{"id":10252,"date":"2019-07-13T21:06:21","date_gmt":"2019-07-13T15:06:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=10252"},"modified":"2019-07-13T21:07:21","modified_gmt":"2019-07-13T15:07:21","slug":"13-07-2019-ehrenwerte-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=10252","title":{"rendered":"13.07.2019 \u2013 Ehrenwerte Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/absetzbar.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/absetzbar-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"833\" class=\"alignnone size-large wp-image-10253\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/absetzbar-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/absetzbar-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/absetzbar-624x832.jpg 624w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/absetzbar.jpg 1100w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>AbsetzBar, Berlin-Charlottenburg. <\/em>Eine feine Gegend, in der ehrenwerte Gesellschaft Zuhause ist: Nobelgesch\u00e4fte, B\u00fcrgerh\u00e4user mit allerlei Zierrat, Edelitaliener, jede Menge Anwaltspraxen und Steuerberater, die sich nach gelungenem Vertragsabschluss noch auf einen Absacker in der AbsetzBar treffen und schenkelklopfend dar\u00fcber feixen, ob der Deal eben gerade noch legal war oder nicht. Letzteres nennt man Steuerhinterziehung, ersteres aggressive Steuervermeidung, beides zusammen hat in der BRD eine Gr\u00f6\u00dfenordnung von \u00fcber 200 Milliarden Euro. Per Anno nat\u00fcrlich.<br \/>\nIm Bezirk Berlin-Charlottenburg wohnt der Wei\u00dfe-Kragen-Nazi Thilo Sarrazin, einer der letzten N\u00e4gel zum Sarg der SPD. Dort gelegen ist auch der Walter-Benjamin-Platz, benannt nach meinem Lieblingsphilosophen, einem linken, j\u00fcdischen Freigeist, der auf der Flucht vor den Nazis in den Pyren\u00e4en Selbstmord beging. Am Walter-Benjamin-Platz hat der Architekt Kollhoff eine Platte mit einem antisemitisch konnotierten Text des bis an sein Lebensende 1972 dem Faschismus anh\u00e4ngenden <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ezra_Pound\">Ezra Pound<\/a> im Boden versenken lassen, wozu die <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/berliner-architekturstreit-spiel-mit-der-provokation\/24416220.html\">Architekturhistorikerin Verena Hartbaum schreibt<\/a> \u201e \u2026. (dass) der konservative Architekt eine antisemitische Flaschenpost aus der Zeit des italienischen Faschismus in die deutsche Gegenwart hineingeschmuggelt hat\u201c.<br \/>\n Die Umgebung des Walter-Benjamin-Platz ist \u00fcbrigens \u00fcbers\u00e4t mit Stolpersteinen, die an dort wohnende und sp\u00e4ter ermordete J\u00fcdinnen und Juden erinnern, Charlottenburg war eine Hochburg des gro\u00dfb\u00fcrgerlichen und linken Judentums in Berlin.<br \/>\nWer wie Kollhoff handelt, ist ein Bruder im Geiste von Thilo Sarrazin, Bj\u00f6rn H\u00f6cke, usw. usf. und ein geistiger Brandstifter. Wahnhaften Irren gleich, treibt es solche T\u00e4ter immer wieder an Tatorte, an Orte, die mit dem Grauen des Holocaust kontaminiert sind, sie k\u00f6nnen die Ermordeten nicht ruhen lassen. Der Eine macht es mit der Waffe seiner Halbbildung, der Andere sch\u00e4ndet Gedenkst\u00e4tten mit Springerstiefeln und Brands\u00e4tzen.<br \/>\nIch \u00fcberlegte f\u00fcr einen Moment, mir einen Presslufthammer zu besorgen und die Tafel da rauszubohren. Aber ach, ich bin ein Arbeiter der Stirn und nicht der Faust, und dieses Unterfangen w\u00e4re b\u00f6se geendet (nicht der eventuell f\u00e4llige Knast h\u00e4tte mich geschreckt, dort h\u00e4tte ich endlich mein Opus Magnum beenden k\u00f6nnen, nein, es war mir ausschlie\u00dflich um meine k\u00f6rperliche Unversehrtheit zu tun, ohne Beine flaniert sich\u2019s schlecht).<br \/>\nJa, das Ambiente in Charlottenburg gef\u00e4llt mir gut, die Weine sind fein und erlesen, das Essen, das dort credenzt wird, sagt mir zu und die Garderoben der Damen, die dortselbst flanieren, finden mitunter durchaus mein Wohlgefallen<br \/>\nAber dort wohnen?<br \/>\nLieber 20 qm Platte Marzahn als 100 qm Stuck in Charlottenburg.<br \/>\nZum Schluss ein Bilderwitz, aus meiner derzeitigen Hood Moabit.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/bilderwitz.gif\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/bilderwitz-1024x683.gif\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"417\" class=\"alignnone size-large wp-image-10254\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/bilderwitz-1024x683.gif 1024w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/bilderwitz-300x200.gif 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/bilderwitz-768x513.gif 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/bilderwitz-624x416.gif 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Der Reichstag ein Haus der Kulturen der Welt? Das ist ein echter Br\u00fcller<\/em>.<br \/>\nRichtig ist vielmehr, dass jenes <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Haus_der_Kulturen_der_Welt\">\u201eHaus der Kulturen der Welt\u201c<\/a>  die sogenannte \u201eSchwangere Auster\u201c ist, wo mitunter sensationelle Ausstellungen und Konzerte stattfinden. Einmal \u00fcber die Spree und schon bin ich dabei.<br \/>\nWer braucht da schon Charlottenburg und seine Ehrenwerte Gesellschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>AbsetzBar, Berlin-Charlottenburg. Eine feine Gegend, in der ehrenwerte Gesellschaft Zuhause ist: Nobelgesch\u00e4fte, B\u00fcrgerh\u00e4user mit allerlei Zierrat, Edelitaliener, jede Menge Anwaltspraxen und Steuerberater, die sich nach gelungenem Vertragsabschluss noch auf einen Absacker in der AbsetzBar treffen und schenkelklopfend dar\u00fcber feixen, ob der Deal eben gerade noch legal war oder nicht. 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