{"id":13617,"date":"2023-03-15T15:38:48","date_gmt":"2023-03-15T09:38:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13617"},"modified":"2023-03-15T16:25:09","modified_gmt":"2023-03-15T10:25:09","slug":"15-03-2023-wie-mich-neulich-beinahe-ein-hirnschlag-traf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13617","title":{"rendered":"15.03.2023 \u2013 Wie mich neulich beinahe ein Hirnschlag traf"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230313_154317_resized_1.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230313_154317_resized_1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13618\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230313_154317_resized_1-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230313_154317_resized_1-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230313_154317_resized_1-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230313_154317_resized_1-624x468.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230313_154317_resized_1.jpg 1156w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Werbeplakat vor Baumarkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Tag hatte schlecht begonnen: Regen und K\u00e4lte, drau\u00dfen Krieg und Krisen, drinnen Frust und Frost, Beerdigungen, Krankheiten, das Leben schien eine Kette von Zumutungen. Und dann musste ich auch noch in einen Baumarkt, f\u00fcr mich der Vorhof zur H\u00f6lle. Lauter extrem h\u00e4ssliche Menschen, stiernackige M\u00e4nner in Blaum\u00e4nnern und Millionen Gegenst\u00e4nde, deren Sinn und Zweck ich nicht verstehe und die alle nach einer Arbeit riechen, die ich hasse. Ich wollte auf den Parkplatz radeln, in der stillen Hoffnung, dass ein Meteoriteneinschlag meiner tr\u00fcben Existenz ein j\u00e4hes und mildes Ende setzen w\u00fcrde. Schlimmer k\u00f6nnte es nicht kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von wegen. Ich erblickte das Plakat oben. Und erstarrte. F\u00fcr einen Moment dachte ich: Jetzt habe ich einen Hirnschlag erlitten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Plakat ist genuine \u00c4sthetik des Faschismus, eine Bildersprache unter anderem aus den Wahlplakaten der NSDAP in der Weimarer Republik. <a href=\"https:\/\/www.alamy.de\/stockfoto-wahlplakat-der-nsdap-aus-der-1930er-jahre-deutschland-47605545.html\">Hier der st\u00e4hlern-muskul\u00f6se, einsame Hammermann, der wuchtig dreinschl\u00e4gt und Ordnung schafft<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist durchgehende faschistische Bildersprache, damals und Heute: der Hammer, oder die dreinschlagende Faust, <a href=\"https:\/\/www.alamy.de\/stockfoto-nsdap-wahlplakat-1933-arbeiter-wahlt-den-frontsoldaten-hitler!-motto-lautet-arbeitnehmer-stimmen-fur-die-ehemaligen-front-83365786.html\">der gest\u00e4hlte Muskelmann, meist allein, in Verbindung mit Ordnung, Arbeit, immer ernster, oft grimmiger Blick, nichts freundliches, lebendiges<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Bilder scheint schon die Todessehnsucht, die nach Mord und Vernichtung, die in im Krieg und in den Lagern endete.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Werbeplakat oben unterstreicht diese Trostlosigkeit noch, es bildet noch nicht einmal die notorische, alberne Frau und nervende G\u00f6ren im Hintergrund ab, die Papa wahlweise einen Eistee bringen oder vor Dankbarkeit und Familiengl\u00fcck umtanzen. Hier schl\u00e4gt der einsame, coole F\u00fchrer-Held zu, hier wird Ordnung geschaffen. Der Garten, eh schon trostloses, totes&nbsp; Rasengr\u00fcn, wird mit Hammerschl\u00e4gen in eine steinerne Ordnung gepr\u00fcgelt, das Gr\u00fcn am Bildrand wirkt bedrohlich, und wird als n\u00e4chstes zugerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts hasst der Faschist mehr als das Lebendige, als die Unordnung, das Weiche, Fluide, alles zarte, freundliche, weibliche muss vernichtet, rausgepr\u00fcgelt werden. Dass eine derartige \u00c4sthetik als werbewirksam betrachtet wird, hat mich echt gegruselt. Es ist ja nicht so sehr das faschistische Gequatsche eines H\u00f6cke, einer AfD, was so gef\u00e4hrlich ist. Schlimm genug, das erreicht aber nur einen harten Kern. Was ich f\u00fcr mindestens genauso gef\u00e4hrlich halte, sind solche Bilder wie oben, wenn sie f\u00fcr eine \u00e4sthetische Tendenz stehen. Sie transportieren in der Summe als vermeintlich harmlose Werbung ein M\u00e4nner- und damit Geschlechterbild in den Mainstream zum F\u00fcrchten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gehe davon aus, dass der Designer des Plakates die Nazi-Werbung kennt. \u00c4sthetiken und Bildersprachen vergangener Epochen sind in jedem Lehrplan f\u00fcr Grafiker, Designer etc. oder geh\u00f6ren zum Kanon derer, die in diese Richtung arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu behaupten, meine Laune w\u00e4re sp\u00e4ter, nach diesem Anblick, im Baumarkt im Keller gewesen, w\u00e4re die Untertreibung des Jahres. F\u00fcr einen Moment meinte ich, die Gef\u00fchlswelten von Amokl\u00e4ufern kurz vor der Tat nachvollziehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werbeplakat vor Baumarkt. Der Tag hatte schlecht begonnen: Regen und K\u00e4lte, drau\u00dfen Krieg und Krisen, drinnen Frust und Frost, Beerdigungen, Krankheiten, das Leben schien eine Kette von Zumutungen. 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