{"id":13774,"date":"2023-05-08T13:35:50","date_gmt":"2023-05-08T07:35:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13774"},"modified":"2023-05-08T13:39:27","modified_gmt":"2023-05-08T07:39:27","slug":"08-05-2023-ueber-das-phaenomen-der-ruckartig-sich-umdrehenden-koepfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=13774","title":{"rendered":"08.05.2023 \u2013 \u00dcber das Ph\u00e4nomen der ruckartig sich umdrehenden K\u00f6pfe"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/weil.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"822\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/weil-1024x822.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13775\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/weil-1024x822.jpg 1024w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/weil-300x241.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/weil-768x616.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/weil-1536x1233.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/weil-2048x1644.jpg 2048w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/weil-624x501.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Der nieders\u00e4chsische Ministerpr\u00e4sident Stephan Weil beim Jahresempfang des Katholischen B\u00fcros, der Lobbyvertretung der katholischen Kirche im parlamentarischen Raum. Kein Ministerpr\u00e4sident, egal in welchem Bundesland, w\u00fcrde es sich nehmen lassen, das Gru\u00dfwort bei dieser Gelegenheit zu sprechen, und zwar jedes Jahr. Bedeutungsverlust der Kirchen in s\u00e4kularen Zeiten hin oder her, sie haben nach wie riesigen Einfluss und Gestaltungsmacht und sind zentrale Akteure nicht nur in der Sozialpolitik. Ihre Wohlfahrtsverb\u00e4nde Caritas und Diakonie mit Kitas, Heimen, Krankenh\u00e4usern, Beratungen etc. pp.\u00a0 sind die gr\u00f6\u00dften Arbeitgeber im Land. Die personellen Verbindungen, materiellen Interessen und ideologischen \u00dcbereinstimmungen der Eliten der Gesellschaft von Kirche und Staat geh\u00f6ren nach wie vor zu den Fundamenten der Demokratie. Vor aller berechtigten Kritik daran geh\u00f6rt die Kenntnis dieser Zusammenh\u00e4nge zum Grundwissen von Demokratietheorie, politischer Theorie schlechthin.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so ist es professionelle Notwendigkeit f\u00fcr sozialpolitische Akteure, bei solchen Anl\u00e4ssen Flagge zu zeigen, sich den Arsch breit zu sitzen, beim B\u00fcffet die Ellbogen auszufahren (katholische B\u00fcffets sind die besten, das diesbez\u00fcgliche ungenie\u00dfbare Grauen obwaltet bei Gewerkschaften) und mit befreundeten Anwesenden \u00fcber den Rest der Gesellschaft zu l\u00e4stern. Man nennt das Netzwerken.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier werden eher selten direkte Entscheidungen getroffen, daf\u00fcr sind nach 22 Uhr einige Protagonisten zu besoffen, die Alkoholismus-Quote unter Parlamentarier*innen, und im vorliegenden Fall in der katholischen Kirche, d\u00fcrfte \u00fcberdurchschnittliche hoch sein. Hier wird nicht geerntet, sondern eher die zarte Saat ausges\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem ist das hochinteressanter soziologischer Anschauungsunterricht \u00fcber den Habitus unserer Eliten, zumindest f\u00fcr jemanden wie mich, der nicht dazu geh\u00f6rt: wie reden die, welches kulturelle Setting herrscht da vor, was ziehen die an., etc. pp. &nbsp;Soziologie des Alltags, die mehr Erkenntnis vermittelt als B\u00e4nde voller Ideologiekritik und schlaue Zeitungslekt\u00fcre.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt neben Gru\u00dfworten bei sowas auch immer eine Art kulturelles Rahmenprogramm, z. B. Festvortr\u00e4ge von Ex-S\u00fcddeutsche Heribert Prantl, in der rebellischen Version Richard David Precht und in frauenbewegten Zusammenh\u00e4ngen von Alice Schwarzer, wobei die letzteren jetzt eher weniger gefragt werden, weil sie einen Tick zu weit weg vom bellizistischen Mainstream sind. Sowas bedeutet mitunter nennenswerte materielle Einbu\u00dfen, die Honorare bei den Elitenverb\u00e4nden f\u00fcr solche Jobs betragen mehrere tausend Euro. Pro Abend, nicht im Jahr. Precht und Schwarzer werden es \u00fcberleben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/tietjen.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"981\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/tietjen-1024x981.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13776\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/tietjen-1024x981.jpg 1024w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/tietjen-300x287.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/tietjen-768x736.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/tietjen-1536x1471.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/tietjen-2048x1962.jpg 2048w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/tietjen-624x598.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Michael Berger und Bettina Tietjen beim Empfang des Katholischen B\u00fcros im, so der offizielle Titel: \u201eGespr\u00e4ch \u00fcber Gott und die Welt\u201c. Michael Berger war Leiter der landespolitischen Redaktion der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und Bettina Tietjen ist Talkshowmasterin des NDR. Berger ist noch nie auch nur durch den Hauch eines kritischen oder gar originellen Gedankens aufgefallen, er oszilliert zwischen gediegenem sakkogest\u00fctzen Konservatismus und Alter-Sack-Reaktion\u00e4r. Einlassung beim Empfang: \u201eDie heutige politische Korrektheitspolizei (Gendersprache, ick h\u00f6r dir trapsen, d. A.) erinnert mich an die DDR und Stasi 2.0\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tietjen moderiert in ebenso unorigineller, unkritischer und v\u00f6llig \u00fcberdrehter Schwatzhaftigkeit kumpelhaft alles weg, was ihr vor die Mikrofone kommt. Eher ist ein Tsunami mit einer Sch\u00f6pfkelle aufzuhalten als ihr Sprechdurchfall. Eitel und kokett ihre Einlassung: \u201eHuch, ich rede schon wieder so viel. Soll ich eine Pause machen oder aufh\u00f6ren?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz, leider nicht halblaut, eher vernehmlich die meinige dazu: \u201eJa bitte, es w\u00e4re eine Erl\u00f6sung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ph\u00e4nomen der ruckartig sich umdrehenden K\u00f6pfe kenne ich schon.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde trotzdem noch ein sch\u00f6ner Abend. Ich musste nur drauf achten, meinem befreundeten Nachbarn ab und zu den Ellbogen die Rippen zu rammen. Der zieht bei sowas immer die Notwehrkarte und pennt regelm\u00e4\u00dfig ein. Wir haben ein Agreement: Wenn er anf\u00e4ngt zu schnarchen, gibt\u2019s den Ellbogen. Daf\u00fcr holt er unseren ersten Wein vom B\u00fcffet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der nieders\u00e4chsische Ministerpr\u00e4sident Stephan Weil beim Jahresempfang des Katholischen B\u00fcros, der Lobbyvertretung der katholischen Kirche im parlamentarischen Raum. 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