spaltung der Gesellschaft vertieft. Ich habe dieses kafkaeske System des \u00dcberwachens, Strafens und Dem\u00fctigens von Anfang an politisch bek\u00e4mpft, mit Zeitungen, der Gr\u00fcndung von Betroffeneninitiativen, auf der Stra\u00dfe.<br \/>\nSolange es in der Welt ist, bildet es die letzte Auffanglinie f\u00fcr Menschen in existentieller Bedr\u00e4ngnis und wenn das so ist, dann gilt das f\u00fcr alle Betroffenen gleicherma\u00dfen, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft innerhalb von Hartz-IV gibt es nicht, da ist der Kapitalismus ein gnadenloser Gleichmacher. Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass die Betroffenen aufstehen und sich wehren, politisch, radikal, auf der Stra\u00dfe. Aber ich w\u00fcnsch mir auch ne eigene Talkshow, Fazit: Das Leben ist kein Ponyhof.<br \/>\nUnd so nehme ich \u2013 wenig \u00fcberrascht \u2013 zur Kenntnis, dass die K\u00fcnstlerkaste einen potentiell ins Haus stehenden Hartz-IV Bezug keinesfalls als Signal zu politischer Aktivit\u00e4t im eigenen Interesse und zu solidarischem Engagement f\u00fcr Millionen Hartz-IV Beziehenden im Lande nutzt, gegen das Prinzip und die Struktur von Hartz-IV. Richtig ist vielmehr, dass besagte Kaste des \u00d6fteren aufheult, was das f\u00fcr eine Zumutung sei &#8211; wobei unausgesprochen immer mitschwingt: mit diesem asozialen, kulturfernen Pack in  eine Topf ger\u00fchrt zu werden. Hartz-IV ja, aber bitte nicht f\u00fcr mich, ich bin was Besseres. Das Floriansprinzip in Reinkultur.<br \/>\nBei einer derartigen Haltung nicht weniger Kulturproduzentinnen geht mein Kotzreiz nahtlos in den Wunsch nach einer kulturfreien Gesellschaft \u00fcber, befreit von derartigem D\u00fcnkel, beinharter Arroganz, gepaart mit Dummheit und politischer Verblendung. Und ich danke Athene, der G\u00f6ttin der Kunst, daf\u00fcr, dass Kultur eben nicht systemrelevant ist, entgegen dem frommen Wunsch des Feuilletons und vieler nach A 13 bezahlten Museumsg\u00e4ngerinnen.<br \/>\nNach dieser Vorrede wird sie, liebe Leserinnen, das Zitat aus der ellenlangen Absage des Eingangs angefragten K\u00fcnstler nicht \u00fcberraschen:<br \/>\n<em>\u201e \u2026 Ich gebe mir, wenn die Berichterstattung ung\u00fcnstig l\u00e4uft, auch selber noch das Image, ein Hartz 4 Bezieher zu sein. \u2026.\u201c <\/em><br \/>\nUnd mit diesem asozialen Pack will ja kein K\u00fcnstler was gemein haben.<br \/>\nDer Staat hat diese offene Flanke erkannt, hier k\u00f6nnte sich bei empathisch ausgelegten und Intelligenz begabten K\u00fcnstlerinnen eventuell sowas wie Politisierung, Solidarit\u00e4t, Widerstand entwickeln. Daher wurde flugs ein sogenannter <a href=\"https:\/\/www.kulturrat.de\/corona-pandemie\/bayern-2\/\">fiktiver Unternehmerlohn entwickelt f\u00fcr Kulturschaffende<\/a>, anstelle von Hartz-IV. Unternehmer statt Hartz-IV, wenn das kein Ritterschlag ist. So bleiben die Kulturschaffenden brav bei der Kapitalismus-Stange und das Prinzip: Divide et impera funktioniert wie geschmiert weiter.<br \/>\nWenn ich aber nochmal irgendwo lese \u201eKultur ist systemrelevant\u201c, entsichere ich meine Pistole. Bis dahin guten Start in die Woche, liebe Leserinnen.<br \/>\nRuhm, Lob und Ehre aber dem famosen Kollegen Marc Beinsen von den <a href=\"https:\/\/www.improkokken.de\/\">Improkokken<\/a>, der spontan einsprang und der Aktion Leben einhauchte. Wenn Sie jemanden f\u00fcr Ihre Veranstaltungen, Feiern, f\u00fcr Workshops, Kurse ect. suchen: einen Besseren finden Sie nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aktion \u201eAppel und Ei\u201c zu \u201eHartz-IV-Erh\u00f6hung 14 Euro ab 2021\u201c. Mit NDR-Berichterstattung, ab 11.02. Vor der Aktion frug ich einen K\u00fcnstler an zwecks Support. F\u00fcr sowas habe ich einen kleinen Etat, also konnte ich ihm ein kleines Honorar anbieten. 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