{"id":15030,"date":"2024-05-09T13:44:51","date_gmt":"2024-05-09T07:44:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schuppen68.de\/?p=15030"},"modified":"2024-05-09T13:51:43","modified_gmt":"2024-05-09T07:51:43","slug":"09-05-2024-demokratie-und-melancholie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schuppen68.de\/?p=15030","title":{"rendered":"09.05.2024 \u2013 Demokratie und Melancholie"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/kurpension.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/kurpension-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15031\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/kurpension-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/kurpension-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/kurpension-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/kurpension-624x832.jpg 624w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/kurpension.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Kurpension Haus Oldenburg. Bad Pyrmont.<\/p>\n\n\n\n<p>Unl\u00e4ngst verschlug es mich nach Bad Pyrmont. Der Anblick des fr\u00fcher glanzvollen Staatsbades, Kurortes der F\u00fcrsten und Dichter und Herberge manch imposanter Denkm\u00e4ler aus mehr oder weniger glorreichen Kriegszeiten versetzte mich umgehend in Melancholie. Verfall allenthalben<\/p>\n\n\n\n<p>Oh, malerisches Bad Pyrmont,<\/p>\n\n\n\n<p>in Dir hat kurend sich so mancher F\u00fcrst gesonnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt bist verschuldet Du bis \u00fcber beide Ohren<\/p>\n\n\n\n<p>Durch deine leeren Gassen klackern nur noch Rollatoren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/20240507_123934_resized.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/20240507_123934_resized-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15032\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/20240507_123934_resized-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/20240507_123934_resized-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/20240507_123934_resized-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/20240507_123934_resized-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/20240507_123934_resized-624x832.jpg 624w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/20240507_123934_resized.jpg 1734w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Denkmal Krieg 1870\/71 gegen den Erzfeind Frankreich.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/spelunke-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"695\" src=\"http:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/spelunke-1024x695.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15033\" srcset=\"https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/spelunke-1024x695.jpg 1024w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/spelunke-300x204.jpg 300w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/spelunke-768x522.jpg 768w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/spelunke-1536x1043.jpg 1536w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/spelunke-2048x1391.jpg 2048w, https:\/\/www.schuppen68.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/spelunke-624x424.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Schlossweinstube Spelunke. Was f\u00fcr ein zauberhafter Begriff voller Verruchtheit aus verschollenen Zeiten. Wie gerne h\u00e4tte ich einmal ernsthaft in meinem aktiven Sprachgebrauch den Satz von mir gegeben: \u201eUnl\u00e4ngst verschlug es mich in eine \u00fcbel beleumundete Spelunke.\u201c Tempi passati.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war aber eine heitere Melancholie. Nicht zu vergleichen mit der nachtschwarzen Depression, die mich an Orten wie Peine oder Barsinghausen umf\u00e4ngt, wenn ich dort nach 18 Uhr durch die friedhofstote Einkaufsmeile fluchtartig dem Bahnhof entgegenstrebte. In solchen Zombieorten, vermutlich nur eingefleischten Norddeutschen bekannt, herrschte, anders als in Bad Pyrmont, nie Glamour und Glanz, nur das Versprechen auf lebendiges Begrabensein. In Bad Pyrmont aber klang durch die entseelten Gassen f\u00fcr mich noch das Potpourri eines vergangenen Kurorchesters, das Gekicher und Gescherze der Kurschatten und das freundliche: \u201cHier die K\u00e4nnchen Kaffee und der Frankfurter Kranz f\u00fcr die Damen\u201c der wei\u00df besch\u00fcrzten Bedienungen. Die die fetten Matronen in Wirklichkeit hassten wie die Beulenpest.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Melancholie mit ihren heiteren Momenten ist zu trennen von der d\u00fcsteren Depression. Im klinischen Sinne waren beide fr\u00fcher deckungsgleich, bevor sich der Begriff Depression etablierte. Mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das durchaus verschiedene&nbsp; Gem\u00fctszust\u00e4nde sind und die Melancholie hat einen eigenen Diagnoseschl\u00fcssel nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ICD-11\">ICD-11<\/a> (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten der WHO).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Melancholie ist mit einem bitters\u00fc\u00dfen Sehnen in der Brust nach einer besseren, meist vergangenen, Welt behaftet. Sie w\u00e4hrt in ihrer leichten Auspr\u00e4gung nur kurz, \u00e4hnlich dem Gl\u00fccksempfinden, und kann durchaus aktivieren. Mich motivierte sie z. B. zum \u00fcberaus gelungenen Vierzeiler oben und einer umfangreichen Fotodokumentation. Anders die ichverschlingende Peiner Depressionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich vermute, dass der Anflug von Melancholie in Bad Pyrmont (sch\u00f6ner Titel f\u00fcr einen schr\u00e4gen Song) sich aus mehreren Quellen speiste: Einerseits aus dem objektiv vorhandenen geschichtlichen Geist des traditionsreichen und verfallenden Ortes, andererseits gemahnte mich die ganze Atmosph\u00e4re nat\u00fcrlich auch an meine eigene Verg\u00e4nglichkeit. Nicht dass meine besten Zeiten hinter mir l\u00e4gen. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mQIZ-Esbg_c\">The best is yet to come .<\/a> Wie zum Beispiel der Karneval der Kulturen. Aber Bergfest war schon.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nat\u00fcrlich erinnerte mich der Zustand Bad Pyrmonts an unsere Demokratie. Prachtvolle Denkm\u00e4ler, die an glorreiche Zeiten erinnern, allenthalben. Wie zum Beispiel die ewiggleichen hilflosen Beschw\u00f6rungs- und Beschwichtigungsreden, die aus allen Kan\u00e4len zu vernehmen sind, nicht nur von Politikerinnen, angesichts der anschwellenden \u00dcberf\u00e4lle von Faschisten auf Demokratinnen. Diese Reden sind leere H\u00fcllen. Sie bewirken nichts, sie beschw\u00f6ren eine vermeintlich glorreiche Vergangenheit und demokratische Gegenwart, die real aber so aussieht wie das Kurhaus Oldenburg und die Spelunke.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Grunde, und das war Teil des heiteren Momentes der Bad Pyrmonter Melancholie, war ich angesichts der Drohungen der Zukunft froh, dass das Bergfest schon hinter mir liegt, das Beste aber dennoch erst noch kommt. Und dass mich die Melancholie zu einem Gedichtband angeregt hat, dessen erstes Werk Sie, liebe Leserinnen, hier exclusiv lesen konnten. Titel: Bad Pyrmonter Elegien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurpension Haus Oldenburg. Bad Pyrmont. 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