{"id":11529,"date":"2021-01-09T14:29:09","date_gmt":"2021-01-09T08:29:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=11529"},"modified":"2021-01-09T18:59:53","modified_gmt":"2021-01-09T12:59:53","slug":"09-01-2021-reflexion-ueber-orte-von-sehnsucht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=11529","title":{"rendered":"09.01.2021 \u2013 Reflexion \u00fcber Orte von Sehnsucht"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20201224_122646_resized.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20201224_122646_resized-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"833\" class=\"alignnone size-large wp-image-11530\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20201224_122646_resized-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20201224_122646_resized-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20201224_122646_resized-624x832.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20201224_122646_resized.jpg 774w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Ich wohne an einem Hafen.<\/em> Der ist zwar eher niedlich, im Schnitt l\u00e4uft hier ein Drittel Schiff pro Tag aus (2018), aber er hat alles, was zu einem Hafen  geh\u00f6rt:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Lindener-Hafen_image_full.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Lindener-Hafen_image_full.jpg\" alt=\"\" width=\"765\" height=\"574\" class=\"alignnone size-full wp-image-11531\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Lindener-Hafen_image_full.jpg 765w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Lindener-Hafen_image_full-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Lindener-Hafen_image_full-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 765px) 100vw, 765px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Wasser, Hafenbecken, Kr\u00e4ne, Schleuse, Industrieareal drumherum.<\/em> Eine Hafensch\u00e4nke gab es auch mal, schr\u00e4g gegen\u00fcber von meiner Homebase, da verkehrten ger\u00fcchteweise Nazis, heute ist da eine Shishabar. Es mag angesichts der Dimension dieser Drittelschiffanlage und im Vergleich zum famosen Hamburger Hafen l\u00e4cherlich klingen, aber jedes Mal, wenn ich am hiesigen Areal vorbeikomme, ergreift mich ein leises Hafengef\u00fchl, eine Mischung von Sehnsucht nicht unbedingt nach gro\u00dfer, aber anderer Welt, von Melancholie, die \u00fcber Orten von Abschied oft schwebt und von Zuversicht, es ist Leben in der Welt, es passiert was. Ein, zweimal im Jahr mache ich sogar eine Tour durch das Hafenareal, bevorzugt am Sonntag, wenn eine postapokalyptische Stille \u00fcber dem ganzen Areal liegt und es zu einem archaischen, sterbenden Metallk\u00f6rper macht. So weit so sensibel.<br \/>\nOft werden in Reiseberichten und \u00e4hnlichem Ges\u00fclze H\u00e4fen mit Bahnh\u00f6fen und Flugh\u00e4fen in einen Topf ger\u00fchrt und unterschiedslos zu Orten von Sehnsucht, Abschied, Aufbruch, Begegnung, Verlockung etc. hochstilisiert. In meiner Wahrnehmung gibt es da gewaltige Unterschiede. Bahnh\u00f6fe, so sie sich in Metropolen befinden, sind entweder Konsumtempel mit inkludierter Hektik, Gereiztheit, Fu\u00dfballterroristen und angeschlossener Dauerversp\u00e4tung. In der Provinz sind Bahnh\u00f6fe Orte depressivster Einsamkeit und unbeschreiblicher H\u00e4sslichkeit, die nur einen Wunsch ausl\u00f6sen: Nach einem schnellen Tod. Flugh\u00e4fen sind einfach gef\u00fchlsferne Orte von kalter Transport-Funktionalit\u00e4t, die nur einen Wunsch erwecken: So schnell wie m\u00f6glich von A nach C zu kommen.<br \/>\nH\u00e4fen sind siehe oben und haben einen unsch\u00e4tzbaren Vorteil: In ihnen ist man an der meist frischen Luft und es weht der Duft der gro\u00dfen, weiten Welt um die Nase. Also krebserzeugender Diesel, aber welches Leben ist schon ohne Risiko.<br \/>\nDas ging mir bei meinem letzten Power-Walk l\u00e4ngs des obigen Hafens durch den Kopf, als ich innerlich angesichts des Gruselgriesel von Schnee, Regen und Abgasen bei Null Grad und Ostwind dar\u00fcber greinte, dass Reisen, wohin auch immer, zurzeit keine Option sind.<br \/>\nDieses Greinen und Jammern ist kontraproduktiv, es erzeugt nichts weiter als eine sich selbst verst\u00e4rkende Negativspirale. Es gilt, von den alten R\u00f6mern zu lernen, die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stoa\">Stoa<\/a> postulierte schon vor \u00fcber 2000 Jahren heitere Gelassenheit und emotionale Selbstbeherrschung als Maxime. So schritt ich weiter heiter f\u00fcrbass, auf den Pfaden Marc Aurels und des Lindener Hafens wandelnd.<br \/>\nAber ach, all mein Stoizismus ging auf dem hiesigen Boulevard fl\u00f6ten, wo nat\u00fcrlich Maskenpflicht gilt, als ich eine Bekannte traf, die irgendeinen Lappen oder Rollkragenpullover als Gesichtswindel hochgezogen hatte. K\u00f6nnen sich die Leute nicht einfach mal an Regeln, Vernunft und Empathie halten und ihre verfickten Scheiss-Hackfressen mit FFP 2 bedecken? Es wird Sie, liebe Leserinnen, vielleicht \u00fcberraschen, aber in mir quollen irgendwie negative Vibrations empor &#8230;<br \/>\nWas h\u00e4tte Marc Aurel jetzt gemacht?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wohne an einem Hafen. Der ist zwar eher niedlich, im Schnitt l\u00e4uft hier ein Drittel Schiff pro Tag aus (2018), aber er hat alles, was zu einem Hafen geh\u00f6rt: Wasser, Hafenbecken, Kr\u00e4ne, Schleuse, Industrieareal drumherum. 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