{"id":13297,"date":"2022-10-29T13:03:23","date_gmt":"2022-10-29T07:03:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13297"},"modified":"2022-10-29T17:18:50","modified_gmt":"2022-10-29T11:18:50","slug":"29-10-2022-irgendwer-muss-immer-die-letzte-runde-zahlen-im-wirtshaus-wie-im-leben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13297","title":{"rendered":"29.10.2022 \u2013 Irgendwer muss immer die letzte Runde zahlen, im Wirtshaus wie im Leben."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221027_114037_resized_1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221027_114037_resized_1-1024x641.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"391\" class=\"alignnone size-large wp-image-13298\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221027_114037_resized_1-1024x641.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221027_114037_resized_1-300x188.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221027_114037_resized_1-768x481.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221027_114037_resized_1-624x391.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>14 Prozent mehr Einkommen in einem Jahr, Arbeitslosenquote 0,7 Prozent, Inflation 4,5 Prozent. Aus einer Werbebrosch\u00fcre der damaligen SPD\/FDP-Koalition vor der Bundestagswahl 1972<\/em>. Gefunden im unersch\u00f6pflichen Fundus des Hermann Sievers AHH7. Heute haben wir massive Reallohnverluste von \u00fcber 5 Prozent, die Arbeitslosenquote liegt bei 5,4 Prozent (die reale <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/zahlen-und-fakten\/soziale-situation-in-deutschland\/61730\/unterbeschaeftigung\/\">Unterbesch\u00e4ftigungsquote <\/a>d\u00fcrfte wesentlich h\u00f6her liegen, eher bei 8 Prozent) und die Inflation bei \u00fcber 10 Prozent.<br \/>\n1972 war der H\u00f6hepunkt des hier mehrfach angesprochenen \u201eGoldenen Zeitalter des Kapitalismus\u201c, eine Reform (die damals den Namen verdienten) nach der n\u00e4chsten, Ausbau Sozialstaat, h\u00f6here Einkommen, Ans\u00e4tze zu mehr Geschlechtergerechtigkeit keimten auf.<br \/>\n73 l\u00e4utete die \u00d6lpreiskrise den m\u00e4hlichen Reform-Niedergang ein, der &#8211; \u00fcber den tendenziellen Fall der Profitrate mit der Folge von Deregulierung, Privatisierung und Ausbau des Finanzsektors &#8211; in den totalen Triumpf des Neoliberalismus m\u00fcndete nach dem Fall des Eisernen Vorhangs.<br \/>\nNun ist das Modell des Neoliberalismus an sein Ende gekommen, beschleunigt durch multiple Krisen. Dessen zerst\u00f6rerische Folgen werden sogar von Teilen des Marktes, (fragen Sie mich nicht, wer das eigentlich ist, es k\u00f6nnte l\u00e4nger werden bei der Antwort) nicht mehr akzeptiert, wie man am Scheitern der v\u00f6llig durchgeknallte Prime-Minister-Trusse, genannt die \u201emenschliche Handgranate\u201c, in England sah.<br \/>\nLeider ist das mit dem Schwanengesang auf den Neoliberalismus keine frohe Botschaft. Irgendwer muss immer die letzte Runde zahlen, im Wirtshaus wie im Leben und vor dem, was nach dem Neoliberalismus kommt, kann einem nur grausen. Es glaubt ja beim gegenw\u00e4rtigen Zustand der Gesellschaft niemand im Ernst an ein kommendes reales Reformzeitalter, siehe oben, gar an eine solidarische sozial\u00f6kologische Wende. Hierzulande brennen wieder Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte, die AfD und andere faschistoide Parteien steigen in der W\u00e4hlerinnengunst, der Mob mobilisiert auch im Westen auf den Stra\u00dfen spontan Tausende. Eine reale Linke, die den Namen verdient, zerlegt sich selber, Utopien sind Ramsch-B\u00fcckware unterm Ladentisch und die Zivilgesellschaft ist in nicht geringen Teilen (es gibt auch Ausnahmen) eine Ansammlung von tr\u00e4gen, feigen Opportunisten.<br \/>\nGanze Kohorten haben heutzutage keine Vorstellung mehr davon, wie reale Reformen aussehen k\u00f6nnen. Hier ein Beispiel aus der Brosch\u00fcre:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221027_115422_resized_1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221027_115422_resized_1-635x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"1008\" class=\"alignnone size-large wp-image-13299\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221027_115422_resized_1-635x1024.jpg 635w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221027_115422_resized_1-186x300.jpg 186w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221027_115422_resized_1-624x1006.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20221027_115422_resized_1.jpg 644w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\nDie \u00dcberschrift wirkt nat\u00fcrlich aus heutiger Sicht skurril und l\u00e4dt zu Schl\u00fcpfrigkeiten aller Art ein. Wenn man (!) sich allerdings die dort beschriebenen Ma\u00dfnahmen vor Augen f\u00fchrt, ist das tats\u00e4chlich verglichen mit dem Vorher-Zustand eine epochale Reform-Z\u00e4sur: Neues Eherecht mit Fortfall des Schuldprinzips, \u00a7 218 Reform, Babyjahr, Mieterinnenschutz. Flankierend dazu eine Strafrechtsreform, Ostvertr\u00e4ge etc. pp.<br \/>\nBei der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bundestagswahl_1972\">Wahl <\/a>1972  erreichte die SPD dann auch den gr\u00f6\u00dften Erfolg ihrer Geschichte, die Wahlbeteiligung war mit 91,1 Prozent die h\u00f6chste in der Geschichte der BRD und die NPD verlor drastisch an Stimmen.<br \/>\nUnd heute, 50 Jahre sp\u00e4ter, sind alte, wei\u00dfe M\u00e4nner nach wie vor allein damit schon \u00fcberfordert, andere Geschlechter wenigstens auf sprachlicher Ebene in Erscheinung treten zu lassen.<br \/>\nEs kommt in letzter Zeit immer h\u00e4ufiger vor, dass ich bei den Nachrichten laut lachen muss.<br \/>\nFr\u00f6hlich bin ich dabei allerdings weniger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>14 Prozent mehr Einkommen in einem Jahr, Arbeitslosenquote 0,7 Prozent, Inflation 4,5 Prozent. Aus einer Werbebrosch\u00fcre der damaligen SPD\/FDP-Koalition vor der Bundestagswahl 1972. 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