{"id":16132,"date":"2025-05-03T13:16:43","date_gmt":"2025-05-03T07:16:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=16132"},"modified":"2025-05-03T13:24:23","modified_gmt":"2025-05-03T07:24:23","slug":"03-05-2025-vorsicht-stufe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=16132","title":{"rendered":"03.05.2025 \u2013 Vorsicht Stufe"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/marx-humboldt-uni.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/marx-humboldt-uni-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16133\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/marx-humboldt-uni-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/marx-humboldt-uni-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/marx-humboldt-uni-1152x1536.jpg 1152w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/marx-humboldt-uni-1536x2048.jpg 1536w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/marx-humboldt-uni-624x832.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/marx-humboldt-uni.jpg 1734w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Humboldt-Universit\u00e4t, Berlin, Unter den Linden. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thesen_%C3%BCber_Feuerbach\">11. These \u00fcber Feuerbach,<\/a> in deren Gesamtfassung Marx den deutschen Idealismus vom Kopf auf die materialistischen F\u00fc\u00dfe stellt  . Es kommt eben auf die Praxis an und nicht auf das Wollen und Denken. Bemerkenswert allerdings in der ehrw\u00fcrdigen Alma Mater (= n\u00e4hrende Mutter) fand ich die Tatsache, dass auf jeder Stufe \u201eVorsicht Stufe\u201c steht. Eine feine und von den damaligen DDR Beh\u00f6rden sicher nicht beabsichtigte Ironie: Das Wesen der Dialektik im Weg zur Erkenntnis liegt in drei Stufen: These, Antithese, Synthese. Man k\u00f6nnte also auch Schilder aufstellen mit der Aufschrift: Vorsicht Erkenntnis.<br \/>Und warum um Engels Willen ist da auf jeder Stufe ein Schild? H\u00e4tte nicht auch jede zweite gereicht? Oder, ganz k\u00fchn, unten nur eines? Liegt in diesem Schilder-Exzess vielleicht das Wesen des Scheiterns des DDR-Sozialismus, in der \u00fcberf\u00fcrsorglichen, alln\u00e4hrenden und den Individuen nichts zutrauenden, noch nicht einmal die Freiheit, Rolle des Staates?<br \/>Asche der Geschichte. Die DDR konnte damals gar nicht anders handeln. Die Mehrheit der DDR-Bev\u00f6lkerung war nach dem Krieg immer noch komplett mit faschistischem Gedankengut und Ideologie verseucht, bis ins Mark antibolschewistisch infiziert. Wer an Details \u00fcber den Nachkriegsalltag und das Denken und F\u00fchlen der Menschen in der sowjetischen Besatzungszone interessiert ist, sollte sich den faszinierenden DLF-Podcast anh\u00f6ren \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.deutschlandradio.de\/victor-klemperers-tagebuecher-als-podcast-100.html\">Viktor Klemperers Tageb\u00fccher <\/a> . In seinen Tageb\u00fcchern beschreibt Victor Klemperer, wie er die gro\u00dfen Umbr\u00fcche erlebt \u2013 von der Weimarer Republik \u00fcber die Nazi-Zeit bis zum ersten Jahrzehnt der DDR. Was seine Aufzeichnungen bis heute so spannend macht: Geschichte wird nicht von ihrem Ende her bewertet, sondern fortlaufend notiert.<br \/>Viktor Klemperer war nach dem ersten Weltkrieg Angeh\u00f6riger des nationalkonservativen, akademischen, j\u00fcdischen B\u00fcrgertums, \u00fcberlebte die Nazi-Diktatur nur knapp, weil seine nichtj\u00fcdische Frau zu ihm hielt und sich nicht scheiden lie\u00df. Als Humanist reinsten Wassers und Intellektueller blieb ihm im Gang der Geschichte nach der Befreiung vom Faschismus durch die Sowjets nur eine ethische Wahl im \u201eNie wieder Krieg, nie wieder Faschismus\u201c: Der Sozialismus. Bei allen Konflikten und negativen Entwicklungen blieb er parteiisch bis zum Lebensende. Wie er im Detail den immer noch vorhandenen allt\u00e4glichen Antisemitismus beschreibt, die \u201eRussen\u201cfeindlichkeit, die Engp\u00e4sse, den verlorenen materiellen Wettlauf mit den Westzonen, all das l\u00e4sst nur den deprimierenden Schluss zu: Um die DDR, den Sozialismus, den Antifaschismus auf deutschem Boden am Leben zu erhalten, war mit dieser in gro\u00dfen Teilen niedertr\u00e4chtigen Bev\u00f6lkerung kein demokratischer Staat zu machen. Was blieb, war der autorit\u00e4r-obrigkeitsstaatliche Versuch der Umerziehung, der Vorschriften auf allen Wegen. Vorsicht Stufe! Auf Tritt und Schritt.<br \/>Es war die Wahl zwischen Scylla und Charybdis. Es musste scheitern.<br \/>Ich aber stand an der Treppe der Humboldt Universit\u00e4t und war vom Mantel der Geschichte gestreift, ergriffen. Wer von der prachtvollen Stra\u00dfe \u201eUnter den Linden\u201c in die Alma Mater eintritt, vorbei an den Denkm\u00e4lern der Humboldts, und nicht anger\u00fchrt ist, dem ist nicht zu helfen. Und mit dem ist genau das nicht mehr zu machen, was schon damals, zu Klemperers Zeiten, nicht machbar war: Demokratischer Staat. Und genau danach sieht\u2019s im Moment ja auch aus. Sonniges Wochenende, liebe Leserinnen, und zum etwas sinnlicheren Abschluss ein kurzes, erotisches Gedicht, das bei einem Besuch meines Lieblingskonditors entstand:<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich Deine Rosinenschnecke<br \/>lecke &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Humboldt-Universit\u00e4t, Berlin, Unter den Linden. Die 11. These \u00fcber Feuerbach, in deren Gesamtfassung Marx den deutschen Idealismus vom Kopf auf die materialistischen F\u00fc\u00dfe stellt . Es kommt eben auf die Praxis an und nicht auf das Wollen und Denken. 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