{"id":8447,"date":"2017-12-01T13:08:47","date_gmt":"2017-12-01T07:08:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=8447"},"modified":"2017-12-01T13:08:56","modified_gmt":"2017-12-01T07:08:56","slug":"01-122017-es-geht-immer-nur-um-die-sache","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=8447","title":{"rendered":"01.12.2017 &#8211; Es geht immer nur um die Sache"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Bild-10-1024x679.jpg\" alt=\"Bild-(10)\" width=\"625\" height=\"414\" class=\"aligncenter size-large wp-image-8448\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Bild-10-1024x679.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Bild-10-300x199.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Bild-10-768x509.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Bild-10-624x413.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Bild-10.jpg 1076w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><br \/>\n<em>Meine \u201eGerhard Schr\u00f6der goes Cohiba\u201c Performance bei der 1.-Mai-Feier 2000.<\/em><br \/>\nDas war unter anderem eine Anspielung darauf, dass der Parven\u00fc Gerhard Schr\u00f6der sich mit Mitteln prahlerisch pr\u00e4sentierter <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Distinktion_(Soziologie)\">Distinktion<\/a> von der Herkunft aus seiner Klasse empork\u00f6mmlingte. Schr\u00f6ders Mittel waren, in medialer Inszenierung \u00f6ffentlich vermittelt, unter anderem Barolo Rotweine (\u00fcbersch\u00e4tzt), Brioni Anz\u00fcge (\u00fcberteuert) und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cohiba\">Cohibas<\/a> (Schr\u00f6ders Solidarit\u00e4t mit Cuba)\u2026 Schr\u00f6der heute im TV zu sehen, bereitet mir k\u00f6rperliche Pein. Der Mann sieht aus wie ein Lude (Sorry, liebe Zuh\u00e4lter). Vollkommen degoutant. Da entwickle ich beim Anblick von Angela Merkel ja vergleichsweise libidin\u00f6se Gef\u00fchle.<br \/>\nDinge wie Cohiba, Brioni und Barolo waren (und sind?) den Kolleg*innen meiner Gewerkschaft, der IG Metall, b\u00f6hmische D\u00f6rfer mit sieben Siegeln. Das ist im Prinzip nicht tragisch, st\u00fcnde es nicht symbolhaft f\u00fcr einen derartig bedauernswerten Mangel an innergewerkschaftlicher Lernf\u00e4higkeit und Lebenswelten-Tauglichkeit, dass ich irgendwann meine Mitarbeit da eingestellt habe, auch wenn ich in der Sache bis ans Ende aller Tage, derer noch nicht Abend ist, Gewerkschafter bin.<br \/>\nIch kann mich noch an zauberhafte Konflikte mit der hiesigen Gewerkschaftsf\u00fchrung Anfang der 2000er erinnern. Die Grundkonstellation:<br \/>\nAuf der einen Seite war (ist?) die IGM eine stalinistisch gepr\u00e4gte Organisation, nicht wegen der Inhalte, sondern ihrer Verfasstheit wegen und der Umgangsformen miteinander:<br \/>\nKaderf\u00f6rmig organisiert, Prozesse laufen top down und der innergewerkschaftliche Umgang mit dem internen Gegner war von teils hasserf\u00fclltem Vernichtungswillen gepr\u00e4gt.<br \/>\nAuf der anderen Seite ich, lasse mir von niemandem was erz\u00e4hlen, und gehe keinem dienstlichen oder projektm\u00e4\u00dfigen Verbal-Raufhandel aus dem Wege. Viel Feind, viel Ehr.<br \/>\nIm in Rede stehenden Fall, es ging um Projektmittel, meinte die damalige Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung mir gegen\u00fcber einen \u00fcbergriffigen Ton anschlagen zu k\u00f6nnen. Das kl\u00e4rte ich in wenigen Sekunden in deutlichen Worten, in tendenziell orkanartiger Lautst\u00e4rke. Das war ungew\u00f6hnlich in einer derart autorit\u00e4tsfixierten Organisation. Die folgenden Minuten erinnerten eher an eine Vollversammlung von Br\u00fcllaffen. Irgendwann trug ich meinen drei Kontrahenten den G\u00f6tz von Berlichingen an und verlie\u00df den Sitzungssaal, der am Ende eines langen Ganges mit den Zimmern der Mitarbeiter*innen lag. Mir bot sich ein skurriler Anblick: Alle Mitarbeiter*innen standen mit halboffenen M\u00fcndern lauschend auf dem Gang. Dann huschten sie in die Zimmer, als ich die T\u00fcr aufriss und rausstampfte.<br \/>\nBei der n\u00e4chsten Sitzung stand als erstes der damalige Vorsitzende auf und schloss alle ge\u00f6ffneten Fenster, mich mit den Worten adressierend:<br \/>\n<em>\u201eLieber Kollege, ich denke, wir sind uns alle hier einig: es geht doch immer nur um die Sache.\u201c<\/em><br \/>\nUnd die Erde ist eine Frisbee Scheibe und ich bin Immanuel Kant. Ich kriegte die Projektmittel, weil ich als damaliger Delegierter mit einer Kampfabstimmung \u00fcber das Projekt in der n\u00e4chsten Delegiertenversammlung drohte. Organisationen hassen demokratische Abstimmungen, deren Ausgang nicht vorher feststeht.<br \/>\nEs kommt mittlerweile kaum noch vor, dass jemand mit einem derartig surreal weltfremden Spruch hausieren geht: \u201eEs geht mir nur um die Sache.\u201c Wenn doch, muss ich herzlich lachen oder mir str\u00e4uben sich die Nackenhaare. Wer sowas \u00e4u\u00dfert, sagt auf der Meta-Ebenen etwas viel Wichtigeres: \u201eIch werde niemals \u00fcber jenseits der Sachebene auftretende Konflikte reden\u201c.<br \/>\nDa gibt es nur zwei Varianten: Projekt beerdigen oder zuk\u00fcnftig per ordre du Mufti vorgehen. Top down.<br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/bsirske-687x1024.jpg\" alt=\"bsirske\" width=\"625\" height=\"932\" class=\"aligncenter size-large wp-image-8449\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/bsirske-687x1024.jpg 687w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/bsirske-201x300.jpg 201w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/bsirske-624x930.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/bsirske.jpg 707w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><br \/>\nDamals hab ich solche Performances noch f\u00fcr lau, auch f\u00fcr Promis (dieser hier tr\u00e4gt auch 2017 noch den Porno-Balken), gemacht. Ich war \u00dcberzeugungst\u00e4ter. Bin ich heute auch noch.<br \/>\nAber nicht unter 500 Euro. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine \u201eGerhard Schr\u00f6der goes Cohiba\u201c Performance bei der 1.-Mai-Feier 2000. Das war unter anderem eine Anspielung darauf, dass der Parven\u00fc Gerhard Schr\u00f6der sich mit Mitteln prahlerisch pr\u00e4sentierter Distinktion von der Herkunft aus seiner Klasse empork\u00f6mmlingte. 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