{"id":7152,"date":"2016-08-14T12:51:07","date_gmt":"2016-08-14T06:51:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=7152"},"modified":"2016-08-14T12:59:54","modified_gmt":"2016-08-14T06:59:54","slug":"14-08-2016-es-ist-uebrigens-schwer-auf-die-nationalhymne-zu-tanzen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=7152","title":{"rendered":"14.08.2016 &#8211; Es ist \u00fcbrigens schwer, auf die Nationalhymne zu tanzen."},"content":{"rendered":"<p>Zitat des Diskusolympiasiegers Harting, der bei der Nationalhymne nicht wie alle anderen in Ehrfurcht (ersatzweise: Erfurt) erstarrte auf dem Siegerpodest, sondern \u2013 zugegeben etwas merkw\u00fcrdig \u2013 rumhampelte. Aber man kann eben nicht gut Nationalhymnen tanzen, was das beste Argument, und es gibt deren eine Menge, gegen Nationalhymnen ist. Kommen wir zur zentralen Frage des heutigen Ausn\u00fcchterungsmorgen: Wie verh\u00e4lt sich die Kunst zum Leben? Realismusdebatten in der Kunst gibt es viele, wie soll die Kunst die Wirklichkeit abbilden, wie gestalten, aufbohren, gar in die Wirklichkeit eingreifen oder im elfenbeinern Turm sitzend an der reinen Autonomie des Kunstwerks feilen?<br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/kann-ich-nicht-mehr-tragen-1024x765.jpg\" alt=\"kann ich nicht mehr tragen\" width=\"625\" height=\"467\" class=\"alignleft size-large wp-image-7153\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/kann-ich-nicht-mehr-tragen-1024x765.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/kann-ich-nicht-mehr-tragen-300x224.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/kann-ich-nicht-mehr-tragen-768x574.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/kann-ich-nicht-mehr-tragen-624x466.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/kann-ich-nicht-mehr-tragen.jpg 1063w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><br \/>\n<em>Ganz klar: Eingreifen, auch mittels Kleidung.<\/em> Gesehen in der Berlinischen Galerie bei <a href=\"http:\/\/www.berlinischegalerie.de\/ausstellungen-berlin\/aktuell\/dada-afrika\/\">Dada Afrika<\/a>. Schade, f\u00fcr solche Klamotten bin ich zu alt. Aber toll.<br \/>\nBeim Anblick der Ausstellung am Berliner Hauptbahnhof, siehe Blog von gestern, fiel mir blitzartig eine Performance ein, die ich mit anderen w\u00e4hrend des Germanistik-Studiums in einem Hauptseminar gemacht habe. Es ging um eine <a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/gruesst-euch-genossen.932.de.html?dram:article_id=130233\">Realismusdebatte zwischen den kommunistischen Schriftstellern Georg Lukacs und Ernst Ottwalt in der Drei\u00dfigern<\/a>. Sollte man das b\u00fcrgerliche Erbe als Ideal betrachten (Lukacs), also die gro\u00dfen Romane des 19. Jahrhunderts z. B., oder eher eigene avantgardistische Positionen entwickeln (Ottwalt und nat\u00fcrlich Brecht)? Wir waren eine Gruppe Avantgardisten, aus dem Umfeld des SCHUPPEN 68, denen der Unibetrieb zu verkrustet, verkopft war. Wir vermittelten die Ergebnisse dieser Theoriediskussion vor dem Seminar in Form einer Talkshow mit Lukacs und Ottwalt, auf deren H\u00f6hepunkt Ottwalt, dessen Position wir nat\u00fcrlich teilten, zu Lukacs sinngem\u00e4\u00df sagte: \u201eUnd da kannst Du Dich auf den Kopf stellen, Genosse Lukacs, Deine Realismus-Position wird vor der Geschichte keinen Bestand haben.\u201c Da ich unter all den Drogenbolden mit Abstand der sportlichtste war, fiel mir der Part des Lukacs zu, weil ich dann n\u00e4mlich aufstehen und einen Kopfstand machen sollte. Ich war ziemlich unkonzentriert w\u00e4hrend der Talkshow, die Positionen dieses Schwachkopfs Lukacs waren mir eh zuwider und ich dachte eigentlich nur eins: Hoffentlich blamiere ich mich vor all den geilen Weibern hier nicht mit meinem Kopfstand. Lief dann ganz gut, jedenfalls das mit dem Kopfstand. Wir waren die Lieblinge der Professoren, die verzweifelt nach neuen Formen der Theorievermittlung suchten. Was draus gemacht hat aber keiner von uns.<br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/so-36-admiralsbr\u00fccke-1024x799.jpg\" alt=\"so 36 admiralsbr\u00fccke\" width=\"625\" height=\"488\" class=\"alignleft size-large wp-image-7157\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/so-36-admiralsbr\u00fccke-1024x799.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/so-36-admiralsbr\u00fccke-300x234.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/so-36-admiralsbr\u00fccke-768x599.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/so-36-admiralsbr\u00fccke-624x487.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/so-36-admiralsbr\u00fccke.jpg 1063w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Berlin_SO_36\">SO 36<\/a> \u2013 Wirklichkeit gestalten oder widerspiegeln?<br \/>\nDie Realismusdiskussion von damals hab ich noch komplett parat. Lag an der Form der Vermittlung und wurde durch die Ausstellung am Hauptbahnhof wieder abgerufen. Reisen bildet.<br \/>\nWhat\u2019s left? Lukacs lieferte die theoretische Grundlage f\u00fcr den sp\u00e4teren sozialistischen Realismus, eine der Tods\u00fcnden des Sozialismus \u00fcberhaupt. Wer davon abwich, wurde verfemt, verfolgt. Ernst Ottwalt z. B. starb in Stalins Lagern. Nur daf\u00fcr sollte Lukacs in der H\u00f6lle schmoren. Ich muss \u00f6fter Seminare, Workshops, Vortr\u00e4ge und so Zeug veranstalten. Seit der Zeit von damals sind das meist Performances, bei denen die Leute auch bei ernsten Themen mal lachen k\u00f6nnen. Diesen Powerpoint-Pr\u00e4sentations-Overkill kriegen sie woanders. Neulich war ich bei einer mit 36 Folien. Ich kann mich an keine Silbe mehr erinnern.<br \/>\nJetzt bin ich wieder n\u00fcchtern. Guten Start in die Woche, liebe Leserinnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zitat des Diskusolympiasiegers Harting, der bei der Nationalhymne nicht wie alle anderen in Ehrfurcht (ersatzweise: Erfurt) erstarrte auf dem Siegerpodest, sondern \u2013 zugegeben etwas merkw\u00fcrdig \u2013 rumhampelte. Aber man kann eben nicht gut Nationalhymnen tanzen, was das beste Argument, und es gibt deren eine Menge, gegen Nationalhymnen ist. 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