{"id":14476,"date":"2023-11-27T13:06:14","date_gmt":"2023-11-27T07:06:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14476"},"modified":"2023-11-27T13:07:07","modified_gmt":"2023-11-27T07:07:07","slug":"27-11-2023-ueber-sexismus-feminismus-und-den-misthaufen-der-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14476","title":{"rendered":"27.11.2023 \u2013 \u00dcber Sexismus, Feminismus und den Misthaufen der Geschichte"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/hipgnosis.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"612\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/hipgnosis-1024x612.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14477\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/hipgnosis-1024x612.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/hipgnosis-300x179.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/hipgnosis-768x459.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/hipgnosis-1536x919.jpg 1536w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/hipgnosis-624x373.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/hipgnosis.jpg 1677w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Plattencover aus einer Ausstellung der <a href=\"https:\/\/browse.gallery\/\">Browse <\/a>Gallery  im Kreuzberger Bergmannkiez \u00fcber die Arbeit der britischen Grafikdesign-Agentur <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hipgnosis\">Hipgnosis  <\/a>, die vor allem in den Siebzigern legend\u00e4re Pop-Plattencover gestaltet hat. Jeder, der auch nur 10 Vinyls aus der Zeit besa\u00df, hatte mehrere Hipgnosis im Schrank. Eine jener Ausstellungen, die man in high spirits verl\u00e4sst. Die Cover, oft an Duchamps und Magritte angelehnt, waren eine vergn\u00fcgliche Reise in die eigene Vergangenheit, \u00fcberall t\u00f6nte aus Boxen laute Musik der Platten, wir unterhielten uns lange und angeregt mit den Machern, ein skurriler, lebendiger Engl\u00e4nder dabei, der teilweise fr\u00fcher an den Covern mitgearbeitet hatte und jede Menge Hintergrundanekdoten kannte. Es kann auch sein, dass der Geruch von inspirierenden Kr\u00e4utern das Ganze umwehte. Der nat\u00fcrlich von drau\u00dfen hereinkam. Wir verlie\u00dfen die Ausstellung in wirklich bester Laune, high spirits, und begl\u00fcckten den Kiez auf dem Weg zum abendlichen Cava in der Marheineke Markthalle mit lauten a capella-Versatzst\u00fccken aus der damaligen Popkultur. Es erinnerte mich an meine Zeit als S\u00e4nger der Pychopunkband \u201eFlying Sackbarrow Brothers\u201c. Es war schrecklich. Am\u00fcsant.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Gespr\u00e4chen mit den Ausstellungsmachern gab es einen kurzen Moment von Anspannung. Wir sprachen die Tatsache an, dass nicht wenige Cover der damaligen Zeit nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben als sexistisch zu bezeichnen sind, siehe das an peinlicher Plattheit nicht zu \u00fcberbietende Exemplar oben, und manches heutzutage ein \u201eno go\u201c sei. Wie das Cover von Led Zeppelins <a href=\"https:\/\/browse.gallery\/portfolio\/led-zeppelin-houses-of-the-holy\/\">\u201eHouses oft he Holy\u201c,<\/a> auf dem verfremdet nackte Kinder abgebildet sind. Fotos in der Ausstellung von den Aufnahmearbeiten zeigen tats\u00e4chlich die nackten Kinder, die den ganzen Tag in der unwirtlichen Gegend \u00fcber die Felsen kraxelten  . Unser Engl\u00e4nder fragte leicht angepisst zur\u00fcck, ob wir Zensur aus\u00fcben wollten. Was nicht unser Thema war.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Cover der Ausstellung sind eine exemplarische Reise durch die Pop-Kulturgeschichte der 70er, Zeitgeist-Bilder.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings aus einem spezifischen Kultursegment, dem Pop. Es gab nat\u00fcrlich auch Kultur-Segmente, in denen schon damals Cover wie das Obige v\u00f6llig verp\u00f6nt waren. Im Feminismus z. B. der zweiten Welle, der erreichte Mitte der 70er seinen H\u00f6hepunkt, damals noch als politisch-feministischer, kollektiver Solidarit\u00e4tsakt in Abgrenzung von patriachal-kapitalistischer Herrschaft verstanden. In der Folge entwickelte sich daraus eine Konzentration auf die kulturelle, individuelle \u201eGeschlechtsidentit\u00e4t\u201c. Was sich heute als Identit\u00e4tspolitik der finstersten Art darstellt, bei der diverse Minderheiten sich in einem Wettbewerb \u00fcberbieten, wer denn nun die am meisten diskriminierte sei. Das Utopia dieses entsolidarisierten, neoliberalen Wettrennens (gegen andere Minderheiten) akademischer Mittelschichts-Trullas ist eine gutbezahlte, unbefristete Stelle in einem Gleichstellungsb\u00fcro.<\/p>\n\n\n\n<p>Was bei einer derartig skizzierten Entwicklung am Ende rauskommt, ist im <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/es-geht-darum-die-schlimmsten-aengste-jedes-menschen-wahrzumachen-a-4d6e6d4b-e8cc-4f97-90d5-cf229f158333?sara_ref=re-so-tw-sh\">Spiegelinterview <\/a>mit Ruth Halperin-Kaddari nachzulesen, einer israelische Frauenrechtlerin und Rechtsprofessorin. Sie beschreibt die barbarischen Vergewaltigungen und Ermordung israelischer Frauen als Folge des \u00dcberfalls der Hamas-Faschisten am 7.10 und die Reaktionen von internationalen Frauenrechtsorganisationen auf ihre Bitte um Stellungnahme, Zitat:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIch habe an UN Women geschrieben, an das Komitee zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau der Vereinten Nationen, an die Uno-Sonderbeauftragte f\u00fcr Gewalt gegen Frauen und an weitere Uno-Institutionen und internationale Frauenrechtsorganisationen. Die Reaktion war ersch\u00fctternd: Viele antworteten gar nicht. Nur wenige ver\u00f6ffentlichten Statements, die dann aber sehr generell die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten bem\u00e4ngelten. Keine der Erkl\u00e4rungen erw\u00e4hnte die sexuelle Gewalt. Das ist entt\u00e4uschend, gerade von UN Women, eine Organisation, die geschaffen wurde, um sich genau um solche Vorf\u00e4lle zu k\u00fcmmern. Als damals klar wurde, dass Frauen im Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine Opfer sexueller Gewalt wurden, hat UN Women z\u00fcgig reagiert und eine umfassende Untersuchung gefordert. Ich sehe hier einen Doppelstandard .\u2026&nbsp; Es gibt schon einen generellen Mangel an Empathie Israel gegen\u00fcber vonseiten der linken Community weltweit.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mir ist beim Lesen des Interviews zweimal regelrecht \u00fcbel geworden: Schlimm bei der Schilderung der barbarischen Hamas-Grausamkeiten gegen die Frauen und, abgemildert, aber immer noch \u00fcbel genug, bei der v\u00f6llig empathielosen Reaktion vermeintlich fortschrittlicher Frauenorganisationen. Wenn das Euer Feminismus ist, M\u00e4dels, dann geh\u00f6rt er ebenso auf den Misthaufen der Geschichte, wie alles, was links blinkt, aber real rechts antisemitisch abbiegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plattencover aus einer Ausstellung der Browse Gallery im Kreuzberger Bergmannkiez \u00fcber die Arbeit der britischen Grafikdesign-Agentur Hipgnosis , die vor allem in den Siebzigern legend\u00e4re Pop-Plattencover gestaltet hat. Jeder, der auch nur 10 Vinyls aus der Zeit besa\u00df, hatte mehrere Hipgnosis im Schrank. Eine jener Ausstellungen, die man in high spirits verl\u00e4sst. 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