{"id":14461,"date":"2023-11-23T14:52:28","date_gmt":"2023-11-23T08:52:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14461"},"modified":"2023-11-23T14:58:09","modified_gmt":"2023-11-23T08:58:09","slug":"23-11-2023-ueber-die-abwesenheit-von-routine-normalalltag-und-langeweile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14461","title":{"rendered":"23.11.2023 \u2013 \u00dcber die Abwesenheit von Routine, Normalalltag und Langeweile."},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/130807Wochenblatt-Kunst-am-Kiosk.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"808\" height=\"635\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/130807Wochenblatt-Kunst-am-Kiosk.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14462\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/130807Wochenblatt-Kunst-am-Kiosk.jpg 808w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/130807Wochenblatt-Kunst-am-Kiosk-300x236.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/130807Wochenblatt-Kunst-am-Kiosk-768x604.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/130807Wochenblatt-Kunst-am-Kiosk-624x490.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 808px) 100vw, 808px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Aus den Archiven, Wochenblatt 07.08.2013. Kunst am Kiosk. Ich wei\u00df nicht, was die schr\u00e4gste Kunst-Aktion war, die ich gemacht habe, aber die geh\u00f6rt mit unter die Top 5. Musik, Performance, Kabarett im laufenden Betrieb eines Kiosks. Kioske sind eine hann\u00f6versche Institution, in Berlin sind das Sp\u00e4tis, im Pott B\u00fcdchen. Verkaufsstationen jenseits von Superm\u00e4rkten f\u00fcr den t\u00e4glichen Bedarf wie Alkohol, Zigaretten, S\u00fc\u00dfigkeiten, Zeitungen, fast rund um die Uhr ge\u00f6ffnet, \u00fcberwiegend von Familien mit ausl\u00e4ndischen Wurzeln betrieben und von nicht zu untersch\u00e4tzender sozialer Funktion im Kiez. Treffpunkt, Austausch, Nachbarschaftshilfe, vielfach f\u00fcr Menschen, die sich Kneipenbesuche nicht leisten k\u00f6nnen. Letzter Ort gesellschaftlicher Teilhabe. Der t\u00fcrkische Imbiss \u201eHades\u201c in meinem Kreuzberger Domizil ist ein Hybrid zwischen Kiosk und Kneipe. Manche dieser Institutionen sind \u201eKult\u201c, wie der Hades oder auch Onkel Olli&#8217;s Kiosk oben, in der studentisch und migrantisch gepr\u00e4gten Nordstadt von Hannover. Onkel Olli war Gr\u00fcndungsmitglied und Ikone der hiesigen \u201eDie Partei\u201c und f\u00fcr unsere Aktion sofort bereit. Schade, dass es von der Aktion kein Video gibt. Die meisten Leute w\u00fcrden vermutlich glauben, dass sei gefakt, was da passierte, sowas g\u00e4be es in Wirklichkeit nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Was diese Orte auszeichnet: Man wei\u00df im Gegensatz zu normaler Restauration oder Kneipe nie so genau, was demn\u00e4chst passiert. Es ist also die Abwesenheit von Routine, Normalalltag und Langeweile.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es ist eine andere soziale Wirklichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Politikerinnen, Verbandsfunktion\u00e4re, die meisten sozialpolitischen Akteure haben \u00fcberwiegend wenig Ahnung, wovon sie reden, wenn sie von Armut, Ausgrenzung, Spaltung der Gesellschaft reden. Sie reden \u00fcber Menschen, statt mit ihnen. Das merkt man an Sprache, Habitus und in letzter Konsequenz auch an realer Politik. FDP, Merz und Konsorten ist es nicht zu ver\u00fcbeln, wenn sie aktuell den Klassenkampf von oben brutalisieren. Sie vertreten ihr eigenes Interesse und das ihrer Klasse. (Wobei ich mich bei manchen Charaktermasken aus CDU, FDP, aber auch rotgr\u00fcn, frage, ob die sich dar\u00fcber im Klaren sind, dass sie keinesfalls zur herrschenden Klasse geh\u00f6ren, sondern bestenfalls zur Kaste der Handlanger. Aber das ist eine andere Geschichte.) Aber bei Anderen frage ich mich schon, wann die das letzte Mal f\u00fcr wie lange aus ihrer Blase rausgekommen sind und in wessen Interesse die Politik oder ihren Job machen &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal wird die reale Politik aber regelrecht von \u00f6ffentlicher und ver\u00f6ffentlichter Meinung \u00fcberrollt. Vor nicht allzu langer Zeit war weitgehend unstrittig, zumindest jenseits der notorisch-neoliberalen Dauerquerulanten, dass die Umbenennung des stigmatisierenden Begriffs \u201eHartz-IV\u201c in B\u00fcrgergeld ebenso notwendig sei wie die ausstehende Erh\u00f6hung um 61 Euro im Monat ab 01.01.24, um wenigstens ansatzweise die enorme Inflation gerade bei Grundnahrungsmitteln abzufedern. Nicht ann\u00e4hrend ausreichend, das Ganze. Alle Expertinnen von Sozialverb\u00e4nden gehen davon aus, dass mindestens 200 Euro mehr f\u00fcr eine menschenw\u00fcrdige Existenz notwendig w\u00e4ren. Aber wo k\u00e4men wir da hin, wenn wir auf Fachleute h\u00f6ren, siehe auch Klimaschutz.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb k\u00fcrzester Zeit ist diese Diskussion vollst\u00e4ndig gekippt, von Akzeptanz hin zu aggressiv ablehnender Abwehr und kein Schwein kann sich auch nur noch vage daran erinnern, dass vor ein paar Monaten, ach, was sag ich, paar Wochen, der Diskurs in eine komplett andere Richtung gegangen war. Und hinterher wundern sich alle im Chor, wieso die Demokratie-Feinde erdrutschartig wie gerade bei den K\u00e4sk\u00f6ppen in den Niederlanden eine Wahl nach der anderen gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Ressourcen, die sind endlich. Wie Erd\u00f6l. Und es gibt welche, die sind unbegrenzt. Wie Windkraft und Sonnenenergie. Und menschliche Bl\u00f6dheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus den Archiven, Wochenblatt 07.08.2013. Kunst am Kiosk. Ich wei\u00df nicht, was die schr\u00e4gste Kunst-Aktion war, die ich gemacht habe, aber die geh\u00f6rt mit unter die Top 5. Musik, Performance, Kabarett im laufenden Betrieb eines Kiosks. Kioske sind eine hann\u00f6versche Institution, in Berlin sind das Sp\u00e4tis, im Pott B\u00fcdchen. Verkaufsstationen jenseits von Superm\u00e4rkten f\u00fcr den [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14461"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14461"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14461\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14469,"href":"https:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14461\/revisions\/14469"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14461"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14461"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schuppen68.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14461"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}