{"id":13530,"date":"2023-02-06T13:27:09","date_gmt":"2023-02-06T07:27:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13530"},"modified":"2023-02-06T13:32:50","modified_gmt":"2023-02-06T07:32:50","slug":"06-02-2023-das-tor-zur-hoelle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13530","title":{"rendered":"06.02.2023 \u2013 Das Tor zur H\u00f6lle"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/plastikkopf.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/plastikkopf-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13531\" width=\"655\" height=\"873\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/plastikkopf-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/plastikkopf-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/plastikkopf-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/plastikkopf-624x832.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/plastikkopf.jpg 1224w\" sizes=\"(max-width: 655px) 100vw, 655px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Irgendwann im 140er Bus, eine Art Kreuzberg Kieztransfer, wenn die F\u00fc\u00dfe beim Flanieren nicht mehr tragen. Das Rad als Stadterkundungsinstrument ist in Berlin eher ein Himmelfahrtskommando, an immer mehr Ecken wei\u00dfe R\u00e4der als Memento mori f\u00fcr von rechtsabbiegenden LKWS plattgewalzte Radler*innen. Der Kopf des Mannes war fast v\u00f6llig von Plastikfolie umwickelt. Selbstmordversuch? Irgendein Extrem-Fetisch oder Stimulationssupport? Was Kulturelles, Performance oder ne Pilzinfektion? In Berlin ist alles m\u00f6glich und es k\u00fcmmert niemanden, schon gar nicht die Businsassinnen. In Bussen als Kieztransfermittel sitzen tags\u00fcber fast ausschlie\u00dflich Rentner*innen mit ihren Einkaufsw\u00e4gen, junge Migrations-M\u00fctter mit Kinderkarren, Flaneure wie ich und Durchgeknallte wie der Plastikkopf.<\/p>\n\n\n\n<p>War er durchgeknallt? Seine Zigarette z\u00fcndete sich der Mann jedenfalls brav drau\u00dfen an, als er am Kotti ausstieg. Das Kottbusser Tor ist momentan mal wieder zyklisch in <a href=\"https:\/\/www.vice.com\/de\/article\/7k8nyd\/fotos-kottbusser-tor-die-menschen-an-einem-der-gefaehrlichsten-orte-berlins?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE\">aller Munde,<\/a> zu 50 Prozent leben die Medien vom abkupfern. Das Kottbusser Tor ist in der Phantasie von Provinzlern und Spie\u00dferinnen das Tor zur H\u00f6lle: Dreck &amp; Drogen. Diese wildgewordenen Phantasien gestatten einen tiefen Blick. Nicht so sehr auf den Kotti. Eher in das Innenleben und die Sehns\u00fcchte der Kleinb\u00fcrger. Absto\u00dfend. Nein, nicht der Kotti.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich da nicht wohnen und ich kann jede Mutter (V\u00e4ter sind da oft abg\u00e4ngig) verstehen, die ihre Kinder hier nicht aufwachsen sehen m\u00f6chte. Ich sitze mitunter im Flanieren da, der Kotti ist von meiner Homebase im Bergmannkiez im eher schicken Kreuzberg aus eine Art Verteilzentrum in die Richtungen Friedrichshain, Neuk\u00f6lln und SO 36, woher unser Plastikkopf vermutlich stammt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es stimmt, es ist laut da, dreckig, es stinkt, Pisse, Kotze, und sieht mitunter erb\u00e4rmlich, f\u00fcr \u00e4ngstliche Gem\u00fcter bedrohlich aus. Aber das ist nur die Erscheinung, der <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/gesellschaft\/berlin-kreuzberg-das-harte-leben-am-kottbusser-tor-a-e33c7078-0d85-49b9-a607-e3f8417b400a\">Spiegel <\/a>zieht in einem angenehm unaufgeregten Artikel  das zutreffende Fazit:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWas ist der Kotti f\u00fcr Sie, Herr Akt\u00fcrk? \u00bbMeine Heimat.\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wer auch nur mal zwei Stunden in einem orientalischen Caf\u00e9 dort Tee getrunken hat, merkt das. Das ist Heimat da.<\/p>\n\n\n\n<p>Hintergrund der Artikel: Die Er\u00f6ffnung einer Polizeiwache am Kotti. Repression statt Sozialarbeit. <a href=\"https:\/\/www.bz-berlin.de\/berlin\/friedrichshain-kreuzberg\/keine-fotosumstrittene-kotti-wache-oeffnet-mitte-februar\">Zitat BZ <\/a>(raten Sie mal, aus welche Hause die stammt): <em>\u201eDonnerstag kamen Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und die Regierende B\u00fcrgermeisterin Franziska Giffey (SPD) in die k\u00fcnftige Polizeistation im Herzen Kreuzbergs \u2013 und wurden erstmal von Demonstranten beschimpft. Eine Gruppe junger Linker.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Da l\u00e4uft der Kleinb\u00fcrger Amok und die SPD freut sich \u00fcber zus\u00e4tzliche Stimmen n\u00e4chsten Sonntag bei der Wahl. Und nein, hier keine abgehangenen Witze \u00fcber Berlin Wahlen, Chaos, Flughafen. Wer den Hauch von Freiheit und Anarchie in Berlin sch\u00e4tzt &#8211; auch wenn das nur noch ein Mythos ist, nehmen Mythen doch durchaus materiellen Gehalt in unserem Erleben an \u2013 der muss auch Chaos-Wahlen in Kauf nehmen. Die ja eh nix \u00e4ndern, sonst w\u00e4ren sie schon lange verboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Schadensbilanz: Ich wei\u00df nicht, wieviel Geld im Drogenhandel t\u00e4glich am Kotti umgesetzt wird, Tausende Euro? Andrea Tandler ist die Tochter des korrupten ehemaligen CSU-Finanzministers <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gerold_Tandler\">Gerold Tandler<\/a>, der nach R\u00fccktritt und Einstellung (nat\u00fcrlich, was sonst) der strafrechtlichen Ermittlungen gegen Geldbu\u00dfe Vorstandsmitglied der Linde AG wurde. Andrea Tandler sitzt in U-Haft, nachdem sie sich 48 Millionen Euro Provision f\u00fcr korrupte Maskendeals erschlichen hat. Familien-Bande.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie, liebe Leserinnen, demn\u00e4chst am Kotti \u00fcber einen Haufen Kotze stolpern, der k\u00f6nnte von mir sein. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irgendwann im 140er Bus, eine Art Kreuzberg Kieztransfer, wenn die F\u00fc\u00dfe beim Flanieren nicht mehr tragen. Das Rad als Stadterkundungsinstrument ist in Berlin eher ein Himmelfahrtskommando, an immer mehr Ecken wei\u00dfe R\u00e4der als Memento mori f\u00fcr von rechtsabbiegenden LKWS plattgewalzte Radler*innen. Der Kopf des Mannes war fast v\u00f6llig von Plastikfolie umwickelt. Selbstmordversuch? 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