{"id":15161,"date":"2024-06-23T14:05:04","date_gmt":"2024-06-23T08:05:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=15161"},"modified":"2024-06-24T03:58:45","modified_gmt":"2024-06-23T21:58:45","slug":"23-06-2024-profitopolis-oder-der-zustand-der-stadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=15161","title":{"rendered":"23.06.2024 \u2013 Profitopolis oder der Zustand der Stadt"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kotti-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kotti-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15162\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kotti-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kotti-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kotti-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kotti-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kotti-2048x1536.jpg 2048w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/kotti-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Modell der Gro\u00dfwohnsiedlung Kottbusser Tor, Kreuzberg. <a href=\"https:\/\/museumderdinge.de\/ausstellungen\/profitopolis\/\">Ausstellung <\/a>im Museum der Dinge, Werkbund Archiv, in Berlin: Profitopolis oder der Zustand der Stadt . Hinter den Fenstern laufen kleine Videoanimationen &#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p>Hervorgehoben werden zwei im Kontext des Werkbunds entstandene \u201eProfitopolis\u201c-Ausstellungen aus den 1970er Jahren. Sie veranschaulichen, dass das Gestalten von Stadt politisch ist. Sie rufen zur B\u00fcrgerinitiative auf und kritisieren Bodenspekulation ebenso wie die autogerechte Stadt und den r\u00fccksichtslosen Umgang mit historischer Bausubstanz und Stadtnatur.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie relevant diese Kritik noch heute ist, offenbart der Blick auf den Stadtraum zwischen altem und neuem Museumsstandort: Die Ausstellung unternimmt einen kritischen Streifzug zwischen Kottbusser Tor und Spittelmarkt und verortet Diskurse, Initiativen und k\u00fcnstlerische Positionen zur gegenw\u00e4rtigen Stadt. Aus dem alten Standort in der Oranienstr., dem Zentrum von SO 36, wurde das Museum der Dinge von einem Investor gek\u00fcndigt<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Zustand und Zukunft einer Gesellschaft lebenswichtig: Die Wohnfrage.&nbsp; Das verbindet diese sehenswerte Ausstellung mit der im Kunstraum Bethanien \u201eAus der Krankheit eine Waffe machen\u201c (siehe letzter Blog): Beide thematisieren mit \u00e4sthetischen Mitteln politische Fragen menschenw\u00fcrdiger Existenz. Beide sind parteiisch, sie stehen auf der Seite der Betroffenen, beide greifen auf Erfahrungen und \u00c4sthetiken der 70er zur\u00fcck, beide finden nicht zuf\u00e4llig in Kreuzberg statt und beide rufen \u00fcber die rein \u00e4sthetisch-abbildende, museale Funktion ihrer Ausstellungen hinaus zum Handeln, Eingreifen, Gegenwehr auf. Sowas kann bei entsprechenden politischen und gesellschaftlichen Konstellationen auf Grund der Abh\u00e4ngigkeit von F\u00f6rdermitteln auch schon mal ans Eingemachte gehen. \u00dcber das Bethanien fegte angesichts der Ausstellung \u201eWerbepause \u2013 the art of subvertising\u201c 2022 ein politischer und medialer Shitstorm, weil in bestimmten Ausstellungsobjekten zu illegalen Handlungen aufgerufen wurde (Politisches Umkleben von Werbung im \u00f6ffentlichen Raum).<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Museen und ihre Projekte also hochpolitisch, \u00e4sthetisch auf der H\u00f6he der Zeit und unbequem. Zusammen mit vielen anderen Kulturorten in Berlin also eine vollkommen andere Situation als in einer Provinz wie Hannover, die sich durch eine entpolitisierte, verschnarchte, \u00e4sthetisch verstaubte und abgeh\u00e4ngte Kulturszene auszeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu passt folgende aktuelle <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/kultur\/kulturnachrichten\/kulturrat-sieht-mitschuld-an-rechtsruck-100.html\">Meldung<\/a>: \u201e<strong>Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sieht bei der Kulturszene eine Mitschuld am Wahlerfolg der rechten Parteien. <\/strong>Das schreibt er im Vorwort zur neuen Ausgabe der Zeitung &#8222;Politik &amp; Kultur&#8220;, die der Kulturrat in regelm\u00e4\u00dfigem Abstand herausgibt. Zum einen w\u00fcrden viele Kulturorte nicht die Breite der Bev\u00f6lkerung erreichen. Zum anderen sei der Kulturbereich zu sehr mit sich und seinen eigenen Befindlichkeiten besch\u00e4ftigt. Olaf Zimmermann fordert einen st\u00e4rkeren Fokus auf politische Themen. Anstatt sich mit der Frage zu befassen, wie man sich aktuell f\u00fchle, sollte es darum gehen, was gerade warum in unserer Gesellschaft passiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem kann ich aus eigener Erfahrung und Beobachtung zu 115 Prozent zustimmen. Die Kulturszene sieht ungef\u00e4hr so aus: Selbstmitleidiges Jammern, Symbol\u00e4sthetik, st\u00e4ndiges Kreisen um Identit\u00e4tsdiskurse wie Diversit\u00e4t, Gender, Dekolonisierung, K\u00f6rper etc., in Begleittexten ein vollkommen abgehobenes Blabla und Geschwafel, eine reine Eitelkeitsspielwiese f\u00fcr eine Vernissagen-Schickeria, die qua Amt und Einfluss daf\u00fcr sorgt, dass derartige Alltagsversch\u00f6nerungsfassadenkunst mit gigantischen F\u00f6rdermitteln gepampert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend drau\u00dfen, im realen Leben, der Faschismus auf dem Vormarsch ist und die Gesellschaft au\u00dferhalb privilegierter Provinzen wie Hannover und Kulturbolschewisten-Biotopen wie Berlin-Mitte oder Prenzlau allm\u00e4hlich zerbricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sich die Kulturbolschewisten da mal nicht t\u00e4uschen und das Dienstleistungsprekariat, das jetzt noch ihnen den Arsch abwischt und auf Vernissagen die Messer vorlegt, nicht jene mal zu einem anderen Zwecke nutzt als dem Zerteilen von Fingerfood. Zum Beispiel, weil besagtes Prekariat sich keine Krankenversicherung oder selbst die Miete in sozialen Brennpunkten nicht mehr leisten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Kultur nicht zum Prekariat geht, zu deren Orten, mit deren Themen, Partei ergreift, sich engagiert, Widerstand auch auf der Stra\u00dfe mitorganisiert, dann kommt das Prekariat eines Tages zur Kultur. Und wenn die Gl\u00fcck hat, geht es im ersten Ansatz nur darum geht, dass die AfD dort, wo sie die Macht und kulturelle Hegemonie erringt, die F\u00f6rdermittel streicht und f\u00fcr den Verlust von Jobs und Einkommen sorgt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das, was danach kommt, empfehle ich die Anstrengung des wichtigsten Kulturrohstoffes: Phantasie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Modell der Gro\u00dfwohnsiedlung Kottbusser Tor, Kreuzberg. Ausstellung im Museum der Dinge, Werkbund Archiv, in Berlin: Profitopolis oder der Zustand der Stadt . Hinter den Fenstern laufen kleine Videoanimationen &#8230;. 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