{"id":12109,"date":"2021-08-30T14:10:38","date_gmt":"2021-08-30T08:10:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=12109"},"modified":"2021-08-30T14:52:51","modified_gmt":"2021-08-30T08:52:51","slug":"30-08-2021-wahlbeteiligung-reduzieren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=12109","title":{"rendered":"30.08.2021 \u2013Wahlbeteiligung reduzieren!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/sozialer-brennpunkt-oder-malerisch-mediterrane-Altstadt.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/sozialer-brennpunkt-oder-malerisch-mediterrane-Altstadt-1024x694.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"424\" class=\"alignnone size-large wp-image-12110\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/sozialer-brennpunkt-oder-malerisch-mediterrane-Altstadt-1024x694.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/sozialer-brennpunkt-oder-malerisch-mediterrane-Altstadt-300x203.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/sozialer-brennpunkt-oder-malerisch-mediterrane-Altstadt-768x521.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/sozialer-brennpunkt-oder-malerisch-mediterrane-Altstadt-624x423.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/sozialer-brennpunkt-oder-malerisch-mediterrane-Altstadt.jpg 1994w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Sozialer Brennpunkt oder malerisch-mediterrane Altstadt?<\/em><br \/>\nIm <a href=\"https:\/\/www.deutschestextarchiv.de\/book\/view\/marx_bonaparte_1869\/?hl=Lumpenproletariats&#038;p=61\">\u201eXVIII. Brumaire des Louis Bonaparte\u201c <\/a>beschreibt Marx das von ihm so genannte Lumpenproletariat n\u00e4her. Das Lumpenproletariat geht keiner geregelten Lohnarbeit nach und war damit f\u00fcr Marx, der selber keiner geregelten Lohnarbeit nachging, erledigt: kein proletarisches Klassenbewusstsein, unzuverl\u00e4ssig, reaktion\u00e4r, als B\u00fcndnispartner nicht zu gebrauchen, eine Gefahr f\u00fcr die Arbeiterbewegung. Die Aufz\u00e4hlung dessen, was f\u00fcr ihn Lumpenproletariat darstellt, ist allerdings lebendige Literatur und Geschichte zugleich:<br \/>\n<em>\u201e \u2026 zerr\u00fcttete Lebeherren mit zweideutigen Subsistenzmitteln und von zweideutiger Herkunft, verkommene und abenteuerliche Ableger der Bourgeoisie, Vagabunden, entlassene Zuchthausstr\u00e4flinge, entlaufene Galeerensklaven, Gauner, Gaukler, Tagediebe, Taschenspieler, Zuh\u00e4lter, Bordellhalter, Lasttr\u00e4ger, Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker, Bettler \u2026.<\/em> \u201e (und nat\u00fcrlich die Boh\u00e8me!)<br \/>\nDa kam es f\u00fcr ohnehin Ausgegrenzten und Prek\u00e4ren aus Sicht des Klassenkampfes gleich ganz dicke. Was sich bis heute wie ein roter Faden durch die Wohlfahrtsstaatlichkeit zieht: Der paternalistische Blick auf die \u201eda unten\u201c, die Armen, Prek\u00e4ren, f\u00fcr die man die L\u00f6sung ihrer Probleme parat hat, aber bitte ohne deren Beteiligung.<br \/>\nDas mit dem Sieg des Proletariats klappte nicht so recht. Im Staatssozialismus entartete das in die Diktatur einer Kaderelite und im Kapitalismus, also bei \u201euns\u201c, lie\u00df sich das Proletariat gegen ein paar Wohlstandsbr\u00f6sel in Form von Urlaub, Auto, Eigenheim ruck zuck das Klassenbewusstsein abkaufen. Bevor Sie, liebe W\u00e4hlerinnen, sich jetzt fragen, ob ich keinen Fris\u00f6r h\u00e4tte, dem ich das erz\u00e4hlen k\u00f6nnte, hier die praktische und traurige Nutzanwendung der Marxschen Analyse, die ebenso erbarmungslos hochfahrend wie gnadenlos richtig ist:<br \/>\nDie soziale Klasse des Lumpenproletariats existiert durch die Zeiten. Gro\u00dfe Teile der Nazi-SA rekrutierten sich aus prek\u00e4ren Existenzen und erledigten die Drecksarbeit im Stra\u00dfenkampf und den SA-Folterkellern zur Durchsetzung des faschistischen Terrors bis 1934.<br \/>\nHeute ballen sich die dergestalt Ausgegrenzten in sogenannten \u201eSozialen Brennpunkten\u201c: das Dienstleistungs-Prekariat der Botenfahrer, alleinerziehenden Teilzeitbesch\u00e4ftige in Handel, Gastronomie etc., Erwerbslose, Migrant*innen, Mini-Jobber*innen \u2026. und demn\u00e4chst auch Literaten und Boh\u00e8me. Die k\u00f6nnen sich das Wohnen in den von ihnen kreierten angesagten Kiezen n\u00e4mlich nicht mehr leisten.<br \/>\nUnd hier, in diesen Sozialen Brennpunkten, erzielt die AfD ihre gr\u00f6\u00dften Stimmenanteile. Dahinter verbirgt sich die wieder gewachsene Wahlbeteiligung der letzten Jahre. Es gehen die wieder zur Urne, die sich sonst jahrelang enthalten haben, und machen ihr Kreuz bei den Neo-Nazis. Die AfD ist, \u00e4hnlich den Nazis, ein Elitenprojekt mit stabiler Verankerung im Lumpenproletariat. Nur nennen wir es heute nicht mehr so. Wir sagen \u201eAndersbegabte\u201c. Oder so.<br \/>\nDas Wahlverhalten ist verst\u00e4ndlich, bei der Verachtung, die den ohnehin Abgeh\u00e4ngten explizit oder subkutan seitens des Staates, der Gesellschaft, der Gewerkschaften, Verb\u00e4nde, Medien, B\u00fcrgertum und Linken entgegenschl\u00e4gt. F\u00fcr sie hat sich noch nie was ge\u00e4ndert. Ab 01.01.22 gibt es drei Euro Hartz-IV mehr. Daf\u00fcr diesem Staat die Stange halten? Dann lieber die Standarte der Neo-SA.<br \/>\nVerst\u00e4ndlich, aber nicht akzeptabel. Also muss aktuelles Ziel eines antifaschistischen Engagements sein: Wahlbeteiligung reduzieren<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sozialer Brennpunkt oder malerisch-mediterrane Altstadt? Im \u201eXVIII. Brumaire des Louis Bonaparte\u201c beschreibt Marx das von ihm so genannte Lumpenproletariat n\u00e4her. 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