{"id":14698,"date":"2024-01-29T16:58:14","date_gmt":"2024-01-29T10:58:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14698"},"modified":"2024-01-29T17:36:19","modified_gmt":"2024-01-29T11:36:19","slug":"29-01-2024-wehret-den-anfaengern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14698","title":{"rendered":"29.01.2024 \u2013 Wehret den Anf\u00e4ngern"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240127_153545.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"929\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240127_153545-929x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14699\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240127_153545-929x1024.jpg 929w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240127_153545-272x300.jpg 272w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240127_153545-768x846.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240127_153545-624x688.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20240127_153545.jpg 1380w\" sizes=\"(max-width: 929px) 100vw, 929px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Gestern im Garten. Rosenknospe. Zarte Hoffnung? Auf den Fr\u00fchling vielleicht, gesellschaftlich eher nicht. Die AfD hat zwar die Landratswahl in Ostelbien gestern nicht gewonnen, aber nat\u00fcrlich hat ihr Kandidat, ein veritabler H\u00f6cke-Nazi, was jeder dr\u00fcben wei\u00df, recht, wenn er sagt: Der wahre Gewinner ist die AfD. Trotz eines breiten, breiter geht es gar nicht, Parteien- und Zivilgesellschaftsb\u00fcndnisses hat die AfD bei der Wahl sowohl prozentual als auch an absoluten Stimmen dazugewonnen. Obwohl der CDU-Kandidat einen Spitzenamt-Bonus hatte als Generalsekret\u00e4r der CDU Th\u00fcringen. Und die AfD konnte die Massen mobilisieren, die Wahlbeteiligung im 2. Wahlgang lag doppelt so hoch wie \u00fcblich.<\/p>\n\n\n\n<p>Obendrein hat die Partei einen <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/nach-eigenen-angaben-afd-verzeichnet-stark-steigende-mitgliederzahlen-11123632.html\">Mitgliederzuwachs <\/a>wie noch nie  . Und zwar seit dem 10.01.24, der publikumswirksamen Ver\u00f6ffentlichung ihrer Deportationsphantasien und den nachfolgenden Millionendemonstrationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Sozialstruktur des Kreises: Er geh\u00f6rt zu den 10 Landkreisen in Deutschland (von 294, plus 103 kreisfreie St\u00e4dte) mit den niedrigsten Geh\u00e4ltern. Etwa 40 Prozent der Besch\u00e4ftigten sind im Mindestlohnsektor.<\/p>\n\n\n\n<p>Die haneb\u00fcchene Naivit\u00e4t, die seit Jahren in der politischen und \u00f6ffentlichen Diskussion den Kammerton angibt, was die AfD und die zunehmende Faschisierung angeht, kann nur die verwundern, die das Analysebesteck am Eingang zur Esoteriklounge abgegeben haben oder sich behaglich in den privaten Hirnwindungen gesellschaftlichen Desinteresses eingerichtet haben.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Eine Ursache f\u00fcr das hilflose Erstaunen, was sich in den derzeitigen Demos widerspiegelt, ist das komplette Fehlen eines linken Diskurses in unserer Gesellschaft. Das hilflose Erstaunen spiegelt sich u. a. wider in den Parolen auf den Demos:&nbsp; als ob \u201eNie wieder ist jetzt\u201c nicht schon seit Gr\u00fcndung der BRD 1949 und versch\u00e4rft nach dem aufkommenden Nationalismus 1990 ff gegolten h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt seit vielen Jahren keinen linken Diskurs im Mainstream, jenseits rotgr\u00fcner Neoliberalit\u00e4ten. Ein Diskurs, in dem es nicht nur um Selbstverst\u00e4ndlichkeiten wie einen h\u00f6heren Mindestlohn geht, sondern um grunds\u00e4tzliche und strukturelle Ver\u00e4nderungen. Beispiel \u00f6ffentliche Infrastruktur von Gesundheit, Energie, Verkehr, Bildung, Boden und Wohnen. Das geh\u00f6rt in \u00f6ffentliche H\u00e4nde, keinesfalls in Privatbesitz. Die Konzerne in diesem Bereich geh\u00f6ren ebenso enteignet wie Gro\u00dfbanken. Das gleiche gilt f\u00fcr die monstr\u00f6sen Milliarden-Verm\u00f6gen, da muss eine Verm\u00f6gensabgabe auf die Substanz her, die diese auf ein akzeptables Niveau reguliert. Dar\u00fcber, was akzeptabel ist, muss diskutiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sind Grundlagen z. B. f\u00fcr die Einf\u00fchrung einer armutsfesten Rente wie in \u00d6sterreich, f\u00fcr existenzsichernde Arbeitsl\u00f6hne und Grundsicherungen. Sowas w\u00fcrde einen Haupt-Treiber f\u00fcr Faschismustendenzen minimieren, n\u00e4mlich Angst vor dem Absturz.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;All das ist noch lange kein Sozialismus, kann man aber mal dr\u00fcber diskutieren. Eine Diskussion, die auch gef\u00fchrt werden m\u00fcsste von Intellektuellen, Kulturschaffenden, in Feuilletons, in Verb\u00e4nden und Gewerkschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>Stattdessen werden alberne, nebens\u00e4chliche Selbstverst\u00e4ndlichkeiten wie das Gendern von maximal Andersbegabten als linksgr\u00fcnversiffte Kulturrevolution denunziert. Seit Jahrzehnten, um zu einer wesentlicheren Diskursverschiebung zu kommen, wird der Antifaschismus hierzulande diffamiert. Im Flaggschiff der hiesigen liberalreaktion\u00e4ren Eliten, der FAZ, wird der Antifaschismus kontinuierlich als das gr\u00f6\u00dfere \u00dcbel im Vergleich zum Faschismus verkauft, wirksam bis in Verb\u00e4nde und Gewerkschaftskreise hinein. Was ich da schon an B\u00fcndnisdiskussionen erlebt habe, spottet jeder Kuhhaut und geht auf keine Beschreibung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin gern nach wie vor auf Demos gegen Rechts dabei, lasse mich gerne eines Besseren belehren bei den Wahlen dieses Jahr, was den Zuwachs f\u00fcr die AfD angeht, und die Entstehung von vielen nachhaltigen lokalen B\u00fcndnissen gegen Faschismus. Aber Sie, liebe Leserinnen, werden verstehen, warum ich bei einer gewissen Skepsis bleibe.<\/p>\n\n\n\n<p>Wehret den Anf\u00e4ngen? Sicher das. Aber auch: Wehret den Anf\u00e4ngern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern im Garten. Rosenknospe. Zarte Hoffnung? Auf den Fr\u00fchling vielleicht, gesellschaftlich eher nicht. 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