{"id":14980,"date":"2024-04-26T12:29:21","date_gmt":"2024-04-26T06:29:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14980"},"modified":"2024-04-26T12:29:21","modified_gmt":"2024-04-26T06:29:21","slug":"26-04-2024-kaeuflichkeit-ist-keine-frage-des-ob-sondern-des-wie-hoch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=14980","title":{"rendered":"26.04.2024 \u2013 K\u00e4uflichkeit ist keine Frage des Ob, sondern des Wie hoch."},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/1990er-Fuer-ein-bundes-besseres-Leben.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"550\" height=\"399\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/1990er-Fuer-ein-bundes-besseres-Leben.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14981\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/1990er-Fuer-ein-bundes-besseres-Leben.jpg 550w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/1990er-Fuer-ein-bundes-besseres-Leben-300x218.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Revolution\u00e4res 1. Mai Plakat Berlin 1990<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich in Kreuzberg ankomme, studiere ich als erstes die endlosen Plakate unter den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Yorckbr%C3%BCcken\">Yorckbr\u00fccken  <\/a>(die eigentlich in Sch\u00f6neberg liegen). Sie liefern Infos \u00fcber Veranstaltungen, an die ich normalerweise nie kommen w\u00fcrde. Und sie geben in ihrer bunten Konzentriertheit Auskunft \u00fcber Zustand und Perspektive der Stadt und der Gesellschaft, sowie \u00fcber den aktuellen Stand der gestalterischen \u00c4sthetik. Besser und sinnlicher als es Internet, B\u00fccher oder Zeitungen je k\u00f6nnten. Die Plakate zum 1. Mai sind dagegen eine lehrreiche Reise in die Vergangenheit, \u00fcber zerst\u00f6rte Utopien, gescheiterte K\u00e4mpfe. Und wenn man Gl\u00fcck hat, \u00fcber Hoffnungen. Da muss an aber sehr viel Gl\u00fcck haben, um sowas zu finden. Oben, im Plakat von 1990, deutete sich schon zart an, dass nach dem Fall der Mauer die gl\u00fcckseligen Zeiten von Berlin als h\u00f6chstsubventionierte Insel und bunte Freiraum-Spielwiese f\u00fcr allerlei mit ABM-Stellen finanzierte Alternativtr\u00e4ume zu Ende gehen w\u00fcrden. Erstmals taucht Begriffe wie \u201eMiete\u201c und &#8222;Spekulation&#8220; auf einem Mai-Plakat auf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/1992-Kommunistische-und-Autonome-Gruppen.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"388\" height=\"550\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/1992-Kommunistische-und-Autonome-Gruppen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14982\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/1992-Kommunistische-und-Autonome-Gruppen.jpg 388w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/1992-Kommunistische-und-Autonome-Gruppen-212x300.jpg 212w\" sizes=\"(max-width: 388px) 100vw, 388px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Revolution\u00e4res 1. Mai Plakat Berlin 1992.<\/p>\n\n\n\n<p>1992 war die Bef\u00fcrchtung zur Gewissheit geworden: Spekulanten w\u00fcrden sich das neue Zentrum der BRD fl\u00e4chendeckend unter den Nagel rei\u00dfen, Vertreibung aus den Stadtteilen fing in Prenzlau an und h\u00f6rt bis heute nicht auf. Ich war damals nat\u00fcrlich auch gegen Berlin als Hauptstadt, Berlin als Vorposten und Speerspitze eines nationalbesoffenen BRD-Imperialismus in der Eroberung der neuen M\u00e4rkte im Osten? Berlin als Hauptstadt eines Vierten Reiches? Niemals.<\/p>\n\n\n\n<p>Naiv. Die neuen M\u00e4rkte in Osten w\u00e4ren im Zeitalter von digitaler Globalisierung auch mit Bonn oder Pattensen als Hauptstadt erobert worden, der Zar des Neoimperialismus kommt nicht aus dem Reichstag, sondern aus dem Osten und was Nationalbesoffenheit angeht, sind andere L\u00e4nder x-mal schlimmer, von Italien \u00fcber England bis Ungarn, T\u00fcrkei etc. pp.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber was ist nicht ist, kann ja noch werden: Die AfD in ihrem Lauf, h\u00e4lt weder Ochs noch Esel auf. Der skurrile Glaube, dass ihre diversen Spionage- und Korruptionsgeschichten ihre Klientel auch nur einen Furz interessieren und von der Wahl abhalten w\u00fcrden, wird sich sp\u00e4testens bei der Bekanntgabe der ersten Wahlergebnisse zur Europawahl in Luft aufl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Geradezu albern finde ich die Vorw\u00fcrfe der demokratischen Parteien, die AfD w\u00fcrde mit ihren Aff\u00e4ren das Vaterland verraten. Erstens verh\u00e4lt sich die AfD nur marktkonform und systemgetreu, sie verkauft an den Meistbietenden. Und das Beste, was man in nationalbesoffenen Zeiten jemanden an die Jacke kleben kann, ist: Vaterlandsverr\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konterattacke der AfD wird sich warmlaufen und Erfolg haben: Das Alles sei nur eine Schmutz-Kampagne der L\u00fcgenpresse und der Systemparteien, um von den Messerm\u00e4nnern und Kopftuchgeb\u00e4rmaschinen abzulenken, die die gro\u00dfe Umvolkung hierzulande vornehmen. Au\u00dferdem ist das AfD-Wahlvolk vermutlich ehrlicher als das versammelte B\u00fcrgerfeuilleton. Sie bewundern die K\u00e4uflichkeit der AfD eher als jene Schlitzohrigkeit, die sie selbst an den Tag legen w\u00fcrden, w\u00e4ren sie nur nahe genug an den T\u00f6pfen dran. Jede hat ihren Preis. K\u00e4uflichkeit ist keine Frage des Ob sondern des Wie hoch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss jetzt in den Keller, meine rote Fahne aus der Mottenkiste holen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Revolution\u00e4res 1. Mai Plakat Berlin 1990 Wenn ich in Kreuzberg ankomme, studiere ich als erstes die endlosen Plakate unter den Yorckbr\u00fccken (die eigentlich in Sch\u00f6neberg liegen). Sie liefern Infos \u00fcber Veranstaltungen, an die ich normalerweise nie kommen w\u00fcrde. 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