{"id":10276,"date":"2019-07-20T13:00:20","date_gmt":"2019-07-20T07:00:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=10276"},"modified":"2019-07-20T22:02:35","modified_gmt":"2019-07-20T16:02:35","slug":"20-07-2019-der-neue-blick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=10276","title":{"rendered":"20.07.2019 \u2013 Der neue Blick"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/andreas-haus.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/andreas-haus-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"alignnone size-large wp-image-10277\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/andreas-haus-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/andreas-haus-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/andreas-haus-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/andreas-haus-624x468.jpg 624w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/andreas-haus.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Drohnen-Blick auf das Hausprojekt eines Freundes, irgendwo in den Weiten der norddeutschen Tiefebene.<\/em><br \/>\nWir sind in der Wahrnehmung unserer Bebauung nur zweidimensional. Wie das, was uns pr\u00e4gt, die Stadt, das Dorf, unseren Alltag ma\u00dfgeblich strukturiert und beeinflusst, von oben aussieht, entzieht sich weitgehend unserem Blick. Wie bedauerlich dieser Mangel ist, sieht man an der Faszination, die Luftbilder auf uns aus\u00fcben, auf mich jedenfalls. Das einzige Foto, das bei mir in der K\u00fcche h\u00e4ngt, ist eine Luftaufnahme unseres Grundst\u00fccks, mit Haus und Garten. Die komplette Sch\u00f6nheit von Gartenanlagen wie dem Gro\u00dfen Garten in Hannover, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gro%C3%9Fer_Garten_(Hannover)\">einem einzigartigen Barockensemble<\/a>, entfaltet sich nur in der Draufsicht. Dieser Mangel an Wahrnehmung ist mit ein Grund f\u00fcr einen uralten Menschheitstraum: Das Fliegen. Als wir dann fliegen konnten, sahen wir allerdings: Nichts. Bis auf Start- und Landebahn. Abgesehen davon, dass die Realisierung dieser Utopie uns aus \u00f6kologischen Gr\u00fcnden jeden Tag dem Abgrund einen Schritt n\u00e4herbringt, was wir Fort-Schritt nennen.<br \/>\nInsofern ist die massenhafte Verf\u00fcgbarkeit von Drohnen ein Schritt der Emanzipation, er befreit uns mittels g\u00fcnstiger technischer Hilfsmittel gefahrlos von der bleiernen Schwere der zwei Dimensionen und l\u00e4sst uns Adlern gleich die L\u00fcfte erobern. Na ja, fast. Ich pers\u00f6nlich bin zu bl\u00f6d f\u00fcr die Technik, die dahintersteht. Der erste Drohnenflug w\u00e4re mein letzter und vermutlich w\u00fcrde ich als Kollateralschaden noch das Flugzeug der Bundeskanzlerin vom Himmel holen, was im Falle von Angela ein Verlust w\u00e4re, menschlich gesehen. So bin ich froh, technikaffine Freunde zu haben, die Einem neue Perspektiven erm\u00f6glichen. Und das ist tats\u00e4chlich das Fortschrittliche an Drohnen: sie erm\u00f6glichen eine neue Sehweise, Ver\u00e4nderung der Perspektive. Fr\u00fcher hat mich das Haus-Projekt, siehe oben, ein wenig gegruselt. Als Mann jenseits aller handwerklichen F\u00e4higkeiten erschien es mir unfassbar, wie man sich auf ein derartiges Projekt einlassen kann, wo au\u00dfer dem Fachwerk alles erneuert werden muss. Nat\u00fcrlich, Pioniergeist, <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Go_West,_young_man\">Go west, young man!<\/a> Aber wie hei\u00dft es auch f\u00fcr Siedlergenerationen: Der Erste den Tod, der Zweite die Not, der Dritte das Brot. Und ich muss nicht \u00fcberall der Erste sein. Pioniergeist ist mir irgendwie wesensfremd.<br \/>\nAber diese Aufnahme hat meine Sichtweise ver\u00e4ndert. Sie bildet nicht mehr die bedr\u00fcckende zweidimensionale Enge und Schwere einer Baustelle ohne Ende ab, sondern wirft einen freien Blick auf das Ganze, die Welt, wie sie wirklich da unten ist, in ihrer ganzen Sch\u00f6nheit.<br \/>\nNat\u00fcrlich sind Drohnen wie viele Fort-Schritte, ambivalent. Sie k\u00f6nnen als Killermaschinen genutzt werden und haben die Vision vom Big Brother in neue Dimensionen gebracht. Aber vielleicht sind sie auch ein Beitrag zur L\u00f6sung des CO2 Problems, indem sie perspektivisch den Warentransport auf der entscheidenden letzten Meile vom Auto befreien.<br \/>\nUnd manchmal bin ich ja doch zumindest ansatzweise auf der H\u00f6he des technischen Fortschritts und sooo dankbar daf\u00fcr. Wenn ich mir vorstelle, ich mit meinem gruseligen Orientierungssinn m\u00fcsste mich in Berlin statt mit Google Maps mit einem Falkplan (f\u00fcr die J\u00fcngeren: ein Faltpapier-Stadtplan, der bei jedem Windhauch ein groteskes Eigenleben ent-faltet) orientieren, entspringt ein Lachanfall meiner Kehle. Eine Nummer f\u00fcr einen Witzfilm.  Man sieht sie mitunter noch in Berlin, Menschen mit Papierpl\u00e4nen, das hat etwas melancholisch-r\u00fchrendes an sich, wo J\u00fcngere vielleicht denken, es sei eine religi\u00f6se Kulthandlung. Dann m\u00f6chte ich zu ihnen gehen, sie umarmen und sagen: Alles wird gut.<br \/>\nAber das w\u00e4re gelogen.<br \/>\nIch freue mich jedenfalls wie ein Schneek\u00f6nig darauf, wenn besagter Pionierfreund demn\u00e4chst mit seiner Drohne Fotos von meinem Garten von oben macht, und ich mitten drin, winkend, an meinem Teich. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drohnen-Blick auf das Hausprojekt eines Freundes, irgendwo in den Weiten der norddeutschen Tiefebene. Wir sind in der Wahrnehmung unserer Bebauung nur zweidimensional. Wie das, was uns pr\u00e4gt, die Stadt, das Dorf, unseren Alltag ma\u00dfgeblich strukturiert und beeinflusst, von oben aussieht, entzieht sich weitgehend unserem Blick. 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