{"id":11105,"date":"2020-06-22T11:52:13","date_gmt":"2020-06-22T05:52:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=11105"},"modified":"2020-06-22T11:52:13","modified_gmt":"2020-06-22T05:52:13","slug":"22-06-2020-stuttgart-und-toennies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=11105","title":{"rendered":"22.06.2020 \u2013 Stuttgart und T\u00f6nnies"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/pop-art.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/pop-art-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" class=\"alignnone size-large wp-image-11106\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/pop-art-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/pop-art-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/pop-art-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/pop-art-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\nPop Art, sehr sch\u00f6ne Ausstellung im <a href=\"https:\/\/www.museumsportal-berlin.de\/de\/ausstellungen\/pop-on-paper\/\">Berliner Kupferstichkabinett<\/a>. Sie zeigt neben Druckgrafiken des notorischen Konsum-Hanswurst Andy Warhol und allerlei Kunsthandwerkged\u00f6ns auch die kritische Seite der Pop Art mit Arbeiten aus dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kapitalistischer_Realismus\">\u201eKapitalistischen Realismus\u201c. <\/a><br \/>\nZum kapitalistischen Realismus heutiger Tage geh\u00f6ren auch die Ausschreitungen des Mobs in Stuttgart. Stuttgart, die verschnarchte Hochburg der sauberen, heilen Welt von Porsche, Mercedes und Kehrwoche, irgendwo hinter den sieben Bergen mit lauter Zwergen wie dem gr\u00fcnen OB Fritz Kuhn und dem ex-Maoisten MP Wilfried Kretschmann? Stuttgart kann \u00fcberall sein.<br \/>\nIch will diese Ausschreitungen junger M\u00e4nner nicht klein reden. Das ist das Potential, aus dem sich fr\u00fcher die SA mobilisierte und das jederzeit wieder abrufbar ist. Wenn es nach mir ginge: Einmal verwarnen und dann Feuer frei. Repression hat auch was Gutes, h\u00e4ngt immer davon ab, gegen wen. Und nat\u00fcrlich ist der Stuttgarter Ober-Polizist ein geschichtsvergessener Dummkopf, wenn er in die Kameras radebrecht, dass das die schlimmsten Gewaltausbr\u00fcche seien, die Stuttgart jemals erlebt habe. <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.80-jahre-reichspogromnacht-in-stuttgart-um-3-uhr-frueh-brannten-die-synagogen-nieder.fdb7111f-8193-4565-8426-e4debcc1405a.html\">Ein Blick zur\u00fcck ins Jahr 1938<\/a>, in die Reichspogrom-Nacht:<br \/>\n<em>&#8222;Mit unvorstellbarem Vandalismus wurden auch in Stuttgart j\u00fcdische Gesch\u00e4fte wie das Kaufhaus Tanne in der T\u00fcbinger Stra\u00dfe, das Radiogesch\u00e4ft Jacobs in der Hauptst\u00e4tter Stra\u00dfe und das Schuhhaus Speier zerst\u00f6rt und gepl\u00fcndert, Juden nachts aus den Betten geholt, geschlagen, misshandelt und verhaftet, und die Synagogen in Brand gesetzt.&#8220; <\/em><br \/>\nDas Benzin dazu stellte die Stuttgarter Feuerwehr zur Verf\u00fcgung.<br \/>\nIn der tranigsten Metropole der Republik also Mob und Dummk\u00f6pfe, alles normal eben.<br \/>\nDer \u00fcblere Hooligan allerdings ist in meinen Augen der Schlachter T\u00f6nnies, seines Zeichens auch Pr\u00e4sident des Fu\u00dfballklubs Schalke 05, was ziemlich exakt die ethische Fu\u00dfball-Fallh\u00f6he beschreibt. Die skandal\u00f6sen Zust\u00e4nde in den Schlachth\u00f6fen der Republik sind bekannt, mit all ihren \u00fcblen Konsequenzen wie die Krokodilstr\u00e4nen der jahrelang sich wegduckenden Politiker. Witze \u00fcber den NRW-Minister-Fleischklops Laumann sind unangemessen, weil sie das Ganze verharmlosen. Wenn sowas Minister werden kann, hab ich das Zeug zum lieben Gott.<br \/>\nWas in den Schlachth\u00f6fen durch Kreaturen wie T\u00f6nnies exekutiert wird, ist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Strukturelle_Gewalt\">strukturelle Gewalt<\/a> und schlimmer als individuell sich austobender SA-Mob. Brecht bringt das Prinzip strukturelle Gewalt auf den Punkt, lange bevor dieser Begriff in akademischen und linken Zirkeln der 70er kursierte:<br \/>\n<em> \u201eEs gibt viele Arten zu t\u00f6ten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg f\u00fchren usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.\u201c<\/em><br \/>\nDiese Definition hat aber einen Rattenschwanz an ethischen Problemen und Fragen, denen wir, liebe Leserinnen, uns in der n\u00e4chsten Stunde widmen wollen. B\u00fcrgerliche Staatsrechtler und Alk-68er wissen schon, wohin jener Hase hoppelt, der gerne mal linke Haken schl\u00e4gt\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pop Art, sehr sch\u00f6ne Ausstellung im Berliner Kupferstichkabinett. Sie zeigt neben Druckgrafiken des notorischen Konsum-Hanswurst Andy Warhol und allerlei Kunsthandwerkged\u00f6ns auch die kritische Seite der Pop Art mit Arbeiten aus dem \u201eKapitalistischen Realismus\u201c. 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