{"id":8496,"date":"2017-12-21T16:01:23","date_gmt":"2017-12-21T10:01:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=8496"},"modified":"2017-12-21T16:53:45","modified_gmt":"2017-12-21T10:53:45","slug":"21-12-2017-in-puschen-zur-pizza","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=8496","title":{"rendered":"21.12.2017 \u2013 In Puschen zur Pizza"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/f\u00f6ssestr.in-den-80ern-696x1024.jpg\" alt=\"f\u00f6ssestr.in-den-80ern\" width=\"625\" height=\"920\" class=\"aligncenter size-large wp-image-8497\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/f\u00f6ssestr.in-den-80ern-696x1024.jpg 696w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/f\u00f6ssestr.in-den-80ern-204x300.jpg 204w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/f\u00f6ssestr.in-den-80ern-768x1130.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/f\u00f6ssestr.in-den-80ern-624x918.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/f\u00f6ssestr.in-den-80ern.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><br \/>\n<em>Fr\u00fcher: Blick aus meinem Fenster in den Achtzigern.<\/em><br \/>\nBei mir nebenan ist ein Italiener, den ich manchmal frequentiere, wenn der K\u00fchlschrank leer ist und ich keine Lust auf Styling und Maske wegen Essen gehen habe. Dann schlappe ich in Puschen dahin, zieh mir ne Pizza rein, trinke ein Glas Wei\u00dfen, halte Schw\u00e4tzchen mit Wirtsleuten oder eventuell ebenfalls dort abh\u00e4ngenden Nachbarn. In Puschen zur Pizza, das ist ein Bild, das geografische N\u00e4he verdeutlicht. Zeitgem\u00e4\u00df w\u00e4re eher die Aussage: Mein Italiener liegt so nahe, dass ich da noch in meinem WLAN bin. Technologische Ver\u00e4nderung pr\u00e4gt Bewusstsein und Sprache bis in den Alltag hinein. Beim Italiener selber ist die Zeit stehen geblieben. Chianti Flaschen im Korb und mit diesem gewundenen Hals stehen da noch. Die Dinger hei\u00dfen, glaube ich, Fiasco und schmeckten auch so. Heute w\u00fcrde ich mit sowas noch nicht mal mein Klo desinfizieren, aber Fr\u00fcher \u2026Dann spielt da immer dieselbe Cassette aus den Achtzigern, mit Toto und so Zeug. Ich kann mittlerweile die Gleichlaufschwankungen der Cassette mitsingen. Ich h\u00f6re auch nur noch Cassetten Zuhause, aber aus Gr\u00fcnden der Avantgarde, Cassette kommt vor Schallplatte! Mein Italiener dagegen ist konsequenter Modernisierungsverweigerer, k\u00e4me ich mit dem Ansinnen, er solle doch einen CD-Player installieren, w\u00fcrde er sicher einen Exorzismus veranstalten: Apage Satanas.<br \/>\nIn dem Laden wird mir immer ganz romantisch ums Gem\u00fct und ich denke an Fr\u00fcher.<br \/>\nDann trinke ich einen Schluck vom Wei\u00dfen und die ganze Romantik ist im Arsch. Heiliger Bimbam, was f\u00fcr ein Ges\u00f6ff! Immer noch die gleiche Qualit\u00e4t wie in den Achtzigern. Ich kippe dann immer heimlich, damit niemand beleidigt ist, Aceto in den Wein. Dann geht er besser runter. Von wegen Fr\u00fcher war alles besser. Aber die Pizza ist toll und ich liebe meinen Italiener.<br \/>\nUnd ist Heute denn alles besser?<br \/>\nDie dauernde Konfrontation mit Unwissenheit, Ressentiments und schlichtem reaktion\u00e4ren Dumpfbackentum macht urlaubsreif vom Morgen bis zum Abend. Zumal man wei\u00df, dass Aufkl\u00e4rung, Argument und Ratio da gar nichts bewirken. Kleiner Exkurs: Wie wird Antisemitismus produziert? Der gemeine Doitsche wei\u00df: Der Jude ist ein Kriegstreiber, Israel der permanente Aggressor \u201eda unten\u201c und der Pal\u00e4stinenser und der Araber will doch nur Frieden und Freiheit. Woher wei\u00df der Doitsche das? Aus dem hiesigen Fachblatt f\u00fcr Leute mit mittlerer Reife, der HAZ, zum Beispiel. \u00dcberschrift vom 19.12.2017:<br \/>\n<em>&#8222;Israel fliegt Angriffe auf Gaza-Streifen&#8220;<\/em><br \/>\nAha. Der Jude wieder, wei\u00df unser gemeiner Doitscher. Und geht beruhigt seinen Alltagsgesch\u00e4ften nach.<br \/>\nDer Text in der HAZ geht dann so weiter:<br \/>\n<em>\u201eNach neuen Raketenangriffen militanter Pal\u00e4stinenser auf den S\u00fcden Israels haben israelische Kampfflugzeuge in der Nacht zum Montag Ziele im Gazastreifen beschossen.\u201c<\/em><br \/>\nIch erlaube mir, das, was die HAZ da macht, einen Schweinejournalismus zu nennen. Entweder ist es pure Dummheit, die Opfer der pal\u00e4stinensischen Aggression in der \u00dcberschrift zu T\u00e4tern zu machen, oder es ist ressentimentgeladene Niedertracht.<br \/>\nUnd so geht das seit Jahren. Ich stelle mir gerade vor, von polnischem Staatsgebiet aus w\u00fcrde seit Jahren ein Hagel von Raketen auf die H\u00e4upter der gemeinen Doitschen regnen.<br \/>\nNein, das stelle ich mir lieber nicht vor\u2026.<br \/>\nIch bin es zwar leid mit Antisemiten zu argumentieren. Aber es gibt eine Menge Sachen, die Heute auch noch toll sind. Mein Italiener zum Beispiel. Und das hier<br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/050601-003-1024x768.jpg\" alt=\"050601-003\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"aligncenter size-large wp-image-8498\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/050601-003-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/050601-003-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/050601-003-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/050601-003-624x468.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/050601-003.jpg 1100w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><br \/>\n<em>Heute: der gleiche Blick aus meinem Fenster. Jedenfalls im Sommer.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher: Blick aus meinem Fenster in den Achtzigern. Bei mir nebenan ist ein Italiener, den ich manchmal frequentiere, wenn der K\u00fchlschrank leer ist und ich keine Lust auf Styling und Maske wegen Essen gehen habe. 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