{"id":14188,"date":"2023-09-05T12:31:27","date_gmt":"2023-09-05T06:31:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14188"},"modified":"2023-09-05T12:33:26","modified_gmt":"2023-09-05T06:33:26","slug":"05-09-2023-schuerzenjaeger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14188","title":{"rendered":"05.09.2023 \u2013 Sch\u00fcrzenj\u00e4ger"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>BILD<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/120419Allerzeitung-Meinersen-Kunsthausierer.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"945\" height=\"818\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/120419Allerzeitung-Meinersen-Kunsthausierer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14189\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/120419Allerzeitung-Meinersen-Kunsthausierer.jpg 945w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/120419Allerzeitung-Meinersen-Kunsthausierer-300x260.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/120419Allerzeitung-Meinersen-Kunsthausierer-768x665.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/120419Allerzeitung-Meinersen-Kunsthausierer-624x540.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 945px) 100vw, 945px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Aus dem Archiv. Ohne Entertainment geht hier gar nichts, da kann das Thema so ernst sein wie es will. Es gilt das Diktum vom Meister: Der beste Weg zum Nachdenken f\u00fchrt \u00fcber ein Lachen. (Walter Benjamin, bedeutendster Philosoph des 20. Jahrhunderts, als Jude und radikaler, undogmatischer Linker von den Nazis in den Tod gehetzt, starb auf der Flucht 1940. Zocker, Drogenfreak von Opium \u00fcber Haschisch bis Mescalin, Sch\u00fcrzenj\u00e4ger, entdeckte in 30ern Ibiza als locus amoenus, also 30 Jahre vor den Hippies.) Ich w\u00fcrde erg\u00e4nzen: Der beste Weg zum Nachdenken f\u00fchrt \u00fcber ein Lachen, das im Halse stecken bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Zusammenhang von Prekarit\u00e4t und Kulturwirtschaft geh\u00f6rte schon immer (na ja, ab der Volksschule, vorher noch nicht) meine besondere Aufmerksamkeit. Die Branche Kulturwirtschaft mit ihren diversen Unterabteilungen wie Literatur \u00fcber Kunst bis Film, Presse, Software etc. ist mittlerweile die drittgr\u00f6\u00dfte in der BRD und wie keine von prek\u00e4rer Besch\u00e4ftigung und Bezahlung, von Armut, vor allem im Alter, gekennzeichnet. Das wird in der Jugend als Boheme-Verhei\u00dfung glorifiziert, Hauptsache, ich mach irgendwas mit Kultur, in reiferen Jahren mit Sorge und Skepsis betrachtet und im fortgeschrittenen Alter als Not und Elend erfahren. Wenn die politischen Verh\u00e4ltnisse prek\u00e4r werden, also zunehmend autorit\u00e4r, repressiv, v\u00f6lkisch, klerikal, reaktion\u00e4r, all das, was wir in Gesellschaften am \u00dcbergang zum Faschismus erleben, geht es der Kulturbranche zuerst an den Kragen. Missliebige Kultur wird nicht mehr gef\u00f6rdert, Zensur, Gewalt gegen entartete Kunst, ein Blick in die USA, nach Ungarn, T\u00fcrkei, auf den Balkan, reicht; von L\u00e4ndern mit islamistischem Faschismus wie Iran, Afghanistan ganz zu schweigen, oder China, Russland, die Kette wird immer endloser, wobei der Komparativ zu \u201eendlos\u201c Bl\u00f6dsinn ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleiben wir bei \u201euns\u201c: Mit dem hiesigen Kulturkampf zwischen rechts und links werden die sozialen und \u00f6konomischen Umw\u00e4lzungen im Interesse von Kapital und Eliten einerseits verdeckt, aber andererseits vorbeibereitet und vorangetrieben. Mit dem Kulturkampf werden die K\u00f6pfe des Mobs verkleistert und ideologisch zugerichtet. Sch\u00f6nes Beispiel: Gendersprache, Diversit\u00e4t. Eine Petitesse, ein vollkommener Nebenwiderspruch, l\u00e4cherliche Angelegenheit, im Vergleich zur Gender-Pay-Gap. Da bildet man und frau sich eine Meinung zu, praktiziert das irgendwie, diskutiert paarmal und gut ist, dann geht\u2019s an die wesentlichen Dinge, wie die zunehmenden Verheerungen des Kapitalismus. Stattdessen wird hier seit Jahren ein Gender-Popanz aufgebaut und gekeift und gezetert, als w\u00fcrde daran das Abendland untergehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrenddessen <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/rechte-uebergriffe-auf-bibliotheken-eine-publikation-gibt-handlungshilfen-dlf-kultur-105fdc3e-100.html\">st\u00f6ren Rechte<\/a> hier massiv und zunehmend Veranstaltungen in Bibliotheken, die nicht in ihr Weltbild passen. Von da bis zu B\u00fccherverbrennungen ist nicht weit. Das ist kein qualitativer Sprung mehr, nur ein paar Schritt weit entfernt. Die K\u00fcnstler*innen sind immer als erstes dran, an ihnen exerziert aufkommender Faschismus als erstes exemplarisch, was dem Rest droht, wenn er sich nicht f\u00fcgt. K\u00fcnstler*innen, J\u00fcd*innen, Queere. Also im Kapitalismus Prekarit\u00e4t und Armut, im Faschismus Gewalt, Vertreibung, siehe Benjamin, oder Tod, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erich_M%C3%BChsam\">wie Erich M\u00fchsam,<\/a> den die Nazis gleich nach Macht\u00fcbernahme zu Tode folterten <\/p>\n\n\n\n<p>Man sollte also meinen, dass oberste Pflicht und Ehre der Kulturschaffenden angesichts des Rechtsrucks in unserer Gesellschaft die intervenierende Wahrnehmung eines politischen Mandats sei, also das aktive, konkrete Eingreifen in die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse. Raus aus den Museen, Theatern, Poptempeln und rein in die sozialen Brennpunkte, zum Beispiel. Muss ja nicht gleich Nazis boxen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was is? Nix is. Ich h\u00f6r nix von Dir, Genosse Kulturschaffender. Still ruht der See, au\u00dfer bisschen politisches Gepl\u00e4nkel auf Theaterb\u00fchnen und paar Aufrufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn aus der Stille des Sees nicht mal irgendwann eine Friedhofsruhe wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie krieg ich jetzt die Kurve ins Positive, Vers\u00f6hnliche, Heitere? Vielleicht so: Als Meditation f\u00fcr Heute sp\u00fcren wir dem Klang des Wortes \u201eSch\u00fcrzenj\u00e4ger\u201c nach und schauen, was es f\u00fcr Bilder in uns hervorruft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BILD Aus dem Archiv. Ohne Entertainment geht hier gar nichts, da kann das Thema so ernst sein wie es will. Es gilt das Diktum vom Meister: Der beste Weg zum Nachdenken f\u00fchrt \u00fcber ein Lachen. (Walter Benjamin, bedeutendster Philosoph des 20. 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