{"id":15389,"date":"2024-09-04T12:40:13","date_gmt":"2024-09-04T06:40:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=15389"},"modified":"2024-09-04T19:55:48","modified_gmt":"2024-09-04T13:55:48","slug":"04-09-2024-gescheiterte-einheit-einheitliches-scheitern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=15389","title":{"rendered":"04.09.2024 \u2013 Gescheiterte Einheit. Einheitliches Scheitern?"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/20240903_171836-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"681\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/20240903_171836-1024x681.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15390\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/20240903_171836-1024x681.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/20240903_171836-300x199.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/20240903_171836-768x510.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/20240903_171836-1536x1021.jpg 1536w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/20240903_171836-2048x1361.jpg 2048w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/20240903_171836-624x415.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Neulich in der Berliner S 2, nach Yorckstr.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Grundgesetz f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland wurde in der urspr\u00fcnglichen Fassung von 1949 der Begriff \u201eEinheitlichkeit der Lebensverh\u00e4ltnisse\u201c verwendet. Seit der Verfassungsreform von 1994 wird im Zusammenhang mit der deutschen Einheit von der \u201eGleichwertigkeit der Lebensverh\u00e4ltnisse\u201c gesprochen. Sie herzustellen ist Ziel staatlichen Handelns.<\/p>\n\n\n\n<p>Die deutsche Einheit ist gescheitert. Was ich in meinem Blog seit bald Jahrzehnten mit dem halbsatirischen Begriff der \u201eAnnexion der Ostzone\u201c frame, n\u00e4mlich das Scheitern der Einheit a priori und per Ideologie, hat sp\u00e4testens nach der Wahl am Wochenende auch der d\u00fcmmste Schrat im Feuilleton begriffen und pfeift es von allen Verlagsd\u00e4chern. Der BRD geht es wie Italien, wo seit Staatsgr\u00fcndung im 19. Jahrhundert von einheitlichen Lebensverh\u00e4ltnissen, einer Einheit der Nation h\u00f6chstens im Fu\u00dfball und in Ans\u00e4tzen in der Sprache die Rede sein kann. Die im Norden wollen die \u201eAfrikaner\u201c im S\u00fcden, ab Neapel, lieber Heute als Morgen loswerden, siehe Lega Norte. Sie bezeichnen sie als Erdfresser, Terrone, die nur Geld kosten und alle kriminell sind. Bewohner*innen kalabrischer Bergd\u00f6rfer trennen Welten von den eleganten urbanen Metropoleninsassen in Mailand oder Turin. Der Norden Italiens ist einen der reichsten Regionen der EU, w\u00e4hrend der Markt in Palermo v\u00f6llig zu Recht afrikanisch genannt wird. Die Ostzone ist der Mezzogiorno Deutschlands. Mit dem Unterschied, dass man auf Sizilien selbst im Winter noch im Meer schwimmen kann und in besagten kalabrischen Bergd\u00f6rfern da auf der Piazza im J\u00e4nner abends drau\u00dfen im Hemd einen Roten verklappen kann. Wenn da \u00fcberhaupt noch jemand wohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichwertige Lebensverh\u00e4ltnisse gibt es innerhalb einer Nation unter kapitalistischen Vorzeichen nicht, kann es nicht geben. Wer deren Herstellung als Plan oder Ziel vorgibt, l\u00fcgt oder ist dumm. Daseinszweck und Grundbedingung des Kapitalismus ist der Reichtum der Wenigen und die Ausbeutung und Verelendung der Vielen. Das hat Jahrzehntelang global im Rahmen von Arbeitsteilung funktioniert, die wenigen im Norden, also \u201ewir\u201c schwelgten im Reichtum, die Vielen im globalen S\u00fcden durften Erde fressen. Da wir jetzt die Proleten im eigenen Land zwecks Herrschaftsstabilisierung nicht mehr brauchen, widerf\u00e4hrt ihnen mehr und mehr das Schicksal der Vielen aus dem S\u00fcden. Wer\u2019s nicht glaubt, kann sich gerne mal eine halbe Stunde neben einen Abfalleimer im Berliner Hauptbahnhof oder in Mitte stellen und den steten Strom der M\u00fclldurchsuchenden begutachten, in der Mehrzahl normal gekleidet, wie aus der Mitte der Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Insassen der Ostzone sp\u00fcren diesen Prozess hierzulande fl\u00e4chendeckend als Erste am eigenen Leibe, was umso fieser ist, als ihnen jahrzehntelang das Gegenteil mit pseudobl\u00fchenden &nbsp;Landschaften vorgelogen wurde. Entt\u00e4uschte Hoffnung macht Wut. Also w\u00e4hlen sie Faschismus. Wer die Spaltung der Gesellschaft nicht bek\u00e4mpft, verliert den Kampf um die Demokratie.<\/p>\n\n\n\n<p>Von 1949 bis 89 verlie\u00dfen ca. 2,5 Mio. Menschen die Ostzone, jung, gut ausgebildet, kritisch, kreativ. Der Staat wehrte sich gegen diesen Existenzbedrohenden Aderlass mit dem Bau einer Mauer. Irgendwie fies, aber aus systemtheoretischen Strukturgr\u00fcnden logisch. Hat aber nix genutzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Von 1990 bis Heute verlie\u00dfen das Gebiet der ehemaligen Ostzone ca. 2,5 Mio. Menschen, jung, gut ausgebildet, kritisch, kreativ.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes System scheitert irgendwann an sich selbst, je nach System unterschiedlich, aber mitunter im Scheitern geeint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neulich in der Berliner S 2, nach Yorckstr. Im Grundgesetz f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland wurde in der urspr\u00fcnglichen Fassung von 1949 der Begriff \u201eEinheitlichkeit der Lebensverh\u00e4ltnisse\u201c verwendet. Seit der Verfassungsreform von 1994 wird im Zusammenhang mit der deutschen Einheit von der \u201eGleichwertigkeit der Lebensverh\u00e4ltnisse\u201c gesprochen. Sie herzustellen ist Ziel staatlichen Handelns. 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