{"id":13097,"date":"2022-08-15T13:07:23","date_gmt":"2022-08-15T07:07:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13097"},"modified":"2022-08-15T13:10:16","modified_gmt":"2022-08-15T07:10:16","slug":"15-08-2022-ich-kann-das-brandenburger-tor-nicht-mehr-sehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13097","title":{"rendered":"15.08.2022 \u2013 Ich kann das Brandenburger Tor nicht mehr sehen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220813_120134_resized.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220813_120134_resized-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"alignnone size-large wp-image-13098\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220813_120134_resized-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220813_120134_resized-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220813_120134_resized-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220813_120134_resized-624x468.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220813_120134_resized.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\nIst aber manchmal nicht zu vermeiden, bei Gro\u00dfdemos auf der \u201eStra\u00dfe des 17. Juni\u201c z. B. oder wenn die Kunst ruft, in Gestalt der Akademie der K\u00fcnste als ein Spielort der Berliner <a href=\"https:\/\/www.berlinbiennale.de\/de\/\">Biennale <\/a>. Es w\u00e4re sinnvoller gewesen, meinen Haaren bei Ausfallen zuzugucken als mir das Geschmiere in der Akademie anzutun. Auf riesigen Lappen, die von der Decke h\u00e4ngen, sind irgendwelche Diagramme, Stammb\u00e4ume, Entwicklungen gekritzelt, die irgendwas verdeutlichen sollen, Kolonialismus, Kapitalismus, alles \u00dcbel dieser Welt halt, von Adam \u2013 ohne Eva \u2013 bis Heute und Morgen. Was K\u00fcnstlerinnen halt so kritzeln, wenn sie keine klaren Gedanken fassen k\u00f6nnen und dieses Unverm\u00f6gen auch noch in Worte kleiden wollen, aber zu dumm oder zu faul f\u00fcr ein Manifest sind. Manifeste waren fr\u00fcher in solchen Kreisen sehr beliebt. Ich hab auch mal eins verfasst. Gegen das massenhafte Verfassen von Manifesten.<br \/>\n Sonst h\u00e4ngt in der Akademie zur Biennale: Nichts. Nur ein einsamer Feuerl\u00f6scher.<br \/>\nZornbebend schritt ich von dannen, an der Kasse meine Meinung hinterlassend: \u201eDas ist Beschiss am zahlenden Kunden.\u201c<br \/>\nEs ist eine zunehmende Unsitte in der zeitgen\u00f6ssischen Kunst, irgendwelche Diagramme zu kritzeln und wehrlose W\u00e4nde damit vollzukleistern, oft als Ergebnis von Recherchen und Dokumentationen, gerne auch im Kollektiv. Was dabei rauskommt, ist auf der Documenta zu beobachten, siehe Ruangrupa. Nichts gegen Kunst, die sich in die Wirklichkeit begibt. Im Gegenteil, schon Bert Brecht und Walter Benjamin haben das gefordert, ankn\u00fcpfend an die sowjetische Avantgarde um Wladimir Tretjakov. Und Nichts anderes als eingreifende Kulturproduktion mache ich seit Jahrhunderten. Raus auf die Stra\u00dfe, da tobt das Leben, nicht zwischen zwei Buchdeckeln oder auf einer Leinwand. Aber das muss dann auch ein \u00e4sthetisches Eigenleben haben, visuelle Kraft, Imagination, Transzendenz, bei aller Parteilichkeit.<br \/>\nWas in der Akademie der K\u00fcnste h\u00e4ngt, ist Fortsetzung der Soziologie mit anderen Mitteln, eine Kastration der Kunst.<br \/>\nDass es auch anders zeigt, zeigt die Biennale selbst, im <a href=\"https:\/\/www.kw-berlin.de\/\">KW <\/a>Kunst-Werke Berlin.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hwk.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hwk-1024x415.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"253\" class=\"alignnone size-large wp-image-13099\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hwk-1024x415.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hwk-300x122.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hwk-768x311.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/hwk-624x253.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\nOptische Opulenz.<br \/>\nDas Kunstthema heuer ist Dekolonisation, also der Prozess der Aneignung und gewaltsamen Eroberung und Unterdr\u00fcckung der Welt durch wei\u00dfe, zuerst europ\u00e4ische und m\u00e4nnliche Eroberer und der langsame Abl\u00f6sungsprozess von dieser Entwicklung. Dass sich dadurch linker Antisemitismus mal wieder Bahn bricht, der offensichtlich unter Kunstbolschewisten noch st\u00e4rker als im Rest vertreten ist, ist die Kehrseite dieser Medaille. Hier wird versucht, die Singularit\u00e4t des Holocaust zu negieren, in dem der als ein Ereignis neben vielen m\u00f6rderischen wei\u00dfen, in dem Fall zuf\u00e4llig deutschen, r\u00e4uberischen Vernichtungsfeldz\u00fcgen gesehen wird, im Holocaust-Fall in Osteuropa.<br \/>\nBei aller Grausamkeit der spanischen Conquistadoren oder bei der Vernichtung der indigenen Bev\u00f6lkerung in Amerika: Die Gleichsetzung mit dem geplanten und durchgef\u00fchrten industriellen Massenmord der Nazis an 6 Millionen Juden, Sinti und Rom ist geschichtsklitternd und moralisch verkommen, das ist wahnhafter Antisemitismus. Kolonialismus kannte viele Ziele: Ausbeutung, Unterwerfung, Aneignung, Fraternisierung etc. pp. Der Holocaust kannte nur ein Ziel: Vernichtung.<br \/>\nIn diese zeitgen\u00f6ssische Dekolonisations-Kunstfalle nicht getappt zu sein, auch das ist ein Verdient der KW, die der Shoah breiten und \u00fcberaus beeindruckenden Raum einr\u00e4umen.<br \/>\nUnd so lohnt sie sich trotz allen \u00c4rgerns immer wieder, die Kunst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist aber manchmal nicht zu vermeiden, bei Gro\u00dfdemos auf der \u201eStra\u00dfe des 17. Juni\u201c z. B. oder wenn die Kunst ruft, in Gestalt der Akademie der K\u00fcnste als ein Spielort der Berliner Biennale . Es w\u00e4re sinnvoller gewesen, meinen Haaren bei Ausfallen zuzugucken als mir das Geschmiere in der Akademie anzutun. 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