{"id":12704,"date":"2022-04-15T17:10:24","date_gmt":"2022-04-15T11:10:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=12704"},"modified":"2022-04-15T18:12:50","modified_gmt":"2022-04-15T12:12:50","slug":"15-04-2022-der-bus-flaneur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=12704","title":{"rendered":"15.04.2022 \u2013 Der Bus-Flaneur"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Die-letzte-Kremlfahne.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Die-letzte-Kremlfahne-1024x990.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"604\" class=\"alignnone size-large wp-image-12705\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Die-letzte-Kremlfahne-1024x990.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Die-letzte-Kremlfahne-300x290.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Die-letzte-Kremlfahne-768x742.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Die-letzte-Kremlfahne-624x603.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Die-letzte-Kremlfahne.jpg 1772w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Die letzte Kremlfahne. <\/em>Am Checkpoint Charlie, einem der gr\u00f6\u00dften Touri-Nepp-Orte in Berlin, wo t\u00e4glich zig Leute in wohligem Grusel ob der Erinnerung an den Kalten Krieg vor einem nachgebauten Kontrollpunkt mit Imitat-Soldaten posieren. Fotografiert vom M29er Bus aus. Wahrscheinlich h\u00e4ngen weltweit Tausende letzte Kremlfahnen, siehe auch &#8222;Original-Mauerst\u00fccke&#8220;. Stadtrundfahrten in Berlin f\u00fcr teures Geld k\u00f6nnen Sie sich sparen, liebe Leserinnen. Tagesticket f\u00fcr 8,80 Euro und &#8211; vor allem bei schlechtem Wetter und m\u00fcden F\u00fc\u00dfen &#8211; den ganzen Tag die M29er Strecke durch Kreuzberg und Neuk\u00f6lln juckeln.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220412_203335_resized.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220412_203335_resized-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"833\" class=\"alignnone size-large wp-image-12706\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220412_203335_resized-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220412_203335_resized-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220412_203335_resized-624x832.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/20220412_203335_resized.jpg 1734w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\nWas vor allem bei Dunkelheit mit all den Neonleuchtenden Kneipen, Bars und Restaurants ein ziemlich zauberhafter Anblick ist.<br \/>\nWar der klassische Flaneur auf den Spuren Walter Benjamins und anderen noch per pedes unterwegs, bietet sich f\u00fcr die postmoderne Variante auch das ziellose Treibenlassen mit Rad oder Bussen an. Radln ist allerdings in Berlin grunds\u00e4tzlich ein gef\u00e4hrliches Unterfangen und nur h\u00f6chstkonzentriert und behelmt anzugehen. Da empfiehlt sich das Treibenlassen eher in ausgesuchten Kiezen und Nebenstra\u00dfen, was also qua Plan dem Flaneur-Gedanken eher widerspricht.<br \/>\nIch bin dazu \u00fcbergegangen, Bus-Flaneur zu werden. Einfach ziellos von einer Linie zu anderen zu hoppen und wenn es mir irgendwo gef\u00e4llt, auszusteigen und das Terrain als klassischer Fu\u00df-Flaneur zu erkunden. Wobei \u201eerkunden\u201c dem Flaniergedanken auch schon widerspricht. Vielleicht bin ich, sind wir?, schon grunds\u00e4tzlich zu sehr Effizienz- und Erkenntnisverdorben. Alles muss ein Ziel, einen Sinn, eine Erkenntnis haben, verwertbar sein. Selbst bei einigerma\u00dfen resistenten und renitenten Gem\u00fctern wie mir ist diese neoliberale Ideologie auch im Nichterwerbsbereich schon wie ein Gift in alle Zellen nicht nur der Wahrnehmung gesickert. Beim Strandliegen gelingt mir eine kontemplative Abwesenheit solchen Gedankenschrotts noch am ehesten, ein Buch zur Hand zu nehmen k\u00e4me mir da nie in den Sinn. Was f\u00fcr eine extreme Vergeudung an Nutzlosigkeit w\u00e4re das. Wandern ist auch ok. Beim Wandern sind mir mitunter Gedanken fern. Aber leider nicht der Gedanke, wie gesund das jetzt ist, wie sinnvoll, welche Strecke ich da gerade wieder zur\u00fccklege. Und im schlimmsten Fall welche Freude mich durchstr\u00f6mt, wenn ich etwa ein keuchendes Etwas vor mir an einer steilen Steigung in br\u00fcllender Sonne \u201eabkoche\u201c. Fehlt nur noch Schrittz\u00e4hler und Stoppuhr. Grausam.<br \/>\nBusflanieren hingegen kann durchaus etwas wie eine Meditation sein in gelungenen Momenten, weil man sich nicht aufs Gehen konzentrieren muss. Freies Fluten.  Am intensivsten habe ich das bei Busfahrten durch das innere Alentejo erlebt, stundenlang gleiten da in flacher unbedeutender Landschaft im st\u00e4ndigen, tr\u00e4gen Wechsel Rinder, Oliven, Mandelb\u00e4ume, Felder an einem vorbei, visuelle Mantren.<br \/>\n\u00c4hnliches nun im Moloch Berlin erleben zu k\u00f6nnen, hat was Faszinierendes. Und Entlastendes, da die Gedanken an die tausend Krisen drau\u00dfen vor der Bust\u00fcr endlich mal Urlaub haben.<br \/>\nBis, wie geschehen, ein Rundfunksender anruft und gerne ein paar O-T\u00f6ne zur Auswirkung der Inflation auf Menschen mit wenig Geld h\u00e4tte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzte Kremlfahne. Am Checkpoint Charlie, einem der gr\u00f6\u00dften Touri-Nepp-Orte in Berlin, wo t\u00e4glich zig Leute in wohligem Grusel ob der Erinnerung an den Kalten Krieg vor einem nachgebauten Kontrollpunkt mit Imitat-Soldaten posieren. Fotografiert vom M29er Bus aus. 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