{"id":8555,"date":"2018-01-04T14:52:16","date_gmt":"2018-01-04T08:52:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=8555"},"modified":"2018-01-06T15:45:46","modified_gmt":"2018-01-06T09:45:46","slug":"04-01-2017-es-brennt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=8555","title":{"rendered":"04.01.2018 \u2013 Es brennt"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/plakat-768x1024.jpg\" alt=\"plakat\" width=\"625\" height=\"833\" class=\"aligncenter size-large wp-image-8556\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/plakat-768x1024.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/plakat-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/plakat-624x832.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/plakat.jpg 825w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><br \/>\n<em>Werbe-Plakat von \u00c4nne Koken, 1912.<\/em> Aus der Ausstellung \u201erevonnaH. Kunst der Avantgarde in Hannover 1912\u20131933\u201c, <a href=\"http:\/\/www.sprengel-museum.de\/ausstellungen\/vorschau\/revonnah-kunst-der-avantgarde-in-hannover-1912-1933.htm\">Sprengel Museum Hannover<\/a>, bis 07.01.18.<br \/>\nEine sehenswerte Ausstellung, die die Entstehung, Entwicklung und die unterschiedlichen Str\u00f6mungen von Avantgarde Kunst in Hannover bis zum Begin des Faschismus anschaulich macht. Ich tapste also bildungsb\u00fcrgerlich durchaus ergriffen an einem Freitag durch die Ausstellung. Freitags ist im Sprengel der Eintritt frei und bei zweimal Sprengel Freitag im Monat habe ich einen 10 Jahre alten wei\u00dfen Port wieder raus. Soviel zur angewandten \u00f6konomischen Dialektik von Genuss &#038; \u00c4sthetik. Zum Ende der Ausstellung versp\u00fcrte ich ein leichtes Unbehagen, amorph grummelnd in der pr\u00e4verbalen Ebene meines Hirnes. Beim letzten Bild, versteckt irgendwo im Keller, dieser verkackte Bau ist sowas von un\u00fcbersichtlich und beschissen ausgeschildert, wurde mir blitzartig klar, was mein Unbehagen war.<br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/rodtschenko-1024x768.jpg\" alt=\"rodtschenko\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"aligncenter size-large wp-image-8557\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/rodtschenko-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/rodtschenko-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/rodtschenko-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/rodtschenko-624x468.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/rodtschenko.jpg 1100w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><br \/>\n<em>Aleksander Rodtschenko. B\u00fccher f\u00fcr alle Wissensgebiete. Werbeplakat f\u00fcr den russischen Lengis Staats-Verlag, 1925.<\/em><br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alexander_Michailowitsch_Rodtschenko\">Rodtschenko<\/a> war ein f\u00fchrender Vertreter der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Russische_Avantgarde\">russischen Avantgarde<\/a>. Die russische Avantgarde f\u00fchrte bis Ende 1920 auf allen Gebieten der Kunst revolution\u00e4re Produktionstechniken, Theorien und Praxiselemente einer Aufkl\u00e4rung und Beteiligung breiter Bev\u00f6lkerungsschichten ein. Die beteiligten K\u00fcnstler*innen waren \u00fcberzeugte Anh\u00e4nger*innen der Utopie des Sozialismus und arbeiteten mit ihren Mitteln auf allen gesellschaftlichen Ebenen an deren Umsetzung. Wof\u00fcr nicht wenige unter dem sp\u00e4teren stalinistischen Terror mit dem Leben bezahlten. Ohne die russische Avantgarde ist die moderne westliche Kunst nicht denkbar. In meinen Augen ist sie die bedeutendste Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts.<br \/>\nRodtschenkos Plakat hat all das, was den anderen Exponaten der Ausstellung fehlt: Expressiver Furor, man merkt das Feuer einer Idee, das Plakat \u2013 durchaus pathetisch aus heutiger Sicht \u2013 ergreift Partei. Es brennt. Bildlich gesehen. Der Rest der Ausstellung verdeutlicht das grunds\u00e4tzliche Elend von Avantgarde: Formal gesehen der Zeit voran, aber da fehlt oft &#8211; au\u00dfer dem Gedanken der Dekonstruktion und Neuerung- eine Leitidee. Das schwankt wie Schilf im Winde, l\u00e4sst sich vereinnahmen, instrumentalisieren auch f\u00fcr Reaktion\u00e4res. Beispiel: der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Futurismus\">italienische Futurismus<\/a>, oft kriegsverherrlichend an der Seite von Mussolini.<br \/>\nDer sp\u00e4tere Weg von K\u00fcnstler*innen der Ausstellung w\u00e4hrend der Nazizeit verdeutlich das: Innere oder \u00e4u\u00dfere Emigration, Pakt mit den Nazis oder ermordet in Auschwitz.<br \/>\nAber machen Sie sich ein eigenes Bild, liebe Leserinnen. Wie gesagt: Morgen ist der Besuch f\u00fcr lau. Und f\u00fcr einmal im Monat lau gibt es schon einen ordentlichen Sauvignon.<br \/>\nDie Kunst ist umsunst. Aber nicht vergebens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werbe-Plakat von \u00c4nne Koken, 1912. Aus der Ausstellung \u201erevonnaH. Kunst der Avantgarde in Hannover 1912\u20131933\u201c, Sprengel Museum Hannover, bis 07.01.18. Eine sehenswerte Ausstellung, die die Entstehung, Entwicklung und die unterschiedlichen Str\u00f6mungen von Avantgarde Kunst in Hannover bis zum Begin des Faschismus anschaulich macht. Ich tapste also bildungsb\u00fcrgerlich durchaus ergriffen an einem Freitag durch die Ausstellung. 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