{"id":14145,"date":"2023-08-21T13:39:01","date_gmt":"2023-08-21T07:39:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14145"},"modified":"2023-08-21T13:39:01","modified_gmt":"2023-08-21T07:39:01","slug":"21-08-2023-ort-der-hoechsten-beachtungsstufe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14145","title":{"rendered":"21.08.2023 \u2013 Ort der h\u00f6chsten Beachtungsstufe"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/henne-sueterlin.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/henne-sueterlin-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14146\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/henne-sueterlin-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/henne-sueterlin-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/henne-sueterlin-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/henne-sueterlin-624x832.jpg 624w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/henne-sueterlin.jpg 1388w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bz-berlin.de\/archiv-artikel\/henne-alt-berliner-wirtshaus-mit-kultstatus\">Die Henne,<\/a> \u00fcber 100 Jahre alte Kreuzberger Wirtshaus-Legende, direkt an der leider nicht mehr existierenden Mauer gelegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Mythenumwehten Orte, deren auratische Mauern von jahrzehntelanger Alltagsgeschichte getr\u00e4nkt sind, sterben auch in Berlin immer mehr aus. Ich kannte die Henne nicht, bin beim Flanieren, wozu sich das nahegelegene Engelbecken mit seinen Schildkr\u00f6ten und Reihern excellent eignet, per Zufall drauf gesto\u00dfen. Die S\u00fctterlinschrift signalisierte mir sofort: Ort der h\u00f6chsten Beachtungsstufe.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo haben Sie, liebe Leserinnen, das letzte Mal ein Schild mit S\u00fctterlinschrift an einem noch praktizierenden Ort gesehen? In einer Zeit, in der die Gegenwart einen unbarmherzigen Feldzug gegen die Vergangenheit f\u00fchrt, alles im rasenden Takt der Ver\u00e4nderung den G\u00f6ttern der maximalen Effizienz, des normierten Konsums und der erbarmungslosen Profitoptimierung geopfert wird, sind solche authentischen Orte Ankerpl\u00e4tze der Mu\u00dfe, des Verweilens, der Beschaulichkeit. Leuchtt\u00fcrme der Orientierung in einem Meer von austauchbarer Beliebigkeit. Wenn wir der Vergangenheit beraubt werden, verlieren wir die Zukunft, irren als geschichtslose blinde Grottenolme durch einen be\u00e4ngstigenden Nebel, kein Ziel erkennbar, keine Orientierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Entweder berauben uns die Herrschenden der Vergangenheit, l\u00fcgen sie um oder verkitschen sie durch Disneybauten, siehe Humboldtforum oder auch Frauenkirche. Diese Orientierungslosigkeit produziert katastrophale gesellschaftliche Folgekosten; Werte, Normen und Kollektive, die das vermitteln, verschwinden immer mehr. Aus dem Zoon politikon,  Menschen als soziales Wesen, wird der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Idiotes\">Idiotes<\/a>, der Idiot,  das Individuum, das sich aus allen Angelegenheiten der Gemeinschaft heraush\u00e4lt. Die Idioten privatisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass das ungesund ist, ist evident, der Verbrauch von Psychopharmaka explodiert ebenso wie psychische Erkrankungen, auch im \u201enormalen\u201c Alltag drehen die Bekloppten und Bescheuerten immer mehr durch und das gesellschaftlich immer mehr bevorzugte Krisenl\u00f6sungsmodell ist der Faschismus. W\u00e4re ich Psychoklempner, w\u00fcrde ich diese Angst- und Aggressionsgetriebene Sehnsucht nach radikalen, m\u00f6rderischen L\u00f6sungen als zu therapierenden Hilfeschrei deuten. Ich bin aber eher Antifaschist und dieses Psychoges\u00e4ftel geht mir auf die Eier. Was also tun?<\/p>\n\n\n\n<p>Unter anderem m\u00fcsste \u201eAntifaschismus\u201c als Staatsziel in die Verfassung, hier ein guter <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/die-antifaschismus-falle-weshalb-eine-neue-klausel-in-den-verfassungen-ueberfluessig-und-einseitig-ist-ld.1612670\">Artikel aus der NZZ <\/a>dar\u00fcber, der sich zwar dagegen ausspricht, aber sehr kenntnisreich ist .<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn das f\u00fcr sich erstmal keine konkrete Gestaltungsmacht h\u00e4tte, allein das Wording w\u00fcrde sich sofort komplett \u00e4ndern, weil dann die bis weit in b\u00fcrgerliche und liberale Kreise permanent diskriminierende Verwendung des Begriffes Antifaschismus geringer w\u00fcrde. Diskurse w\u00fcrden immer auf den verfassungsm\u00e4\u00dfigen Auftrag des Antifaschismus rekurrieren, konkrete Folge: Antifaschismusprojekte w\u00e4ren leichter zu finanzieren und eine wirklich schwachsinnige Idee wie die geplante K\u00fcrzung der Mittel f\u00fcr politische Bildung h\u00e4tte es wesentlich schwerer. Ich w\u00fcrde im \u00f6ffentlichen Diskurs sofort die Verfassungskeule rausholen und argumentieren: Mit diesem K\u00fcrzungs-Vorschlag stehen Sie nicht mehr auf dem Boden des GG.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genau wegen sowas liebe ich Orte wie die Henne und halte im Zweifel sofort Einkehr zwecks oraler Inhalation diverser Feuchtgetr\u00e4nke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Henne, \u00fcber 100 Jahre alte Kreuzberger Wirtshaus-Legende, direkt an der leider nicht mehr existierenden Mauer gelegen. Diese Mythenumwehten Orte, deren auratische Mauern von jahrzehntelanger Alltagsgeschichte getr\u00e4nkt sind, sterben auch in Berlin immer mehr aus. 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