{"id":15692,"date":"2024-11-27T14:50:09","date_gmt":"2024-11-27T08:50:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=15692"},"modified":"2024-11-27T15:45:05","modified_gmt":"2024-11-27T09:45:05","slug":"27-11-2024-thekengespraeche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=15692","title":{"rendered":"27.11.2024 -Thekengespr\u00e4che"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/theke-wohnen-2000.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/theke-wohnen-2000-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15693\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/theke-wohnen-2000-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/theke-wohnen-2000-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/theke-wohnen-2000-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/theke-wohnen-2000-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/theke-wohnen-2000-624x832.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/theke-wohnen-2000.jpg 1734w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Theke, Gulaschsuppe, Bier und Korn.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin sowohl mit Menschen befreundet, die arm sind als auch mit solchen, die Million\u00e4re sind. So selten sind beide Gruppen in Deutschland nicht. Gut ein F\u00fcnftel der Bev\u00f6lkerung Deutschlands ist von <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2023\/05\/PD23_190_63.html\">Armut <\/a>oder sozialer Ausgrenzung bedroht. \u00dcber 17 Millionen. <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/reiche-vermoegen-studie-100.html\">Million\u00e4re <\/a>gibt es ca. 1,7 Millionen . Jeder 50. ist in Deutschland Million\u00e4r.<br \/>Hinwiederum kenne ich niemanden, der AfD w\u00e4hlt. Ich kenne Konservative, Reaktion\u00e4re, Coronaschwurblerinnen, aber keine AfD-W\u00e4hler. Wir leben alle in Blasen (Phrasenschwein 5 Euro, wobei das dadurch neugeschaffene Wort Blasenphrasen &#8211; oder auch Phrasenblasen &#8211; so sch\u00f6n ist, dass sich der Blasenphrasenausflug nur f\u00fcr dessen Entdeckung gelohnt hat).<br \/>Die Theke einer stinknormalen Kneipe in Deutschland, jenseits von Szenebars, Bistros, alternativen Saufstuben, ist eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr ein, zwei Biere, eine Gulaschsuppe und ein, zwei Korn aus der eigenen Blase herauszukommen f\u00fcr ein paar Momente. Ob jemand arm ist, Million\u00e4r, AfD-W\u00e4hler (ungegendert, an Theken sitzen meistens M\u00e4nner, was diesen Ort per se zu einem der trostlosesten der Welt macht), ist an einer Theke erstmal ungekl\u00e4rt, und auch egal. Das unterscheidet die Theke als sozialer Ort vom Stammtisch in derselben Kneipe. Wenn es denn \u00fcberhaupt noch welche gibt. Was sowohl f\u00fcr die \u201enormale\u201c Kneipe als auch f\u00fcr den Stammtisch gilt, dessen Revier fr\u00fcher oft mit furchterregenden gusseisern-verschn\u00f6rkelten Tisch-Schildern gegen Fremde abgegrenzt wurde, auf denen Drohspr\u00fcche standen wie: \u201eHier sitzen die, die immer hier sind\u201c.<br \/>Der Stammtisch ist, anders als die Theke, gekennzeichnet durch sozial\u00f6konomische Homogenit\u00e4t: M\u00e4nner, wei\u00df, \u00e4lter, \u00e4hnliche Einkommen, Sprache, Habitus, verheiratet, 1,5 Kinder, Golffahrer, politische Einstellungen (SPD-Ortsverein), die je furchterregender zum Ausdruck kommen, desto sp\u00e4ter die Stunde und h\u00f6her der Alkoholpegel ist. Der Stammtisch ist ein gesch\u00fctzter Ort, an dem schnell die Sau rausgelassen wird, das unterscheidet ihn von der Theke, wo auf Grund der gr\u00f6\u00dferen Zuf\u00e4lligkeit der Zusammensetzung eine gewisse Vorsicht obwaltet, zumindest bis zum vierten Bier. (Oft kennen sich die Thekeninsassen auch untereinander, da sind dann die Grenzen zum Stammtisch flie\u00dfend.)<br \/>Politiker*innen, zumal berufsm\u00e4\u00dfige, Abgeordnete, Referentinnen, etc., leben nach meiner Erfahrung in den hermetischsten Blasen, die es gibt, vergleichbar h\u00f6chsten mit Million\u00e4ren in Gated Communities. Den ganzen Tag in Sitzungen, Aussch\u00fcssen, Fachgruppen, Plena, abends in Ortsvereinen, bei Podiumsdiskussionen, Fachtagen etc. es herrscht \u00fcberall die gleiche Sprache, das gleiche Setting, die gleiche Mainstream Sicht auf die Welt etc. pp. Gucken Sie sich mal die Gruppenfotos der jeweiligen Landtagsfraktionen an: Die sehen alle aus wie aus dem gleichen Ei.<br \/>Nat\u00fcrlich gibt es da gewaltige Unterschiede, das sind nicht nur zynische Machtwesen, es gibt wirklich nette, zugewandte, empathische, solidarische darunter, die am Status quo leiden. Ihn aber durch ihre Anwesenheit und Existenz ins Unendliche verl\u00e4ngern. Unter anderem deshalb ist die Alkoholiker-Quote da \u00fcberdurchschnittlich hoch.<br \/>Da wir also immer weniger voneinander wissen, aus eigener Anschauung, N\u00e4he, Erfahrung, ger\u00e4t uns die Welt zu einem Abstraktum, einem fernen Ort. Kaum eine Politikerin kann sich vorstellen, besser: nachf\u00fchlen, welche Existenz\u00e4ngste Arme schon am 20. jeden Monats haben, wenn das Geld f\u00fcr Essen nicht mehr reicht. Diese Angst, die Wut daraus, macht es fast zwangsl\u00e4ufig, dass immer mehr prek\u00e4re Existenzen sich von der Demokratie abwenden und AfD w\u00e4hlen, als radikale Erl\u00f6sungshoffnung aus ihrem Elend. Die AfD erzielt durchg\u00e4ngig ihre h\u00f6chsten Wahlquoten in sozialen Brennpunkten.<br \/>Um diesem demokratiebedrohenden Mangel an sozialer Erfahrung abzuhelfen, m\u00fcsste es verpflichtend f\u00fcr Politiker sein, einmal im Monat an einer Theke zu sitzen. Nicht am Stammtisch, die Aufnahmerituale f\u00fcr sowas sind \u00e4hnlich undurchschaubar wie die f\u00fcr eine Freimaurerloge und am Stammtisch kehrt auch zu viel Unrat nach oben. Die Theke ist da ein validerer Ort f\u00fcr die Lage in Deutschland. Nat\u00fcrlich m\u00fcssten Politiker auch verpflichtet werden, in Obdachlosenunterk\u00fcnften zu \u00fcbernachten, in Fl\u00fcchtlingsheimen zu wohnen und in der Ostzone in einer national befreiten Zone mit einem Antifa-T-Shirt rumzulaufen oder, die Kr\u00f6nungsmesse: Mit einer Kippa durch Neuk\u00f6lln. Aber wir fangen mal mit dem Grundkurs an\u2026.<br \/>Bei meinem letzten Ausflug an die Theke kam das Thema \u201eWohnen\u201c auf. Mein Nachbar, Bratkartoffeln mit S\u00fclze, ohne gro\u00dfen Hass auf \u201edie da oben\u201c (<em>noch<\/em> nicht?), aber durchaus grimmig und griffig: \u201eIch musste im letzten Jahr f\u00fcr Wohnen \u00fcber 2.000 Euro mehr bezahlen, normale Mietererh\u00f6hung, Umlage energetische Sanierung, Stadtwerke.\u201c<br \/>Rechnen Sie da mal noch die nach wie vor hohen Inflationsraten f\u00fcr Nahrungsmittel rein, k\u00f6nnen Sie mal davon ausgehen, dass bei solchen Entwicklungen selbst f\u00fcr einen Angeh\u00f6rigen der Mittelschicht am Ende des Monats Frust aufkommt. Schon gar, wenn er oder sie bei VW arbeitet, Bosch, Thyssen-Krupp etc. Da steht das Gespenst Massenarbeitslosigkeit auf einmal an der Theke. Der Durchschnittsdeutsche gibt f\u00fcr seinen Haupturlaub 1.500 Euro aus. Wenn des Deutschen liebstes Kind, der Malle-Urlaub, durch diese Entwicklungen bedroht wird, dann gute Nacht, Marie. Und deutscher Michel.<br \/>Prost.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Theke, Gulaschsuppe, Bier und Korn. Ich bin sowohl mit Menschen befreundet, die arm sind als auch mit solchen, die Million\u00e4re sind. So selten sind beide Gruppen in Deutschland nicht. Gut ein F\u00fcnftel der Bev\u00f6lkerung Deutschlands ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. \u00dcber 17 Millionen. Million\u00e4re gibt es ca. 1,7 Millionen . 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