{"id":13565,"date":"2023-02-24T14:11:48","date_gmt":"2023-02-24T08:11:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13565"},"modified":"2023-02-24T14:14:58","modified_gmt":"2023-02-24T08:14:58","slug":"24-02-2023-vergewaltigung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13565","title":{"rendered":"24.02.2023 \u2013 Vergewaltigung"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/statue.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/statue-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13566\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/statue-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/statue-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/statue-624x832.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/statue.jpg 867w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>\u201eDer seltene Fang\u201c. Bronze-Statue, 1896, am Wasserfall Viktoriapark in Berlin-Kreuzberg.<\/em> Die Skulptur stellt einen Fischer dar, der mit seinem Fischernetz eine Nixe gefangen hat. Der Fischer ist als m\u00e4nnlicher Akt dargestellt, der die sich windende, noch teilweise im Netz verfangene Wassernixe mit Gewalt an der Flucht hindert. Gewalt gegen Frauen, Vergewaltigung, \u00e4sthetisiert im \u00f6ffentlichen Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie damit, grunds\u00e4tzlich mit historisch diskreditierten Denkm\u00e4lern, Bauten, Texten, Bildern umgehen? Alles entfernen und in einen Park der Toxizit\u00e4t entsorgen, der nur unter p\u00e4dagogischer Anleitung besucht werden darf, kann\u2019s ebenso wenig sein wie alles kommentarlos durchlaufen zu lassen. Zwei Regeln fallen mir dazu spontan ein: Opfer befragen und Kontextualisierung. Eine Entfernung der Statue oben f\u00e4nde ich schade, sie geh\u00f6rt als regelm\u00e4\u00dfiger Anblick zu meinem pers\u00f6nlichen Kiezmobiliar. Sollten allerdings Frauenverb\u00e4nde eine Entfernung fordern (was in dem Fall, soweit ich wei\u00df, niemand bisher tut), w\u00fcrde ich den Ball erstmal flach halten, mir die Argumente anh\u00f6ren und vermutlich akzeptieren. Anders k\u00e4me ich mir auch ziemlich d\u00e4mlich vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine erkl\u00e4rende Tafel, die die Abbildung in den historischen Kontext stellt und einordnet, w\u00e4re als Kontextualisierung das Mindeste. Eine &#8211; eventuell tempor\u00e4re \u2013 feministische Gegenstatue im n\u00e4heren Umfeld eine weitere M\u00f6glichkeit<\/p>\n\n\n\n<p>Was \u00fcberhaupt nicht geht, ist die arrogant-egoistische Kommentierung von Leuten, die, meist ausgestattet mit entsprechendem Klassenstatus und kulturellem Kapital, aus einer potentiellen T\u00e4terperspektive ihr freches Maul aufrei\u00dfen. Wie im Fall Roald Dahl, dessen Werke in einer Neuauflage einer sprachlichen \u00dcberarbeitung unterzogen wurden. Das kann man durchaus kritisch sehen wie der <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/worter-aus-kinderbuchern-von-roald-dahl-gestrichen-es-geht-um-eine-knallharte-marketingstrategie-9387986.html\">Tagesspiegel<\/a>.  <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Roald_Dahl#Antisemitismusvorw%C3%BCrfe\">Dahl<\/a>, ein widerlicher Antisemit, war ein Gebrauchsliterat, dessen Werke ich vor Jahrzehnten auch recht putzig fand.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass nun allerdings Heerscharen von Prominenten auch aus dem Grund gegen die Aktualisierung zu Felde ziehen, weil sie dadurch ihres urspr\u00fcnglichen Leseerlebnisses beraubt w\u00fcrden und das auch ihren Kindern g\u00f6nnen m\u00f6chten, zeugt von der oben beschriebenen Arroganz des kulturellen Kapitals, der Empathie befreiten Unf\u00e4higkeit, eine andere Perspektive als die eigene einnehmen zu k\u00f6nnen. Die von Opfern zum Beispiel, von \u201efetten, h\u00e4sslichen\u201c Unterschichtskindern, die das entsprechende Kapital zur Gegenwehr nicht haben. Und keinen Bock haben, dauernd als \u201efett und h\u00e4sslich\u201c tituliert zu werden, weil das so unter anderem via Literatur ins kulturell-kollektive Unterbewusstsein transportiert wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein bisschen mehr Willen und F\u00e4higkeit eine andere als die eigene Perspektive einnehmen zu k\u00f6nnen, w\u00e4re mitunter ganz hilfreich, bevor man dummes Zeug aus dem Mund oder in die sozialen Netzwerke purzeln l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Was auf jeden Fall f\u00fcr mich hilfreich und \u00e4sthetisch erfreulich war, ist die oben abgebildete Kontextualisierung mittels lila Schal, der, im Winde wehend, die st\u00e4hlerne Gewaltanmutung der Statue konterkarierte, ohne in das Material einzugreifen. Am n\u00e4chsten Tag war der Schal vom Winde verweht, aber das Bild bleibt. Um den Schal als feministischen Akt zu verstehen, dazu braucht es allerdings kulturelles Kapital. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich f\u00fcr meine Teil werde jedenfalls demn\u00e4chst n\u00e4chtens durch die Stadt ziehen, als Stadtguerilla, und Statuen von alten Kriegern wie Generalfeldmarschall <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Waldersee-Denkmal#Kritik\">Waldersee  <\/a>mit Pappnasen versch\u00f6nern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer seltene Fang\u201c. Bronze-Statue, 1896, am Wasserfall Viktoriapark in Berlin-Kreuzberg. Die Skulptur stellt einen Fischer dar, der mit seinem Fischernetz eine Nixe gefangen hat. Der Fischer ist als m\u00e4nnlicher Akt dargestellt, der die sich windende, noch teilweise im Netz verfangene Wassernixe mit Gewalt an der Flucht hindert. Gewalt gegen Frauen, Vergewaltigung, \u00e4sthetisiert im \u00f6ffentlichen Raum. 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