{"id":15398,"date":"2024-09-06T14:30:42","date_gmt":"2024-09-06T08:30:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=15398"},"modified":"2024-09-06T14:35:24","modified_gmt":"2024-09-06T08:35:24","slug":"06-09-2024-der-schrebergarten-ist-eine-brandfackel-an-der-zivilisation","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=15398","title":{"rendered":"06.09.2024 \u2013 Der Schrebergarten ist eine Brandfackel an der Zivilisation."},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/sonnenblumen.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/sonnenblumen-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15399\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/sonnenblumen-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/sonnenblumen-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/sonnenblumen-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/sonnenblumen-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/sonnenblumen-624x832.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/sonnenblumen.jpg 1734w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Keine reinrassige Goldener Neger-Gemeinschaft. Versp\u00e4tet und zu mickrig erbl\u00fcht auch dieses Jahr wieder \u00fcber meiner Veranda ein Baldachin mit Sonnenblumen der Sorte Goldener Neger, die jetzt anders hei\u00dft, die ich aber aus Anh\u00e4nglichkeit weiter so nenne. Allerdings musste ich feststellen, dass sich unter die goldenen heuer auch andersfarbige, dunkle, rotbraune gemischt haben. Hatte ich das als politisches Statement so angez\u00fcchtet? Wollte ich auf die immer brauner werdende Fascho-Gesellschaft hinweisen? Darauf gar, dass die Linke, Rotton, durch ihren Antisemitismus sich auf den gleichen St\u00e4ngel begeben hat wie die Faschos? Eine Art florale Totalitarismustheorie als Kunststatement? Zuzutrauen w\u00e4ren mir eine derArt grandiose Flower-Power-Kunstaktion allemal. Fr\u00fcher h\u00e4tte ich gesagt: Der Meister mal wieder Documenta verd\u00e4chtig. Heute w\u00e4re das eine Drohung. Nachdem sich die letzte Documenta antisemitisch desavouiert hat bis ans Ende aller Events, setze ich auf diesen Kassler Schweineboden keinen Fu\u00df mehr. Zumindest solange nicht, bis die ein \u00fcberzeugend antifaschistisches Konzept vorlegen, in dem nicht einmal der Begriff \u201eDekolonisierung\u201c vorkommt. Bin gespannt, was f\u00fcr eine Theorie \u2013 und Begriffssau der kulturbolschewistische Narrenbetrieb bis dahin durch das Feuilleton jagt. Mit Gender lockt man niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Mit Dekolonisierung, was fast immer mit Antisemitismus konnotiert ist, kriegt man in Deutschland zurzeit keinen Fu\u00df in die F\u00f6rdermittel-T\u00fcr. Was ich versch\u00e4rft begr\u00fc\u00dfe. Mein Vorschlag: Versucht es doch mal mit Armut\/Reichtum.<\/p>\n\n\n\n<p>War n Witz. Lass blo\u00df die Finger davon, Documenta. Da kommen doch nur antisemitische Klischees vom globalen, j\u00fcdischen Eliten-Kapital bei rum.<\/p>\n\n\n\n<p>Apropos Neger: Ich mag eigentlich keine Sonnenblumen, allein weil sie Symbolblume der Gr\u00fcnen sind. Im Ensemble, als Baldachin, finde ich sie ganz charmant. Die Nelke als Symbol der Arbeiter*innenklasse mag ich, kein 1. Mai ohne Rote Nelke. Rosen liebe ich. Unoriginell, mit Rosen ist es wie mit Frieden. Mag jede. Aber Rosen sind der heilige Gral der \u00c4sthetik, der \u00fcberw\u00e4ltigende Duft gelber Candlelight-Rosen, der einen im Vor\u00fcberflanieren f\u00f6rmlich festnagelt, die grandiose, \u00fcppige Purpurf\u00fclle einer Kardinal, diese Bl\u00fctenvielfalt, ein Fest f\u00fcr die Augen. Dipladenien sch\u00e4tze ich \u00fcberaus. Das sind die wei\u00dfen Bl\u00fcten in der Bildmitte oben., Von Mai bis Oktober eine zuverl\u00e4ssige Dauer-Augenweide, wenn sie genug Sonne kriegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der gemeine deutsche Schreberg\u00e4rtner hasst Dipladien. Die kommen aus dem Ausland. Sind nicht einheimisch, sagt der liberale Schreberg\u00e4rtner, und sie seien keine Bienenweide. Sie sind einfach nur sch\u00f6n. Deshalb kommen sie in keinem guten deutschen Schrebergarten vor. <\/p>\n\n\n\n<p>Ma\u00dflos \u00fcbertrieben und unausgewogen von mir formuliert, aber wer es wohltemperiert mag, der soll sich die Pr\u00e4ludien von Bach anh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0Man mag den deutschen Schreberg\u00e4rtner naiv oder niedlich finden in seinem rassereinen und funktionsorientierten Blick auf die Natur. Es ist aber leider schlimmer, n\u00e4mlich romantisch, und von der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Romantik\">Romantik f\u00fchren einige (nicht alle!) Wege zum Faschismus<\/a>  . \u00a0Dieser Schreberg\u00e4rtner-Blick halluziniert eine Sehnsucht nach einer reinen Natur, die es so seit Jahrzehnten nirgends mehr in unseren Breitengraden gibt. Dieser Blick ist meist verbunden mit einer antimodernen Verachtung des S\u00fcndenpfuhls Gro\u00dfstadt, gro\u00dfe Hure Babylon Berlin zum Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schrebergarten ist eine Brandfackel an der Zivilisation. Wenn es nach mir ginge, alle zubetonieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Und hier f\u00fcr alle, die es jetzt gerne innere Harmonie, Frieden, Heiterkeit, Kontemplation haben wollen, das wohltemperierte Klavier von Bach.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"J. S. 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