{"id":14792,"date":"2024-02-24T14:01:19","date_gmt":"2024-02-24T08:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14792"},"modified":"2024-02-24T14:08:28","modified_gmt":"2024-02-24T08:08:28","slug":"24-02-2024-ueber-metropolen-und-die-paradoxie-des-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14792","title":{"rendered":"24.02.2024 \u2013 \u00dcber Metropolen und die Paradoxie des Kapitalismus"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/karneval-der-kulturen.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/karneval-der-kulturen-1024x637.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14793\" width=\"653\" height=\"406\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/karneval-der-kulturen-1024x637.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/karneval-der-kulturen-300x187.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/karneval-der-kulturen-768x478.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/karneval-der-kulturen-1536x955.jpg 1536w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/karneval-der-kulturen-624x388.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/karneval-der-kulturen.jpg 1671w\" sizes=\"(max-width: 653px) 100vw, 653px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Karneval der Kulturen in Berlin<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wer von der mit 52 Metern h\u00f6chsten innerst\u00e4dtischen Erhebung Berlins, dem Kreuzberg, auf die Stadt schaut, der tut sich ein flacher Pfannkuchen \u00f6der Langeweile bis zum Horizont auf. Unterbrochen nur vom architektonisch gelungenen Hochhausensemble Potsdamer Platz. Der allerdings st\u00e4dtebaulich eine Katastrophe ist. Ein zombiesker Unort, den Eingeborene meiden. \u00dcbertroffen in seiner Trostlosigkeit nur vom nebenan befindlichen Kulturforum. Eigentlich ein Zentrum der Kultur in Deutschland, mit Neuer Nationalgalerie,&nbsp;&nbsp; Kupferstichkabinett, Gem\u00e4ldegalerie, dem gigantischen im Bau befindlichen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Berlin_modern\">berlin modern<\/a> , teuerster Museumsneubau der BRD, der Philharmonie, dem Kammermusiksaal, der Staatsbibliothek, dem Ibero-Amerikanischen Institut etc. pp. . Realiter ist der Ort toter als der Zentralfriedhof, ein einziges st\u00e4dtebauliches Desaster, an dem sich niemand l\u00e4nger als n\u00f6tig aufh\u00e4lt. Keine Bar, keine Restauration, kein Gr\u00fcn, nur eine erweiterte Blech-Pommesbude mit Bierbetrieb. Beide Orte mit zehntausenden Quadratmetern wurden von der Berliner Betonmafia CDU\/SPD der Profitgier und dem Gr\u00f6\u00dfenwahn nach der Wiedervereinigung zum Fra\u00df vorgeworfen und unverdaut wieder ausgeschissen. <\/p>\n\n\n\n<p>Berlin ist anders als London keine Metropole der Architektur, die Hochkultur schwebt als metropolitane Blase \u00fcber der Stadt.  Berlin ist keine Finanzmetropole wie Frankfurt und schon gar kein Wirtschaftszentrum wie M\u00fcnchen. Die paar DAX-Konzerne, die hier ihren Sitz hatten, sind alle im Orkus verschwunden, wie die Gangster von Deutsche Wohnen oder Geldverbrenner wie Delivery Hero oder Hello fresh.<\/p>\n\n\n\n<p>Berlin hat seinen berechtigten Ruf als einzige Weltstadt Deutschlands, als Metropole eben, dem sub- und alltagskulturellen Geschehen zu verdanken. Alles, was an \u00f6ffentlicher Inszenierung jenseits des Mainstreams hier stattfand, an Tekknokellern, Clubs, Bars, Galerien, Ateliers, an schr\u00e4gen V\u00f6geln, Restaurants, an verschonten Lost Places und fluiden <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liminalit%C3%A4t\">liminalen <\/a>R\u00e4umen, hat den Ruf Berlins ausgemacht. Und macht ihn immer noch aus, obwohl der W\u00fcrgegriff des Kapitals, der Gentrifizierung und der Berliner Spie\u00dfer alles tut, um die Reste der alternativen Szene, der Subkultur und der anarchischen R\u00e4ume zumindest im innerst\u00e4dtischen Bereich zu erdrosseln. Und damit dem Gesch\u00e4ftsmodell Berlins den Garaus macht. Paradoxie des Kapitalismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also die Kultur, die Sph\u00e4re von Bewusstsein und Identit\u00e4t, und nicht die \u00d6konomie, die Sph\u00e4re von Sein und Interesse, die die Aura von Berlin ausmacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist deshalb von allgemeinem und \u00fcberragendem Interesse, weil es zumindest den Zustand allgemeinen Handelns und Kommunikation in derzeitiger demokratischer \u00d6ffentlichkeit widerspiegelt. Der Prolet und der Mob w\u00e4hlen AfD, obwohl sie massiv gegen deren materielles Interesse verst\u00f6\u00dft. Die Ersten in den sozialen Brennpunkten, die ins Arbeitslager kommen bei Macht\u00fcbernahme der AfD, sind jene Arbeitslosen, die sie jetzt w\u00e4hlen. Und die Ersten, die zu kostenloser Zwangsarbeit verpflichtet werden zwecks Landschaftspflege o. \u00e4., sind jene derzeit gutbezahlten Industriefacharbeiter, die jetzt AfD w\u00e4hlen, aber sp\u00e4ter Verlierer des Technologiewandels werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie alle w\u00e4hlen AfD aus Gr\u00fcnden einer vermeintlich kulturellen (und v\u00f6lkischen) Identit\u00e4t, wegen Zuwanderung, innerer Sicherheit, zu viel Wokeness, zu viel Gendersprache, zu viel Minderheit-Rechten, zu viel Frauenkrams, zu viel \u201eEliten\u201c \u2026. Von allem zu viel. Zu viel Demokratie &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist von betr\u00e4chtlicher Bedeutung f\u00fcr Strategien zum Erhalt von Demokratie. Die setzen immer noch am Diskurs der Aufkl\u00e4rung an, am Argument, welches am Interesse des Gegen\u00fcbers ansetzt. Wenn das aber nicht greift \u2013 was dann \u2026?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer von der mit 52 Metern h\u00f6chsten innerst\u00e4dtischen Erhebung Berlins, dem Kreuzberg, auf die Stadt schaut, der tut sich ein flacher Pfannkuchen \u00f6der Langeweile bis zum Horizont auf. Unterbrochen nur vom architektonisch gelungenen Hochhausensemble Potsdamer Platz. Der allerdings st\u00e4dtebaulich eine Katastrophe ist. 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