{"id":14929,"date":"2024-04-04T10:46:51","date_gmt":"2024-04-04T04:46:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14929"},"modified":"2024-04-04T18:00:11","modified_gmt":"2024-04-04T12:00:11","slug":"04-04-2024-cannabis-pro-und-dafuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14929","title":{"rendered":"04.04.2024 \u2013 Cannabis Pro und Daf\u00fcr"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240402_160158.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"819\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240402_160158-819x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14930\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240402_160158-819x1024.jpg 819w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240402_160158-240x300.jpg 240w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240402_160158-768x960.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240402_160158-1228x1536.jpg 1228w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240402_160158-624x780.jpg 624w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/20240402_160158.jpg 1498w\" sizes=\"(max-width: 819px) 100vw, 819px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Gesehen an einer Kneipe in Hannover-Linden. Vom soziologischen Typus her eine der letzten zwei Kneipen in diesem Kiez, in der eher Angeh\u00f6rige des Prekariats verkehren. Es gibt in diesem ehemaligen Arbeiterviertel noch eine Kneipe, die man fr\u00fcher Arbeiterkneipe genannt hat. Sonst nur unz\u00e4hlige Szenekneipen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor vielen Jahren gab es hier auch noch eine Kneipe, eher Restaurant, des gehobenen hiesigen B\u00fcrgertums: Der Ratskeller. Die Kellner trugen Westen und typische Speise war der Filettopf mit Rahmchampignons. Typische Speise in den damals ungez\u00e4hlten Arbeiterkneipen hier, Treffpunkte des Facharbeiteradels der SPD-Ortsvereine und Gewerkschaftskungelrunden: Bauernfr\u00fchst\u00fcck. &nbsp;In den Kneipen des Prekariats, Marx h\u00e4tte gesagt: klassenloses Lumpenproletariat, gab es keine Speisen, und Formen organisierter Kollektivit\u00e4t fanden hier nicht statt. Auf meinen fr\u00fcheren sozioethnologischen Exkursionen durch die hiesige Kneipenlandschaft stand mein Urteil nach nur einem Rundblick auf Interieur und Personal fest, im Falle der Prekariatskneipen lautete es stets: Danach kommt nur noch die Parkbank.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich trinkt im Freien, im Umfeld von Kiosken, B\u00fcdchen, Sp\u00e4tis, mittlerweile auch Superm\u00e4rkten, wer sich Kneipen nicht mehr leisten kann. Oder noch nicht, wie die Myriaden unz\u00e4hliger Studis, die hier schlimmer als Heuschrecken einfallen, zum n\u00e4chtlichen Vorgl\u00fchen die Kioske auf dem hiesigen Boulevard leer saufen und Hauseing\u00e4nge vollpissen. Dann gibt es Outdoor noch gemischte S\u00e4ufer\/Kifferszenen, die sich eher halb\u00f6ffentlich aufhalten, wo Str\u00e4ucher etc. Sicht und polizeiliche Kontrolle verdecken. Und die Elendsszenen, mit immer mehr Abh\u00e4ngigen harter Drogen, obdachlos in Zelten, oft in der N\u00e4he von Orten, wo Beratung, Betreuung und Substitution stattfindet.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher waren Kneipen und Orte informeller kollektiver Treffen (z. B. Arbeitslose in der Schlange vor dem Arbeitsamt) auch M\u00f6glichkeiten und Ausgangspunkte politischer Organisation und Gegenwehr. Nicht umsonst waren sie in totalit\u00e4ren Systemen (nicht nur da) Ziel geheimdienstlicher Kontrolle, als Seismographen der Stimmung im Volk. Mit dem Verschwinden der hier genannten Orte, und dem massenhaften Aufkommen von Prekarit\u00e4t und \u00f6ffentlichem Elend, geht einher auch das Verglimmen von Diversit\u00e4t kollektiver und damit politischer Organisation. Mit der Konsequenz einer grundlegenden Ver\u00e4nderung der psychosozialen Verfasstheit von Individualit\u00e4t. Brutalit\u00e4t statt Solidarit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht zu vergessen in dieser Aufz\u00e4hlung nat\u00fcrlich Treffpunkte jenseits der Heteronormativit\u00e4t wie das hiesige \u201e<a href=\"https:\/\/www.hannover.de\/Service\/Gastronomie,-Hotels-Shopping\/Clubs-und-Bars\/Bars-und-Cocktails\/Barkarole\">Barkarole<\/a>\u201c, heute  eine \u201eSchlagerkneipe\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts dieses kurzen, unvollst\u00e4ndigen Trips in die Kneipenkulturgeschichte halte ich die These f\u00fcr gewagt, dass unsere Gesellschaft immer diverser geworden sei. Ich glaube, ihre vereinzelten Mitglieder krakeelen nur lauter rum und die Tatsache, dass alle auf allen Kan\u00e4len bl\u00f6ken \u201eIch bin aber anders als alle anderen\u201c ist eher der Beweis f\u00fcr das Gegenteil.<\/p>\n\n\n\n<p>Demn\u00e4chst ist mal wieder ein Kneipenbesuch f\u00e4llig. Siehe oben, sozioethnologische Exkursion. Fr\u00fcher nannte man das Zechgelage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesehen an einer Kneipe in Hannover-Linden. Vom soziologischen Typus her eine der letzten zwei Kneipen in diesem Kiez, in der eher Angeh\u00f6rige des Prekariats verkehren. Es gibt in diesem ehemaligen Arbeiterviertel noch eine Kneipe, die man fr\u00fcher Arbeiterkneipe genannt hat. Sonst nur unz\u00e4hlige Szenekneipen. 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