{"id":13138,"date":"2022-08-28T14:55:46","date_gmt":"2022-08-28T08:55:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13138"},"modified":"2022-08-28T14:55:46","modified_gmt":"2022-08-28T08:55:46","slug":"28-08-2022-sorry-liebe-woelfe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13138","title":{"rendered":"28.08.2022 &#8211; Sorry, liebe W\u00f6lfe"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220826_161317_resized.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220826_161317_resized-1024x738.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"450\" class=\"alignnone size-large wp-image-13139\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220826_161317_resized-1024x738.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220826_161317_resized-300x216.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220826_161317_resized-768x554.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220826_161317_resized-624x450.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/20220826_161317_resized.jpg 1794w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\nDer Himmel \u00fcber Berlin. Ein Donnerschlag und der \u201eJahrhundertsommer\u201c mit Wochen tropischer N\u00e4chte war beendet. Es war wie bei Haydns Symphonie mit dem Paukenschlag, auf einmal waren alle wieder munter. Nat\u00fcrlich ist der jetzige Zustand normaler und ges\u00fcnder, aber was ist schon normal und \u00fcber den Sinn von Gesundheit l\u00e4sst sich auch streiten. Solange man nicht krank ist jedenfalls. Ich fand diesen \u201eJahrhundertsommer\u201c (in \u201e\u201c deshalb, weil derartige Sommer die Regel werden) nicht schlecht, irgendwie faszinierend. Ausnahmesituationen haben immer etwas Faszinierendes und man, na ja, ich jedenfalls, versucht, ihnen auf den Grund zu gehen. Wie f\u00fchlt sich Ausnahme an, wie riecht, schmeckt, t\u00f6nt die? In der Glutglocke von Berlin waren, sind, alle langsamer, ged\u00e4mmter, das Leben gleicht mehr einer surrealen Inszenierung denn der Benzingeschw\u00e4ngerten Realit\u00e4t. Kleidung entgleitet immer mehr \u00e4sthetischer Zumutbarkeit, \u00fcberall M\u00e4nner in Shorts und Socken, das Grauen, aber selbst solche optischen Infernos (Inferni find ich sch\u00f6ner, ist aber falsch) lassen mich kalt (sic!). Man ist noch eher geneigt, sich Faulheit zu verzeihen als eh schon. Einfach mal viere gerade sein lassen.<br \/>\nAusnahmesituationen verursachen ein gr\u00f6\u00dferes Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl, da sitzen und schwitzen tats\u00e4chlich mal alle in einem Boot. Selbst die dauernden Krisennachrichten prallen an einer Mental-Mattscheibe meist m\u00fcde ab. Es wird, wenn \u00fcberhaupt, mehr der Restintellekt geweckt als irgendwelche Emotionen. Erstaunt war ich dann doch \u00fcber die 32 Prozent.<br \/>\nLediglich 32 Prozent aller BRD-Insassen sind f\u00fcr eine Anhebung von <a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/afp\/neuigkeiten\/staedte-und-gemeindebund-fordert-zulagen-fuer-menschen-mit-geringem-einkommen\">Sozialleistungen <\/a>in diesen Krisenzeiten. Es ist nicht so sehr die infame Niedertracht des ideellen Gesamtdoitschen, die dem Anderen nicht die Butter auf dem Brot g\u00f6nnt (wobei sich Butter immer weniger leisten k\u00f6nnen), die \u00fcbel aufst\u00f6\u00dft. Es ist die Mischung aus grunzdummer D\u00e4mlichkeit und Mangel an jeder soziologischen Phantasie, die erstaunen macht. Nicht einzukalkulieren, dass demn\u00e4chst, irgendwann, auch er, der dumme Michel, darauf angewiesen sein k\u00f6nnte. Oder gar schon angewiesen ist. Mehr als 10 Prozent aller Erwachsenen beziehen jetzt schon Transferleistungen. Ein gro\u00dfer Prozentsatz beansprucht aus Scham oder Unwissenheit keine Transferleistungen, 50 Prozent bei Hartz-IV, 60 Prozent bei Grundsicherung im Alter, dazu kommt ein Millionenheer von Prek\u00e4ren und Niedrigl\u00f6hnerinnen, die knapp \u00fcber der Grenze liegen. Und die bei der mit Riesenschritten nahenden Rezession am Arsch der Existenz sind. 40 Prozent aller Einwohnerinnen haben keinerlei R\u00fccklagen oder Schulden. Tendenz dramatisch steigend.<br \/>\nWir k\u00f6nnen also unterstellen, dass die Summe derjenigen, die Transfers beziehen, beziehen k\u00f6nnten oder st\u00e4ndig vom Absturz bedroht sind, ungef\u00e4hr der Summe derer entspricht, die f\u00fcr eine Erh\u00f6hung ist.<br \/>\nWenn wir dagegen rechnen, dass bei den oben erw\u00e4hnten 32 Prozent viele, Millionen, wohlmeinende, gutverdienende Gr\u00fcnenw\u00e4hlerinnen sind, vielleicht sogar Sozis, die anderen auch mal was g\u00f6nnen, kommen wir zu folgendem Schluss: Millionen armer Schweine sind gegen eine Erh\u00f6hung von Sozialleistungen, obwohl sie selbst davon profitieren, profitieren k\u00f6nnten oder werden.<br \/>\nWie zugerichtet muss der Kopf sein, die eigenen Interessen und Bed\u00fcrfnisse derartig zu verleugnen, einen Teil der eigenen Existenz derartig von sich abzuspalten und das Lied der feindlichen W\u00f6lfe mit zu heulen.<br \/>\nDem Gegner die Kehle anzubieten, das funktioniert nach verlorenem Kampf im Tierreich, unter anderem bei den W\u00f6lfen. Aber nicht bei Menschen.<br \/>\nKein Wunder, dass so viele Schafe aus lauter Angst und Panik bei den grauen, den braunen W\u00f6lfen mitheulen und demn\u00e4chst auch laufen, wenn der Mob f\u00fcr die Stra\u00dfe mobilisiert.<br \/>\nUnd sorry, liebe W\u00f6lfe, dass ich Euch derartig beleidigend anthropomorphisiert habe. Ist halt Grundkurs Rhetorik: In Gleichnissen reden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Himmel \u00fcber Berlin. Ein Donnerschlag und der \u201eJahrhundertsommer\u201c mit Wochen tropischer N\u00e4chte war beendet. Es war wie bei Haydns Symphonie mit dem Paukenschlag, auf einmal waren alle wieder munter. Nat\u00fcrlich ist der jetzige Zustand normaler und ges\u00fcnder, aber was ist schon normal und \u00fcber den Sinn von Gesundheit l\u00e4sst sich auch streiten. 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