{"id":11672,"date":"2021-03-06T15:21:23","date_gmt":"2021-03-06T09:21:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=11672"},"modified":"2021-03-06T16:46:17","modified_gmt":"2021-03-06T10:46:17","slug":"06-03-2021-ein-freies-land","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=11672","title":{"rendered":"06.03.2021 \u2013 Ein freies Land."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Scannen0001.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Scannen0001.jpg\" alt=\"\" width=\"835\" height=\"994\" class=\"alignnone size-full wp-image-11673\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Scannen0001.jpg 835w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Scannen0001-252x300.jpg 252w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Scannen0001-768x914.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Scannen0001-624x743.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 835px) 100vw, 835px\" \/><\/a><br \/>\nWenn <a href=\"https:\/\/www.gerhard-richter.com\/de\/art\/paintings\/photo-paintings\/landscapes-14\/corsica-5223\/?&#038;categoryid=14&#038;p=1&#038;sp=32\">Wolfgang Richter so malt<\/a>, kriegt er Millionen (f\u00fcr ein Bild bis zu 41 Mio. Euro). Bei mir landen solche Produkte \u2013 Foto einer Polaroid 635 &#8211; missratener Kunstproduktion in der M\u00fclltonne.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/polaroid-635.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/polaroid-635-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"alignnone size-large wp-image-11674\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/polaroid-635-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/polaroid-635-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/polaroid-635-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/polaroid-635-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Original Polaroid 635 aus dem vorigen Jahrtausend. Makellos sch\u00f6n und zeitlos.<\/em><br \/>\nVersteh einer die Kunst, siehe oben, und den Markt sowieso nicht. Versteh einer die alten, wei\u00dfen M\u00e4nner? Das ist schon einfacher. Die schickten neulich im Streit um Identit\u00e4tspolitik und Gendersprache, also um ihren Machterhalt, ihr letztes Aufgebot in die Schlacht, <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/thierse-debatte-ueber-identitaetspolitik-wie-so-oft-wurde.2165.de.html?dram:article_id=493572\">Wolfgang \u201eOssib\u00e4r\u201c Thierse<\/a>. Sprach-Volkssturmmann Thierse jaulte ob des vermeintlich zunehmenden Machtverlustes wei\u00dfer alter Mann tief getroffen auf, er lasse sich seine Sprache nicht vorschreiben, er insistiere auf Diskurs mit Augenh\u00f6he etc. pp., kurz, er gerierte sich als Opfer einer Identit\u00e4tspolizei, die ihn vermutlich demn\u00e4chst ins Sprachlager deportieren w\u00fcrde. Fast das gesamte M\u00e4nnerb\u00fcrgerfeuilleton sprang dem wackeren Streiter beiseite, ein sicheres Zeichen daf\u00fcr, dass hier Bl\u00f6dsinn der gehobenen Kategorie verzapft wird.<br \/>\nIrgendwie hat es das Gendersternchen * wohl in den Duden geschafft, damit ist auch die letzte \u201eArgumentations\u201cbastion der wei\u00dfen Alten gegen diese Neuentwicklung der Sprache gefallen: \u201eF\u00fcr mich gilt der Duden\u201c. Mir ist der Duden egal, ich lass mir nicht vom Duden vorschreiben, wo die Sprache lang geht, ich sage der Sprache an, wo\u2019s lang geht. Der Duden ist was f\u00fcr Loser.<br \/>\nVorher hatten wei\u00dfe Alte Quark auf der Palette wie \u201eIch lass mir meine Sprach\u00e4sthetik nicht verderben\u201c. Jeder Dialektik-Klippsch\u00fcler wei\u00df, dass \u00c4sthetik ein normatives Funktionssystem bildet, das gesellschaftlichen Wandlungen von Herrschaft und Macht unterliegt. Was wir fr\u00fcher sch\u00f6n fanden, r\u00f6hrende Hirsche und Nazibauten, ist heute obsolet. Kommt Morgen vielleicht wieder, wei\u00df keiner. So auch Sprache.<br \/>\nSie bildet Herrschaft und Macht ab und transportiert sie fort. So nat\u00fcrlich auch im Geschlechterverh\u00e4ltnis. Das \u00e4ndert sich jetzt. Nicht, dass sich dadurch etwas \u00e4ndern w\u00fcrde. Es gibt nichts Besseres als Klassenverh\u00e4ltnisse durch Identit\u00e4tsdiskussionen zu verschleiern und zu erhalten. Aber ein guter Schritt wird gemacht, auch wenn die Mehrheit dagegen ist. Die Mehrheit ist vermutlich auch f\u00fcr die Todesstrafe.<br \/>\nOssib\u00e4r war, tief im Westen angekommen, schon immer von Ver\u00e4nderungen im Leben \u00fcberfordert. So wetterte er einst gegen den Einfall der Hunnen im Abendland, respektive <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfgang_Thierse#Schwaben-Streit\">den Zuzug der Schwaben im Prenzlauer Berg<\/a>, was f\u00fcr ihn aufs Gleiche rauskam.<br \/>\nUnd ich dachte, das Thema Gendersprache w\u00e4re nun endlich durch, nachdem die sogar in der Industrie \u2013 <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/geld\/wirtschaft\/wirtschaft\/konzern-spricht-von-audianerinnen-wut-posts-im-netz-nach-gender-gaga-bei-audi-75592388.bild.html\">bei Audi<\/a> &#8211; angekommen ist. Tr\u00f6stlich, dass heute auch niemand mehr \u00fcber die Gurtpflicht im Auto und das Rauchverbot in Restaurants redet. Irgendwann hat\u2019s auch der letzte Trottel kapiert.<br \/>\nBis dahin hindert niemand den Ossib\u00e4r daran, ebenso konsequent nur noch die weibliche Form zu verwenden wie in den letzten Jahrhunderten die m\u00e4nnliche angewandt wurde. Ist ein freies Land.<br \/>\nLeider. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Wolfgang Richter so malt, kriegt er Millionen (f\u00fcr ein Bild bis zu 41 Mio. Euro). Bei mir landen solche Produkte \u2013 Foto einer Polaroid 635 &#8211; missratener Kunstproduktion in der M\u00fclltonne. Original Polaroid 635 aus dem vorigen Jahrtausend. Makellos sch\u00f6n und zeitlos. Versteh einer die Kunst, siehe oben, und den Markt sowieso nicht. 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