{"id":8957,"date":"2018-05-02T22:28:05","date_gmt":"2018-05-02T16:28:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=8957"},"modified":"2018-05-02T22:30:36","modified_gmt":"2018-05-02T16:30:36","slug":"02-05-2018-ein-desaster","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=8957","title":{"rendered":"02.05.2018 \u2013 Ein Desaster"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/rote-faust.jpg\" alt=\"rote faust\" width=\"737\" height=\"529\" class=\"aligncenter size-full wp-image-8958\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/rote-faust.jpg 737w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/rote-faust-300x215.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/rote-faust-624x448.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 737px) 100vw, 737px\" \/><br \/>\n<em>1. Mai Feier, eine Genossin (in Gewerkschaftszusammenh\u00e4ngen hei\u00dft es eher: Kollegin) mit Geschmack: Lederhandschuhe, farblich passend zum Event.<\/em> So etwas sch\u00e4tze ich ausserordentlich.<br \/>\nDer 1. Mai war aus gewerkschaftlicher Sicht ein Desaster. Wo in den letzten Jahren um die 10.000 Besucher*innen DGBseitig vermeldet wurden (real waren es immer 5.000), waren es heuer 2.000. Eiskalter Wind und der Br\u00fcckentag legten das schonungslos an den Tag, was ich im Rahmen meiner Bildungsarbeit f\u00fcr Gewerkschaften schon vor Jahren wahrgenommen habe:<br \/>\nDie Basis bricht weg, entweder legt sie die L\u00f6ffel weg, kriegt den Rollator nicht mehr in Gang oder sie passt sich dem individualistischen Zeitgeist-Gepl\u00e4rre des klassischen Trittbrettfahrer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ohnemichel\">\u201eOhnemichel\u201c<\/a> an.<br \/>\nIch friere mir n\u00e4chstes Jahr bestimmt nicht noch mal den Arsch hier ab. Den n\u00e4chsten 1. Mai verbringe ich mit den Arbeiter*innen der Lisnave Werft in Lissabon, nachdem ich vorher am Jahrestag der portugiesischen Nelkenrevolution am 25. April in Grandola  das Lied <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gr%C3%A2ndola,_Vila_Morena\">\u201eGr\u00e2ndola, Vila Morena\u201c<\/a> intoniert habe. Bei meinen Sangesk\u00fcnsten steht allerdings zu erwarten, dass ich danach des Landes verwiesen werde und der Feiertag verboten wird.<br \/>\n40 Prozent der Bev\u00f6lkerung hierzulande haben nichts oder Schulden, 20 Millionen sind arm, daran wird auch die alberne und hilflose derzeitige Diskussion vor allem in der SPD, getragen von nackter Panik vor dem Untergang, nichts \u00e4ndern. Das Kapital, und angesichts des bevorstehenden 200. Geburtstages von Karl Marx darf man mal derart kategorial argumentieren, geht \u00fcber Leichen, wenn es um Profit geht. Daran \u00e4ndert die Tatsache nichts, dass \u201ewir\u201c hier in der BRD im Moment auf einer Insel der Gl\u00fcckseligen leben, wo der Klassenkampf moderat gestellt ist.<br \/>\nWir haben ihn halt externalisiert. Die m\u00f6rderische Variante findet zum Beispiel in Bangla Desh statt, wo unsere billigen T-Shirts produziert werden und aus Profitgr\u00fcnden Arbeitssicherheit einen Dreck beachtet wird. Mit der Konsequenz, dass mal eben eine Fabrik einst\u00fcrzt und \u00fcber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geb%C3%A4udeeinsturz_in_Sabhar\">1.000 Arbeiterinnen den Tod finden<\/a>.<br \/>\nAlso wenn der Mob hierzulande noch nicht mal am 1. Mai den Arsch hochkriegt, dann soll er sich nicht beschweren. Ohne Druck passiert gar nichts. Und \u00fcber solche Kaspervereine wie attac oder occupy lacht sich doch der ideelle Gesamtkapitalist einen Ast ab.  Das sind feuilletongepufferte Modeerscheinungen von adretten Mittelschichtsj\u00fcnglingen in der Phase vor der Familiengr\u00fcndung. Wenn selbst eine mitunter durchaus in Blut getr\u00e4nkte soziale Kraft wie die Arbeiterbewegung, mit einem millionenfachen Jahrhundertgep\u00e4ck von Organisationserfahrung bewehrt, letztlich mit einem matten Seufzer der Geschichte alle Viere von sich streckt, werden ein paar wohlmeinende online-Petitionen den Marsch des Kapitalismus in den kollektiven Untergang genauso wenig aufhalten wie Ochs und Esel.<br \/>\nBis es aber soweit ist, halten wir ein paar Traditionen aufrecht, wie den formgerechten Gru\u00df zum 1. Mai<br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/GnadenlosGerecht-1.5.2018-Foto-Dirk-1024x742.jpg\" alt=\"GnadenlosGerecht-1.5.2018-Foto Dirk\" width=\"625\" height=\"453\" class=\"aligncenter size-large wp-image-8959\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/GnadenlosGerecht-1.5.2018-Foto-Dirk-1024x742.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/GnadenlosGerecht-1.5.2018-Foto-Dirk-300x217.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/GnadenlosGerecht-1.5.2018-Foto-Dirk-768x556.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/GnadenlosGerecht-1.5.2018-Foto-Dirk-624x452.jpg 624w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/GnadenlosGerecht-1.5.2018-Foto-Dirk.jpg 1466w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><br \/>\n<em>Faust I oder II \u2013 das ist hier die Frage\u2026<\/em> (Foto: Dirk)<br \/>\nUnd die korrekte L\u00e4nge revolution\u00e4rer Ansprachen. Auf die Bitte des hiesigen Versammlungsleiters beim Maifest, ich m\u00f6ge mich bitte kurz fassen mit meinem Beitrag, erwiderte ich dynamisch: \u201eIch orientiere mich da an den <a href=\"http:\/\/www.fidel-castro.de\/Fidels-Reden.html\">Reden des Genossen Fidel Castro<\/a>.\u201c<br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Gnadenlos-Gerecht-1.-Mai-Hannover-2-Foto-Annette-Boll-1024x680.jpg\" alt=\"Gnadenlos Gerecht-1. 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Auch, weil die hier abgebildete Aktion mit den Genossinnen und Kolleginnen mir das Herz erw\u00e4rmte, was angesichts der Arschk\u00e4lte auch bitter n\u00f6tig war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Mai Feier, eine Genossin (in Gewerkschaftszusammenh\u00e4ngen hei\u00dft es eher: Kollegin) mit Geschmack: Lederhandschuhe, farblich passend zum Event. So etwas sch\u00e4tze ich ausserordentlich. Der 1. Mai war aus gewerkschaftlicher Sicht ein Desaster. Wo in den letzten Jahren um die 10.000 Besucher*innen DGBseitig vermeldet wurden (real waren es immer 5.000), waren es heuer 2.000. 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