{"id":8521,"date":"2017-12-24T17:23:52","date_gmt":"2017-12-24T11:23:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=8521"},"modified":"2017-12-24T23:26:50","modified_gmt":"2017-12-24T17:26:50","slug":"24-12-2017-wie-ein-spiegelsaal-im-schloss-und-ein-klavierkonzert-mit-grossem-orchester","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=8521","title":{"rendered":"24.12.2017 \u2013 Wie ein Spiegelsaal im Schloss und ein Klavierkonzert mit gro\u00dfem Orchester."},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/das-letzte-analoge-foto-1024x701.jpg\" alt=\"das letzte analoge foto\" width=\"625\" height=\"428\" class=\"aligncenter size-large wp-image-8522\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/das-letzte-analoge-foto-1024x701.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/das-letzte-analoge-foto-300x205.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/das-letzte-analoge-foto-768x526.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/das-letzte-analoge-foto-624x427.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><br \/>\n<em>Mein letztes analoges Foto, M\u00e4rz 2003, Nizza, Skulptur im Park des MAMAC<\/em> (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mus%C3%A9e_d%E2%80%99Art_Moderne_et_d%E2%80%99Art_Contemporain\">Mus\u00e9e d\u2019Art Moderne et d\u2019Art Contemporain<\/a>). Danach habe ich nur noch digital fotografiert. Der Wechsel von analoger auf digitale Arbeit ist f\u00fcr jeden Arbeitsbereich von epochaler Bedeutung, f\u00fcr Kulturproduzenten umso mehr, als es die Art der eigenen Erz\u00e4hlweise nachhaltig ver\u00e4ndert. Es geht nicht nur darum, (im Sine Walter Benjamins) auf der H\u00f6he der zeitgen\u00f6ssischen Produktionsmittel zu bleiben, weil man sonst nicht nur k\u00fcnstlerisch, sondern auch gesellschaftlich abgeh\u00e4ngt wird. Es geht auch um die Verbesserung der Qualit\u00e4t der eigenen Arbeit und eben um andere Erz\u00e4hlweisen. Digital ist schneller, vielf\u00e4ltiger, kommunikationsf\u00e4higer, aber auch beliebiger, fl\u00fcchtiger, unkonzentrierter. Schreiben Sie Ihren n\u00e4chsten Text mal mit der Hand, dann verstehen Sie, was ich meine. Wer sich diese Produktionsweise zur\u00fcckkoppelt, \u00e4ndert seine Sichtweise auf die sich eh dauernd \u00e4ndernde Welt. Man schreibt zum Beispiel im Strom der anschwellenden Bilder filmischer.<br \/>\nWehm\u00fctig wird mir aber schon beim Betrachten der Scans meiner alten Papierbilder. Diese Riesenapparate damals und was die f\u00fcr Ger\u00e4usche machten. Und dieser Akt des Filmeinf\u00e4delns. Und was f\u00fcr eine verwunschene, verschwundene, grobk\u00f6rnige Welt das anscheinend damals war. Und dieses Warten auf die Bilder! 18 x 13 cm Format im Sonderangebot 18 Pfennig, sonst 36. Da lohnte sich schon das Warten bei drei 36er Filmen. Fuji oder Kodak? Das war hier die Frage \u2026.<br \/>\nGanz zu schweigen von den abgebildeten Personen oder Gegenst\u00e4nden. Viele davon tot, verschwunden, abgerissen.<br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fusg\u00e4ngerbr\u00fccke-804x1024.jpg\" alt=\"fusg\u00e4ngerbr\u00fccke\" width=\"625\" height=\"796\" class=\"aligncenter size-large wp-image-8523\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fusg\u00e4ngerbr\u00fccke-804x1024.jpg 804w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fusg\u00e4ngerbr\u00fccke-236x300.jpg 236w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fusg\u00e4ngerbr\u00fccke-768x978.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fusg\u00e4ngerbr\u00fccke-624x794.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/fusg\u00e4ngerbr\u00fccke.jpg 1179w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><br \/>\nWie diese Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke am hiesigen Ihme-Zentrum. Fr\u00fcher als h\u00e4ssliches Monstrum geschm\u00e4ht, erscheint sie mir heute, wenige Jahre nach ihrem Abriss, als k\u00fchn, dynamisch, optimistisch, mit einem Hauch Humor gar. F\u00fcr mich ein zeitgen\u00f6ssischer Klassiker. Verschwunden. Fragen Sie in weiteren 10,15 Jahren mal die Eingeborenen hier danach. Kann sich keine Sau mehr dran erinnern. So wird unsere Identit\u00e4t fragmentiert.<br \/>\nDie Frage ist halt immer, was sollen wir erhalten und wo brauchen wir Modernisierungssch\u00fcbe, die die Individuen nicht \u00fcberfordern.<br \/>\nUnd wo bleibt das Positive? Hier: <a href=\"http:\/\/www.bonvinitas.com\/fr\/21-weinbewertungen\/trocken-ueber-12-prozent\/7449-2016-kallfelz-riesling-merler-koenigslay-terrassen-trocken\">Beschreibung meines Weihnachtsweines Merler K\u00f6nigslay Terrassen<\/a>:<em>\u201eWunderbarer reifer Riesling-Duft, kr\u00e4ftig nach wei\u00dfen Pfirsichen sowie wie wenn die Obstbl\u00fcte in der Luft liegt; hocheleganter, ausgereifter K\u00f6rper mit Finesse und L\u00e4nge und einem eleganten, geradezu aristokratischen Finish \u2013 wie ein Spiegelsaal im Schloss.\u201c<\/em><br \/>\nOder auch in der edels\u00fc\u00dfen Variante:<br \/>\n<em>\u201eEdle Riesling-Nase mit Noten von Pfirsichen, Biskuit, Zitronat unterlegt von viel Frische, \u00fcppig vollmundiger K\u00f6rper mit heller Frucht und bet\u00f6render S\u00fc\u00dfe; wunderbar fruchtig-reife Rieslingnoten im Finish, deren edle Reife immer weiter zunehmen wird &#8211; ein Wein wie ein Klavierkonzert mit gro\u00dfem Orchester.\u201c<\/em><br \/>\nSpiegelsaal im Schloss bei Klavierkonzert mit gro\u00dfem Orchester, und das in meiner Butze. Dass Weinachten auf meine alten Tage noch mal so ergreifend werden k\u00f6nnte, schn\u00fcff.<br \/>\nProst, liebe Leserinnen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein letztes analoges Foto, M\u00e4rz 2003, Nizza, Skulptur im Park des MAMAC (Mus\u00e9e d\u2019Art Moderne et d\u2019Art Contemporain). Danach habe ich nur noch digital fotografiert. Der Wechsel von analoger auf digitale Arbeit ist f\u00fcr jeden Arbeitsbereich von epochaler Bedeutung, f\u00fcr Kulturproduzenten umso mehr, als es die Art der eigenen Erz\u00e4hlweise nachhaltig ver\u00e4ndert. 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