{"id":13760,"date":"2023-05-04T12:43:32","date_gmt":"2023-05-04T06:43:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13760"},"modified":"2023-05-04T18:06:07","modified_gmt":"2023-05-04T12:06:07","slug":"04-05-2023-gehen-sie-mal-mit-einer-kipa-durch-neukoelln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13760","title":{"rendered":"04.05.2023 \u2013 Gehen Sie mal mit einer Kippa durch Neuk\u00f6lln"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Columbiahalle-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Columbiahalle-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13761\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Columbiahalle-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Columbiahalle-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Columbiahalle-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Columbiahalle-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Columbiahalle-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Columbiahalle-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Columbiahalle, Kreuzberg Ecke Tempelhof. Ikonische Sch\u00f6nheit der F\u00fcnfziger. Vor sowas k\u00f6nnte ich stundenlang verweilen, ein Profanbau mit sakraler Aura. Diese Komposition aus \u00fcppig geschwungenen Rundungen des Geb\u00e4udekorpus und der n\u00fcchternen Winkligkeit des Eingangs ist ein rarer Gl\u00fccksfall f\u00fcr \u00c4stheten. Auch das eine metropole Kathedrale. Was da sonst so in Berlin aktuell oft gebaut wird, ist eine gesichtslose, austauschbare Schande, getrimmt auf Effizienz und Funktionalit\u00e4t und zerst\u00f6rt mittelfristig den Charme der Hauptstadt mit ihrer dezentralen Vielfalt und Diversit\u00e4t. Allein der Rundblick im Ankommen am Hauptbahnhof ist ein deprimierender auf lauter 08\/15 Einheits-Quader, w\u00e4re da nicht die Sichtachse auf Reichstag, Kanzleramt und Schweizer Botschaft.<br \/>Aber die Kritik am St\u00e4dtebau ist bekannt, da haben schon Kompetentere als ich was zu geschrieben. Kritik: Zu meiner Kritik an der DGB-Latschdemo der Generation \u201eHackenporsche\u201c am 1. Mai geb\u00fchrt der Wahrheit die Ehre zu geben und zu erw\u00e4hnen, dass ich selber dieser Generation angeh\u00f6re und nicht nur seit Jahrzehnten kaum eine DGB-1. Mai-Latschdemo vers\u00e4umt, sondern vielmehr mehrfach als Mairedner zumindest in kleineren St\u00e4dten in Niedersachsen versucht habe, die proletarischen Massen zum Klassenkampf zu agitieren. Was nie erfolgreich, aber mir stets ein Vergn\u00fcgen war. Und Erkenntnis, wurde ich doch so agierender, eingreifender Zeitzeuge der absterbenden letzten Rituale der Arbeiter*innenbewegung, ohne die die Republik nicht das w\u00e4re, was sie ist im positiven Sinn. Und den hat sie bei aller Kritik. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, 5-Tage Woche, demn\u00e4chst 4, existenzsichernde L\u00f6hne zumindest f\u00fcr den Gro\u00dfteil der Tarifbesch\u00e4ftigten, Ans\u00e4tze von Gleichberechtigung usw. usf., ohne die Existenz von Gewerkschaften w\u00e4re unsere Gesellschaft ein Ort schrankenloser Ausbeutung durch das Kapital.<br \/>Insofern ist der aktuelle Bedeutungs- und Funktionsverfall der Gewerkschaften, der sich in der, von mir polemisch sur le point gegarten, \u00dcberalterung ihrer aktiven Klientel nur unzureichend widerspiegelt, eine h\u00f6chst bedenkliche und radikal zu kritisierende Zeiterscheinung. 30 Prozent Mitglieder weniger in den letzten 20 Jahren. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei der evangelischen Kirche \u00fcbrigens \u00e4hnlich, etwas weniger bei den Katholiken, allerdings mit wachsender Tendenz. Zugenommen hat migrationsbedingt die Zahl der Muslime und der Orthodoxen. Dass diese wachsende Diversit\u00e4t einen Beitrag zu mehr Fortschritt und Emanzipation in unserer Gesellschaft geleistet hat, kann allerdings nur behaupten, wer mit einer rosaroten Brille in einer Welt vor 30 Jahren lebt. Oder in einem Schickimickiviertel mit einem drastisch unterdurchschnittlichen und nicht repr\u00e4sentativen Migrationsanteil. Gehen Sie mal mit einer Kippa durch Neuk\u00f6lln, dann werden Sie verstehen, was ich meine. Oder predigen Orthodoxen Gleichberechtigung von Frauen, Minderheiten, LGBTQ \u2026 Mit der Diversit\u00e4tskultur ist das eben so eine Sache. Auch diese muss einer radikalen und offenen Kritik unterzogen werden, verhindert sie doch in ihrer ausufernden und ausgedehnten Beliebigkeit des \u201eJede ist eine Benachteiligte\u201c kollektive Gegenwehr gegen einen klar konturierten Gegner, das Kapital. Wohingegen die Diversit\u00e4tsapostelinnen hinter jeder Ecke und \u00c4u\u00dferung Diskriminierung wittern. Aber wo alles m\u00f6glich ist, ist letztlich nichts mehr greifbar.<br \/>Soweit zur Konkretion der Kritik. Grunds\u00e4tzlich ist die edelste und radikalste Form der Kritik, und der Reflexion, die Selbstkritik und Selbstreflexion. Durch die scharfen Konturen der radikalen Kritik der Verh\u00e4ltnisse, und die Kritik kann nur radikal sein, denn die Verh\u00e4ltnisse sind es, die radikal sind, sollte immer die eigene Position schimmern, wie die Morgenr\u00f6te im Tau des beginnenden Tages. Mehr Poesie krieg ich heute nicht in die Tasten gezimmert. Ende Gel\u00e4nde erstmal. Profanes zum Schluss: In der Columbiahale habe ich mal <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-T2MIGuA8p4\">UB40<\/a> geh\u00f6rt. Glaube ich. Es waren die Achtziger &#8230;Von den Gruppen, die da heute auftreten, kenne ich nicht eine einzige mit Namen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Columbiahalle, Kreuzberg Ecke Tempelhof. Ikonische Sch\u00f6nheit der F\u00fcnfziger. 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