{"id":8133,"date":"2017-09-02T13:11:05","date_gmt":"2017-09-02T07:11:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=8133"},"modified":"2017-09-02T13:15:38","modified_gmt":"2017-09-02T07:15:38","slug":"01-09-2017-mit-dem-bolzenschussgeraet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=8133","title":{"rendered":"01.09.2017 \u2013 Mit dem Bolzenschussger\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-1.jpg\" alt=\"1-(1)\" width=\"1548\" height=\"2064\" class=\"alignleft size-full wp-image-8134\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-1.jpg 1548w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-1-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-1-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-1-624x832.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1548px) 100vw, 1548px\" \/><br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-2.jpg\" alt=\"1-(2)\" width=\"1548\" height=\"2064\" class=\"alignleft size-full wp-image-8135\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-2.jpg 1548w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-2-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-2-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-2-624x832.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1548px) 100vw, 1548px\" \/><br \/>\n<em>Aufmarsch Fans von Schalke 04 vor dem Spiel gegen Hannover 96 vor ein paar Tagen.<\/em> Mich hat\u2019s gegruselt. Endzeit-Assoziationen von Kolonnen mit Soldaten oder KZ Gefangenen, als ob ein Spielfilm-Regisseur die Inszenierung des Faschismus in eine neuzeitliche Dramaturgie \u00fcberf\u00fchren wollte. Ich wartete nur auf das Megafon-Br\u00fcllen: \u201eKlappe. Faschismus 7 die vierte im Kasten\u201c. Oder gestorben. Oder fertig. Keine Ahnung, was man an Filmsets so f\u00fcr Sprachregelungen hat, wenn eine Einstellung durch ist.<br \/>\nAlle politischen Systeme im 20. Jahrhundert bedienten und bedienen sich des Ornaments der Masse, sprich einer Inszenierung vom Aufgehen, vom Verschmelzen des individuellen K\u00f6rpers in der \u00fcberw\u00e4ltigenden \u00c4sthetik einer Masse wie bei 1. Mai Aufm\u00e4rschen, Reichsparteitagen, Love-Paraden, Sommerschlussverk\u00e4ufen, Fu\u00dfballstadien, etc. pp. Das Prinzip hat Siegfried Kracauer zuerst in den 1920ern beschrieben, kurz und gut zusammengefasst hier im <a href=\"http:\/\/cafe-deutschland.blogspot.de\/2012\/01\/das-ornament-der-masse.html\">Blog cafe-deutschland<\/a>.<br \/>\nDie industrielle Massenproduktion findet ihre gesellschaftliche Entsprechung in der \u00f6ffentlichen Inszenierung der K\u00f6rper. Das f\u00e4ngt im und am eigenen K\u00f6rper an: Dem Qualit\u00e4tsmanagement mit Null-Fehler-Toleranz (bei solchen Zielvorgaben kriege ich immer Lachkr\u00e4mpfe) in den Betrieben entspricht die wahnhafte Selbstoptimierung in Mucki-Buden mit Unterst\u00fctzung von Powerdrinks und Steroiden, das Corporate-Identity-Geschwafel spiegelt sich mit Tattoos, Brandings und Piercings auf den K\u00f6rpern wieder. Das Resultat: die Gesellschaft mutiert zu einer Horde von subintelligenten Lemmingen, auch daran erinnern die beiden Bilder oben, von denen jeder einzelne glaubt, wer wei\u00df wie individuell er sei, blo\u00df weil sein Golf eine andere Lackierung hat, das Tattoo auf der rechten statt auf der linken Arschbacke sitzt und das Piercing direkt ins Auge getackert wurde. Am schlimmsten sind jene Hohlk\u00f6rper, die in die Fu\u00dfballstadien rennen oder bei denen in Kneipen vor Pay-TV Bildschirmen nur deshalb nicht das Gef\u00fchl hochkommt, dass sie gnadenlos verarscht werden, weil sie zur Halbzeitpause von Bundesliga-\u00dcbertragungen schon halb im Delirium tremens liegen. Fr\u00fcher galt es unter Linken als subversiv, sich f\u00fcr Fu\u00dfball zu interessieren, das geh\u00f6rte nicht zum linken Mainstream, heute ist Interesse f\u00fcr Fu\u00dfball nur noch peinlich. Mainstreamige Mobkultur. Ich wei\u00df, wovon ich rede. Ich habe lange Zeit alle Fussball-Gro\u00dfevents und auch kleinere vor den Bildschirmen dieser Republik verbracht und mir vor \u00fcber 40 Jahren einen Ohrring stechen lassen. Den hab ich mir vor 30 Jahren sofort rausgenommen, als ich merkte, dass hier vor Ort eine mehr als zweistellige Zahl von Individuen das Gleiche pflegte und Fu\u00dfball nutze ich nur noch, um bei Wetten damit Geld zu verdienen. Jetzt warte ich nur noch darauf, dass alle Tattoo- und Fu\u00dfballfans auf einen ganz speziellen Mode-Tick abfahren:<br \/>\nstatt Piercing in die Eichel sich einen Nagel mit einem Bolzenschussger\u00e4t ins \u2026. nein, das ist jetzt zu gemein, an dieser Stelle bricht mein Humanismus durch, der mich sogar die morgenstarre Hummel von der nachtkalten Veranda in die Sonne setzen l\u00e4sst. Au\u00dferdem, wenn ich mir vorstelle, alle w\u00e4ren so wie ich\u2026das w\u00e4re keine Welt, in der ich gerne leben m\u00f6chte.<br \/>\nDann lieber so wie oben. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufmarsch Fans von Schalke 04 vor dem Spiel gegen Hannover 96 vor ein paar Tagen. Mich hat\u2019s gegruselt. Endzeit-Assoziationen von Kolonnen mit Soldaten oder KZ Gefangenen, als ob ein Spielfilm-Regisseur die Inszenierung des Faschismus in eine neuzeitliche Dramaturgie \u00fcberf\u00fchren wollte. Ich wartete nur auf das Megafon-Br\u00fcllen: \u201eKlappe. Faschismus 7 die vierte im Kasten\u201c. Oder gestorben. 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