{"id":9620,"date":"2018-10-03T14:02:33","date_gmt":"2018-10-03T08:02:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=9620"},"modified":"2018-10-03T17:14:18","modified_gmt":"2018-10-03T11:14:18","slug":"03-10-2018-der-abend-war-wegen-der-currywurst-ein-desaster","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=9620","title":{"rendered":"03.10.2018 \u2013 Der Abend war wegen der Currywurst ein Desaster."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/elphi.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/elphi-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"alignnone size-large wp-image-9621\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/elphi-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/elphi-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/elphi-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/elphi-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Elbphilharmonie. Gro\u00dfer Saal.<\/em><br \/>\nDer Mensch besitzt im Gegensatz zum Tier die Gabe der Introspektion, also Selbstbeobachtung, was ihn mitunter nach \u00dcberw\u00e4ltigung seiner Sinne trachten l\u00e4sst, deren Sonderform der Rausch ist. Wer will schon immer sie selbst sein. F\u00fcr den gemeinen <em>Homo Fussballeriensis<\/em>, einer evolution\u00e4ren Stufe zwischen Neandertaler und Br\u00fcllaffe, ist es das Zusch\u00fctten mit Alkohol vor dem Fernseher. F\u00fcr Angeh\u00f6rige der Spezies <em>Sapiens<\/em> kann diese \u00dcberw\u00e4ltigung in Kunst, Liebe, Natur, meinetwegen auch bewusstseinserweiternden Drogen liegen. Stelle anheim.<br \/>\nBei mir erfolgte eine \u00fcberw\u00e4ltigende Sinneserfahrung letzten Sonntag an und in der Elbphilharmonie, der Kultur-Kathedrale der Bourgeoisie schlechthin. Nach der Stra\u00dfen-Aktion am Vortag in L\u00fcneburg war mich nach Luxus, Sinnesgenuss, anderer Welt. Ich war an eine g\u00fcnstige Karte f\u00fcr Bruckners Achte gekommen. \u00dcber fast alle postmodernen Gro\u00dfbauten vom Potsdamer Platz \u00fcber das Humboldtforum bis zur Frauenkirche etc. pp., ist die Fachwelt gespalten, aber das \u00e4sthetische Urteil \u00fcber die Elbphilharmonie war ziemlich einhellig: grandios gelungen. Egal ob man von der Ferne der Landungsbr\u00fccken blickt, von nahem daran hochschaut oder das Interieur genie\u00dft: ich finde es \u00fcberw\u00e4ltigend.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/blick-elphi.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/blick-elphi-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"alignnone size-large wp-image-9622\" srcset=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/blick-elphi-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/blick-elphi-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/blick-elphi-768x576.jpg 768w, http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/blick-elphi-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Der Blick nach drau\u00dfen auf den Hamburger Hafen ist auch nicht von schlechten Eltern.<\/em> Sowas hat Berlin nicht.<br \/>\nUnd endlich mal eine Konzerthaus-Akustik, die mich als Rock\u2019n Roll Sozialisiertem beeindruckte: da kommt Dynamik und Wucht \u00fcber die Rampe, was f\u00fcr so einen F\u00fcrsten des L\u00e4rms wie Bruckner nicht ganz unwichtig ist.<br \/>\nNat\u00fcrlich sind solche Kathedralen auch politisch aufgeladen, wie ihre sakralen Vorg\u00e4nger transportieren sie eine Geschichte von Macht, Unterdr\u00fcckung und Klassenverh\u00e4ltnissen. Aber wie ihre sakralen Vorg\u00e4nger sind profane Kathedralen wie die Elbphilharmonie auch Symbole menschlichen Dr\u00e4ngens nach Fortschritt, Ver\u00e4nderung, letztlich nach einem \u2013 ambivalenten &#8211; Mehr an Zivilisation. Sie sind grandiose Orte von Urbanit\u00e4t und Genuss. Und der Skandal, der ihnen innewohnt, ist ja nicht ihr Preis, sondern ihre Klassengebundenheit. Der Skandal liegt darin, dass eine Gesellschaft, die sich das leisten k\u00f6nnte wie die unsere, es nicht allen erm\u00f6glicht, solche Abende zu genie\u00dfen, sowohl materiell als auch von der \u00e4sthetischen Bildung her. Wer, wenn das gegeben w\u00e4re, sich immer noch vor der Glotze beim Fu\u00dfball zusch\u00fctten will und sonst von der Welt nichts kennt, auch wenn er schon \u00fcberall war, ist dazu herzlich eingeladen. Daf\u00fcr haben wir den freien Willen und die eigene Verantwortung.<br \/>\nLeider gibt es auch f\u00fcr diesen Abend nicht die volle Punktzahl: ich g\u00f6nnte mir im Restaurant der Elbphilharmonie Currywurst und Champagner. Der Schampus, ein Ruinart, war gut. Aber die Currywurst war einfach Schei\u00dfe. W\u00e4re ich ein Snob, w\u00fcrde ich sagen: Der Abend war wegen der Currywurst ein Desaster. Gut, dass ich kein Snob bin. Und jetzt freue ich mich auf die n\u00e4chste Stra\u00dfen-Aktion, am Weltarmutstag, dem 17.10, in der City von Hannover. Bin gespannt, auf welche Sinnes\u00fcberw\u00e4ltigung mich danach gel\u00fcstet. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elbphilharmonie. Gro\u00dfer Saal. Der Mensch besitzt im Gegensatz zum Tier die Gabe der Introspektion, also Selbstbeobachtung, was ihn mitunter nach \u00dcberw\u00e4ltigung seiner Sinne trachten l\u00e4sst, deren Sonderform der Rausch ist. Wer will schon immer sie selbst sein. 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