{"id":14516,"date":"2023-12-11T14:45:24","date_gmt":"2023-12-11T08:45:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14516"},"modified":"2023-12-11T14:50:42","modified_gmt":"2023-12-11T08:50:42","slug":"11-12-2023-in-welcher-stadt-steht-der-koelner-dom","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14516","title":{"rendered":"11.12.2023 \u2013 In welcher Stadt steht der K\u00f6lner Dom?"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/DOM.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"866\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/DOM-866x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14517\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/DOM-866x1024.jpg 866w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/DOM-254x300.jpg 254w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/DOM-768x908.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/DOM-1299x1536.jpg 1299w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/DOM-624x738.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/DOM.jpg 1457w\" sizes=\"(max-width: 866px) 100vw, 866px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Tipp: Die Antwort ist im Hinweis \u201eK\u00f6ln\u201c auf der Leuchttafel zu sehen. In keiner mir bekannten Stadt ist das Ankommen am Bahnhof so imposant wie in K\u00f6ln: Vorne der Dom, hinten der Rhein. Berlin punktet da einerseits mit dem Blick auf Reichstag und Regierungsviertel, zum Europaplatz hingegen mit einer architektonischen Katastrophe: Hier wurde mit gesichtslosen Quadern f\u00fcr Jahrzehnte die Chance vertan, st\u00e4dtebauliche Metropolen-Akzente zu setzen. Hannover ist nach hinten \u00f6de und langweilig, nach vorne langweilig und \u00f6de und zus\u00e4tzlich depressiv. Hamburg nicht besser, und bei kleineren Orten landen wir direkt in der H\u00f6lle. Selten bin ich strukturell so suizidgef\u00e4hrdet gewesen wie beim Ankommen in Bahnh\u00f6fen von Orten wie Erlangen, Braunschweig, Peine, Lehrte, Barsinghausen, Orte, die gesichtslos, kulturlos, meist menschenlos vor sich hind\u00e4mmern, nicht un\u00e4hnlich den armen gestrandeten Existenzen, die in ihrem Schatten ihr Dasein fristen.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6ln dagegen!<\/p>\n\n\n\n<p>Empfand ich heuer allerdings auch eher als Depressionsbeschleuniger. Ich wollte gar nicht da sein, nur eine als solche empfundene Pflicht trieb mich dahin. Viel lieber wollte ich Zuhause unter der Bettdecke auf den Fr\u00fchling warten als ausgerechnet nach K\u00f6ln. Das ist keine Stadt, das ist ein Dauerzustand karnevalesker K\u00f6lsch-getr\u00e4nkter Korruption.<\/p>\n\n\n\n<p>Es zog wie Hechtsuppe auf der Domplatte, saukalt, goss in Str\u00f6men und war unglaublich voll. Der Bahnhof ist viel zu gro\u00df f\u00fcr die Umgebung, wie eine Wurst da reingepresst, wie eine undichte Wurst, bei der aus allen L\u00f6chern die Menschlein quollen wie graues, aasiges Wurstbr\u00e4t, das ohne Unterlass in den Wurstdarm nachgestopft wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich dr\u00e4ngelte mich durch das Wurstbr\u00e4t, um in den Dom zu gelangen, Luft schnappen, Transzendenz tanken. Keine Chance, das Wurstbr\u00e4t, getrieben von vorweihnachtlich dumpfem Drang nach Spiritualit\u00e4t, dr\u00e4ngelte sich in endloser Schlange davor, die Satelliten-Aufnahmen zufolge bis Bielefeld reichte. Weiter, zum Weihnachtsmarkt nebenan, am 4711-Haus. Besser passen Arsch und Eimer auch nicht zusammen als Weihnachtsmarkt und 4711-Haus. Meine Hoffnung, dass dieser w\u00fcrdelose Irrsinn meines derzeitigen Daseins auf Erden durch den Sprengstoffg\u00fcrtel eines Islamisten, die ja wohl alle Weihnachtsm\u00e4rkte auf Erden im Visier haben, beendet w\u00fcrde, war eine tr\u00fcgerische: Das Wurstbr\u00e4t, vielfach mit Weihnachtskappen zur Kenntlichkeit verunstaltet, stapelte sich schon am Eingang in Mehrfachlagen. Es war wie vor Stalingrad, kein  Durchkommen. Bei\u00dfender Gl\u00fchweingeruch stach mir in die Nase, vermutlich mit Riesengebl\u00e4sen aus dem Keller des 4711-Hauses in die Welt gepumpt.<\/p>\n\n\n\n<p>In allem Widerw\u00e4rtigen aber liegt der Keim der Hoffnung: Schlimmer kann es doch gar nicht werden. Von wegen &#8211; Asche zu Asche, Hoffnung zu Hoffnung. Vor mir, neben der Wurstbr\u00e4t-Schlange zum Dom, ein Pflastermaler.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/PFLASTERMALER.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/PFLASTERMALER-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14518\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/PFLASTERMALER-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/PFLASTERMALER-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/PFLASTERMALER-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/PFLASTERMALER-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/PFLASTERMALER-2048x1536.jpg 2048w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/PFLASTERMALER-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>&nbsp;Neben zwei, drei S\u00e4tzen in Kreide zum Frieden auf Erden f\u00fcr alle, zeichnete er in niedlichen Herzchen die Farben der Flaggen von zahlreichen Staatengebilden. Zwei fehlten: Russland und Israel. Mag das Fehlen Russlands noch einem k\u00fchlen \u00f6konomischen Kalk\u00fcl geschuldet sein, war das Fehlen von Israel dem Antisemitismus des Schmierfinken geschuldet. Statt Israel prangte da in entsprechenden Farben: Free Palestine. Meint im Regelfall \u201eVon Jerusalem bis zum Meer\u201c und ist eine knallharte antisemitische Codierung zur Ausl\u00f6schung des Staates Israel und seiner Bev\u00f6lkerung. Ich sprach den Mann mehrfach an, auf Deutsch und Englisch: Was ist mit Israel? Erntete aber nur: Nix versteh.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo ist die Ausl\u00e4nderpolizei, wenn man sie mal braucht. Mittlerweile war ich, wie Sie an diesem Zynismus sehen, in einem Zustand jenseits von Eden. Ich tr\u00f6stete mich mit der Anerkennung dieser Pflastermalerei als perfektem Messinstrument f\u00fcr Effizienz, Ertrag und Stimmungslage. Wenn Sie genau hinsehen, erkennen Sie die Anzahl der M\u00fcnzen auf den jeweiligen Landesfarben: Deutschland voran, gefolgt von Belgien und Holland, nahe bei K\u00f6ln, Ukraine, Albanien (?) und Free Palestine. Diese Art der Malerei, Malen nach Fahnen, war mir neu. Ich find\u2019s pfiffig. Bis auf den Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde aber doch noch fast alles gut. Ein n\u00e4chtlicher Spaziergang durch den K\u00f6lner Szenekiez Nippes enth\u00fcllte dessen durchaus vorhandenen Charme. Das ist aber eine andere Geschichte und bis dahin: Friede auf Erden. Zumindest den H\u00fctten.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Pal\u00e4sten aber jenen Krieg, den sie tagt\u00e4glich aufs Neue s\u00e4en.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tipp: Die Antwort ist im Hinweis \u201eK\u00f6ln\u201c auf der Leuchttafel zu sehen. In keiner mir bekannten Stadt ist das Ankommen am Bahnhof so imposant wie in K\u00f6ln: Vorne der Dom, hinten der Rhein. 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