{"id":7701,"date":"2017-03-12T13:08:04","date_gmt":"2017-03-12T07:08:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=7701"},"modified":"2017-03-12T13:13:03","modified_gmt":"2017-03-12T07:13:03","slug":"12-03-2017-polaroid-und-die-arbeitslosen-von-marienthal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=7701","title":{"rendered":"12.03.2017 \u2013  Polaroid und die Arbeitslosen von Marienthal"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Ohne-Titel-1-Kopie.jpg\" alt=\"Ohne Titel-1 Kopie\" width=\"873\" height=\"945\" class=\"alignleft size-full wp-image-7702\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Ohne-Titel-1-Kopie.jpg 873w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Ohne-Titel-1-Kopie-277x300.jpg 277w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Ohne-Titel-1-Kopie-768x831.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Ohne-Titel-1-Kopie-624x675.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 873px) 100vw, 873px\" \/><br \/>\n<em>Bild vom Bild vom Bild.<\/em><br \/>\nDas auf dem Tisch ist ein Polaroid von dem Moment, wo das famose Kollektiv der verdienten Kulturschaffenden die z\u00fcndende Idee f\u00fcr die f\u00fcnfte Ausgabe der NETZ \u2013 Nieders\u00e4chsische Teilhabe-Zeitung hatte. Von diesem Polaroid mache ich gerade, wie man im Bild sieht , ein Foto mit meinem Smartphone.  Diesen Moment wiederum halte ich, wie man im Bild sieht, mit meiner Lumix Kamera fest. Das ist ein metamedientheoretischer Geniestreich und sieht auch praktisch drollig bis verwirrend aus.  Das Bild stellt die grundlegende Frage: Wie nehmen wir unsere Wahrnehmung wahr?<br \/>\nDer Fortschritt ist eine Schnecke, die mit Vornamen Sysiphos heisst. Die Landesarmutskonferenz unterst\u00fctzt eine neugegr\u00fcndete Initiative von Menschen in unterschiedlich prek\u00e4ren Lebenssituationen: Die Gruppe Gnadenlos Gerecht. Die Gruppe hat in wenigen Wochen eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen unter dem Motto: Wie viel braucht der Mensch zum Leben?<br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Wie-viel-braucht-der-Mensch-zum-Leben1-1024x566.jpg\" alt=\"Wie-viel-braucht-der-Mensch-zum-Leben1\" width=\"625\" height=\"345\" class=\"alignleft size-large wp-image-7703\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Wie-viel-braucht-der-Mensch-zum-Leben1-1024x566.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Wie-viel-braucht-der-Mensch-zum-Leben1-300x166.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Wie-viel-braucht-der-Mensch-zum-Leben1-768x425.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Wie-viel-braucht-der-Mensch-zum-Leben1-624x345.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Wie-viel-braucht-der-Mensch-zum-Leben1.jpg 1139w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><br \/>\nAuftakt ist am 21.03.2017. Details <a href=\"http:\/\/www.landesarmutskonferenz-niedersachsen.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Wieviel-braucht-der-Mensch-zum-Leben-Flyer-21.03.2017.pdf\">hier<\/a>.<br \/>\nDie Gruppe hat extrem viel Potential, fr\u00fcher, noch vor der Zeit des Polaroid, also quasi in der Steinzeit, h\u00e4tte man gesagt: eine Kaderorganisation. Die H\u00e4lfte der Mitglieder sitzt f\u00fcr verschiedene Parteien in kommunalen Parlamenten, hat hohe Organisationskompetenz, kennt sich in Sozialgesetzb\u00fcchern aus,  produziert excellente Ideen f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit und geht auch dahin, wo es schmutzig ist, mit Flyern zur Werbung in Kneipen, Gesch\u00e4ften, etc. Wenn diese Gruppe ein Massstab f\u00fcr den Organisationsgrad und das politische Potential der Prek\u00e4ren in der BRD w\u00e4re, dann: Revolution ante portas. Es gibt 13 Millionen Arme, 25 Prozent aller Besch\u00e4ftigten arbeiten im Niedriglohnsektor mit weniger als 9,50 Euro Stundenlohn, die Ausnutzung der Besch\u00e4ftigten in der Fleischindustrie in Niedersachsen ist nichts weniger als fl\u00e4chendeckend organisierte Kriminalit\u00e4t. Ich sch\u00e4tze, dass ca. 20 Millionen nicht zur &#8222;Mitte&#8220; der Gesellschaft geh\u00f6ren. Also gen\u00fcgend  Potential f\u00fcr emanzipatorische Ver\u00e4nderungen, jenseits von Schulz und Agneda 2010 revisited?<br \/>\nDie Studie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Arbeitslosen_von_Marienthal\">&#8222;Die Arbeitslosen von Marienthal&#8220;<\/a> von 1933 ist ein Klassiker der soziologischen Empirie und jeder, der den Begriff &#8222;soziale Bewegungen&#8220; nur richtig buchstabieren will, sollte davon geh\u00f6rt haben. Die Studie weist nach, dass Arbeitslosigkeit nicht revolution\u00e4ren Geist produziert, sondern Resignation, Frustration, Isolation. Was immer sich damals die KPD, sp\u00e4ter Marcuse und danach die Philosophie-Protagonisten der Prekariats erhofften, es wird keine soziale Bewegung davon und damit geben, im Sinne der Arbeiter-, Frauen \u2013 oder \u00d6kobewegung. Auch heute und erst recht nach \u00fcber 10 Jahren Hartz IV sind nur wenige Ausgegrenzte f\u00fcr Selbstorgansiation mobilisierbar und auch die sind mitunter kaum noch kommunikations- und kooperationsf\u00e4hig, mit einer minimalen Frustrationstoleranz.<br \/>\nDie Wut richtet sich im Zweifel nicht gegen &#8222;die da oben&#8220;, sondern gegen  noch Ausgegrenztere wie Fl\u00fcchtlinge und richtet als Kollateralschaden im g\u00fcnstigsten Fall mitunter Chaos und Konfrotation in den eigenen Reihe an.<br \/>\nIn summa bin ich mal wieder urlausreif und setze mich f\u00fcr eine Woche in den S\u00fcden ab und mein Wunsch wird immer st\u00e4rker, alles mal f\u00fcr ein Jahr hinzuschmeissen und ein Sabbatical in Berlin einzulegen.<br \/>\nAlles eine Frage der Wahrnehmung, von Polaroid bis Marienthal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild vom Bild vom Bild. 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